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Tarifeinigung: Lufthansa-Flugbegleiter erhalten deutlich mehr Gehalt

Die Lufthansa und die Flugbegleiter haben sich auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Die Mitglieder der Gewerkschaf Ufo müssen den Schlichterspruch nun noch annehmen. Es gibt eine ordentliche Gehaltserhöhung.

Die Lufthansa und die Flugbegleiter der Gewerkschaft Ufo haben sich im Tarifstreit geeinigt. Quelle: dpa
Die Lufthansa und die Flugbegleiter der Gewerkschaft Ufo haben sich im Tarifstreit geeinigt. Quelle: dpa

Wiesbaden/FrankfurtDie Lufthansa hat nach einem langen und harten Arbeitskampf einen neuen Tarifvertrag mit ihren Flugbegleitern geschlossen. Die Tarifparteien hätten sich darauf geeinigt, dass es bei den Stewards und Stewardessen der Airline bis Ende 2014 keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde, teilte die Lufthansa am Dienstag mit.

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„Das ist gerade in Zeiten, wo in anderen Teilen des Konzerns Arbeitsplätze abgebaut werden, sehr wichtig“, sagte Nicoley Baublies, Chef der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo. Seit September hatte der ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup in dem Konflikt geschlichtet, in dem die Flugbegleiter die Airline schon dreimal bestreikt hatten.

Kleine Gewerkschaften mit großer Macht

  • Mit Potenzial zur Blockade

    Sie sind klein, aber schlagkräftig. In der Luftfahrt, aber auch bei der Bahn und den Medizinern gibt es erfolgreiche Spartengewerkschaften. Einige Beispiele.

  • Vereinigung Cockpit (VC)

    Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 8200 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.

  • Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF)

    Zu den knapp 4000 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen. Wenn die Lotsen ihre Arbeit niederlegen, müssen tausende Flugreisende am Boden bleiben.

  • Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO)

    Nach eigenen Angaben ist sie in Deutschland die einzige Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die UFO hat mehr als 10.000 Mitglieder.

  • Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GdL)

    Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

  • Marburger Bund (MB)

    Nach eigenen Angaben ist sie die einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland. Sie hat mehr als 110.000 Mitglieder und kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen sowie eine leistungsgerechte Vergütung in Krankenhäusern.

Die Stewardessen erhalten zudem eine Lohnerhöhung von 3,95 Prozent ab Januar 2013 für zwei Jahre sowie eine Einmalzahlung - insgesamt beläuft sich das Volumen damit auf 4,6 Prozent. Die Lufthansa hält den Abschluss für teuer erkauft. „Der Kompromiss ist für die Lufthansa sehr schmerzhaft“, sagte Passagiervorstand Peter Gerber. Die Mehrkosten beliefen sich für den Konzern brutto auf 33 Millionen Euro. Die Gewerkschaft hatte Gehaltserhöhungen von fünf Prozent bei einer Laufzeit von 15 Monaten gefordert. Dagegen hatte die Lufthansa eine Erhöhung um 3,5 Prozent über drei Jahre angeboten.

Überproportional profitieren kurzfristig Beschäftigte, weil die Eingangsstufen abgeschafft werden. Beschäftigte, die zur Billigtochter Germanwings wechselten, sollten Mitarbeiter der Lufthansa bleiben, hieß es. Die Tarifpartner verständigten sich in der Schlichtung zudem auf ein Jahresarbeitszeitmodell. In einem flexiblen Arbeitszeitkorridor könnten für die Zeit eines zu erwartenden Personalüberhangs Arbeitszeit und entsprechend Gehälter um bis zu fünf Prozent reduziert werden, erklärte Rürup.

Flotte der Lufthansa Mit diesen Maschinen fliegt die Kranich-Linie

  • Flotte der Lufthansa: Mit diesen Maschinen fliegt die Kranich-Linie
  • Flotte der Lufthansa: Mit diesen Maschinen fliegt die Kranich-Linie
  • Flotte der Lufthansa: Mit diesen Maschinen fliegt die Kranich-Linie
  • Flotte der Lufthansa: Mit diesen Maschinen fliegt die Kranich-Linie

Erneute Streiks sind aber noch nicht endgültig vom Tisch, denn in trockenen Tüchern ist die Einigung noch nicht. Die Ufo-Mitglieder müssen den Schlichterspruch in einer Urabstimmung noch annehmen. Mehr als 50 Prozent von ihnen müssten bis zum 10. Dezember zustimmen, sagte Baublies.

Lufthansa

Das wird nicht einfach: Die Stimmung bei den Flugbegleitern ist gereizt, da Deutschlands größte Airline einen strikten Sparkurs verfolgt, der jüngst sogar noch verschärft wurde. Ihre Schlagkraft hat die Gewerkschaft bereits bewiesen und die Lufthansa im Spätsommer drei Tage lang bestreikt.

Die Lufthansa will einen Teil ihres Europaverkehrs von der Billigtochter Germanwings erledigen lassen, bei der die Bordkräfte weniger verdienen als beim Mutterkonzern. Zusätzlich werden wegen der Kürzung der Flugkapazitäten noch 2000 Flugbegleiter weniger gebraucht.

Stärken+Schwächen Lufthansa

  • Stärke: Niedrige Schulden

    Darauf hat der demnächst ausscheidende Finanzchef Stephan Gemkow stets eisern geachtet: die finanzielle Stabilität. Sie drückt sich vor allem in einer niedrigen Verschuldung aus. Und hier kann sich Lufthansa im Branchenvergleich sehen lassen. Zwar sind die Nettofinanzschulden gestiegen, auch weil Investitionen getätigt wurden. Dennoch betragen die Nettofinanzschulden nur knapp 56 Prozent des Eigenkapitals. Und dabei sind die Pensionsrückstellungen des Konzerns bereits eingerechnet. Der Rivale Air France-KLM kommt hier dagegen auf den beachtlichen Wert von 107 Prozent. Unter Finanzexperten gelten 100 Prozent als Schmerzgrenze. Jenseits dieser Schwelle wird die Verschuldung zu einem ernsten Problem.

  • Stärke: Niedrige Leasingraten

    Die gleiche Zurückhaltung hat sich Lufthansa beim Thema Leasing auferlegt. Das Management legt großen Wert darauf, dass stets der größte Teil der Flotte im Eigenbesitz ist. Airlines wie der deutsche Rivale Air Berlin setzen dagegen stark auf das Mieten (operatives Leasing) von Flugzeugen. Das mag zwar auf den ersten Blick eine schnelle Expansion erleichtern, da neue Flugzeuge nicht sofort voll bezahlt werden müssen. Doch stattdessen werden die Finanzierungsrisiken in die Zukunft verlagert. Lufthansa hat derzeit nur knapp 17 Prozent seiner 696 Flugzeuge geleast. Zum Vergleich: Bei Air Berlin sind es knapp 80 Prozent der Flugzeuge, die mehrheitlich auf dem Wege des operativen Leasings beschafft wurden. Das drückt den Gewinn, denn Air Berlin muss die Leasingraten im operativen Ergebnis verbuchen. Dagegen hat Lufthansa 31 Flugzeuge über Finanzleasing (Mietkauf) gemietet. Dabei gelten die Leasingraten als Finanzierungskosten, sie belasten das Betriebsergebnis nicht. Unter dem Strich betrugen die operativen Leasingaufwendungen 136 Millionen Euro – weniger als ein Prozent des gesamten Materialaufwands.

  • Schwäche: Betagte Flotten

    Die Lufthansa-Flotte als alt zu bezeichnen, wäre zwar übertrieben. Aber betagt sind Teile des Fluggeräts durchaus. Das Durchschnittsalter der Flotte liegt bei über elf Jahren. Damit liegt Lufthansa zwar noch unter dem weltweiten Durchschnittsalter von knapp 14 und auch dem in Europa von zwölf Jahren. Air Berlin fliegt aber mit Flugzeugen, die im Schnitt nicht älter als fünf Jahre sind. Auch Emirates nutzt eine junge Flotte. Das bringt deutliche Kostenvorteile. Moderne Flugzeuge verbrauchen weniger. Leiser sind sie zudem auch noch.

  • Schwäche: Magere Margen

    Wichtige Finanzkennzahlen zeigen, wie gut es Lufthansa noch geht, jedenfalls relativ. Zwar enttäuschte der Konzern im vergangenen Geschäftsjahr mit einem Nettoergebnis von minus 13 Millionen Euro. 2010 hatte Lufthansa noch ein Plus von 1,13 Milliarden Euro erzielt. IAG konnte sein Nettoergebnis dagegen von 100 Millionen auf 555 Millionen Euro steigern. Allerdings brach das Ergebnis bei Air France-KLM von 286 Millionen auf minus 805 Millionen Euro ein. Doch schon bei der Umsatzrendite im operativen Geschäft (Ebit) dreht sich das Bild. Lufthansa erreichte 2011 dort eine Marge von 2,7 Prozent – und lag damit um 0,2 Punkte vor dem Wettbewerber IAG. Air France-KLM schrieb auch auf dieser Position tiefrote Zahlen. Auch wenn es um die Frage geht, welche finanziellen Mittel aus dem operativen Geschäft bleiben, um die notwendigen Investitionen zu finanzieren, zieht Lufthansa der europäischen Konkurrenz davon. So schaffte der Konzern trotz des Ergebniseinbruchs im vergangenen Jahr einen positiven freien Cash-Flow, wenngleich dieser mit 72 Millionen Euro bescheiden ausfiel. Aber immerhin, das Unternehmen war damit in der Lage, aus dem Mittelzufluss die wichtigen Investitionen zu bezahlen. Das schafften die beiden Konkurrenten nicht. Die IAG erzielte einen freien Cash-Flow – also der Kassenbestand abzüglich der Investitionen – von minus 301 Millionen Euro, bei Air France-KLM lag der Wert sogar bei minus 1,5 Milliarden Euro. Beide Unternehmen haben damit im vergangenen Jahr Geld verbrannt

  • Schwäche: Hohe Personalkosten

    Zwei Zahlen drücken das wesentliche Dilemma der Lufthansa eindrucksvoll aus: Der Konkurrent Ryanair benötigt 8000 Mitarbeiter, um 72 Millionen Passagiere zu befördern, die Lufthansa gut 55 000 für 100 Millionen. Die Folgen dieses Vergleichs sind in der Bilanz deutlich abzulesen. Lufthansa gab im vergangenen Geschäftsjahr 23,3 Prozent des Umsatzes alleine für Personalkosten aus. Die Billigairline Ryanair kommt gerade einmal auf einen Anteil von 10,4 Prozent. Auch die Golf-Airline Emirates verbucht deutlich geringere Personalkosten: 14,4 Prozent vom Umsatz. Zwar arbeitet Emirates wie Lufthansa mit großer Servicemannschaft. Aber in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind die Arbeitskosten deutlich niedriger. Hinzu kommt, dass Emirates als junge Airline, die gerade einmal gut 20 Jahre alt ist, noch kaum mit Pensionslasten konfrontiert ist. Zudem herrscht anders als bei fast allen alteingesessenen Fluggesellschaften bei Emirates das sogenannte Senioritätsprinzip nicht. Es sichert den Piloten einen automatischen Gehaltszuwachs, der nach Betriebszugehörigkeit gestaffelt ist.

  • Schwäche: Schwindende Größenvorteile

    Doch mehr noch als der Investitionsdruck beunruhigt ihn ein anderes Problem. Die Größe als Erfolgsfaktor verliert im europäischen Wettbewerb an Bedeutung. Denn das Geschäft hat sich über die vergangenen Jahre massiv verschoben. Die neuen Konkurrenten heißen Ryanair auf der Kurzstrecke und Emirates auf der Langstrecke. Und die arbeiten mit ganz anderen Kennzahlen als die traditionellen Konkurrenten in Europa. Emirates zum Beispiel war mit einem Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/2011 von umgerechnet 11,2 Milliarden Euro zwar nicht einmal halb so groß wie Lufthansa. Doch der Konkurrent aus Dubai wächst rasant, nicht zuletzt im Heimatmarkt von Lufthansa, Europa. So legte der Umsatz von Emirates im abgelaufenen Geschäftsjahr um satte 25 Prozent zu. Noch beeindruckender ist die operative Marge der Golf-Airline. Sie betrug 2011 zehn Prozent. Ryanair kam zuletzt sogar auf gut 13 Prozent. Von solchen Margen kann Lufthansa nur träumen. Selbst in Rekordjahren kam der Kranich kaum über sechs Prozent. 2007 etwa, in einem sehr guten Jahr, erwirtschaftete das Unternehmen eine operative Marge von 6,1 Prozent. Konzernchef Franz will mindestens acht Prozent schaffen. Und er macht Druck. „Jetzt sind wir noch in der glücklichen Lage, aus einer Position der Stärke heraus die notwendigen Veränderungen voranzutreiben“, sagt der oberste Lufthanseat. Doch das Ziel – bislang nennt Franz dafür keine Zeitvorgaben – ist noch in weiter Ferne. 2011 schaffte nur die Frachttochter Lufthansa Cargo die Vorgabe und kam auf eine operative Marge von 8,5 Prozent.

  • Schwäche: Unrentable Beteiligungen

    Auf der Ergebnisseite sieht es mau aus. Gerade einmal 349 Millionen Euro flog das Geschäft mit den Passagieren als Betriebsergebnis ein. Die Marge liegt bei mageren 1,6 Prozent, was der Konzern belastenden Zukäufen verdankt. Die österreichische Austrian Airlines (AUA) hat sich zur Dauerbaustelle entwickelt. Zwar stimmte dort die Belegschaft in dieser Woche und damit in letzter Minute einem umfassenden Sparprogramm zu. Im Gegenzug aber musste Lufthansa erneut 140 Millionen Euro nachschießen. Als hinderlich erwiesen sich zudem die englische British Midland (BMI) und das Fracht-Joint-Venture Jade in China. Beide haben Lufthansa nie wirklich Freude bereitet, stattdessen aber Verluste. Zwar sind beide mittlerweile verkauft oder stehen kurz davor. Dennoch belasteten beide Töchter die letzte Ergebnisrechnung von Lufthansa mit 323 Millionen Euro. Für die Aktionäre bleibt nur ein schwacher Trost: Mittlerweile hat Franz alle Verlustbringer so gut wie beseitigt.

 

  • 19.11.2012, 11:34 UhrMaria

    Die Meldungen in der Presse sind im besten Falle als Halbwahrheiten zu bezeichnen.
    Klar, die Küken bei Lufthansa kommen gut weg. Aber auf Kosten der langjährigen Mitarbeiter!
    WO kommen diese Dinge in die Öffentlichkeit?
    Solidarteilzeit,eingefrorene Stufensteigerung, wegfallender Konfaktor,für manche Jahrgänge wegfallender Urlaubstag...
    Ab 2013 werden die älteren,langjährigen Mitarbeiter weniger verdienen als 2012!
    Und was die breite Öffentlichkeit/Passagiere oft nicht wissen:
    "Überbezahlt" ist anders.
    Flugbegleiter bekommen ihr Geld für die Stunden die das Flugzeug in Bewegung ist.
    Die Stunden die man vorher am Flughafen ist, Briefing, das warten bis boarding rum ist,das Flugzeug wirklich abhebt. Bei mehreren Kurzflügen ist man effektive mehr "unbezahlt" unterwegs als bezahlte Flugstunden erwirtschaftet werden.
    Und wehe der Flieger bleibt am Boden, wegen Nebel, Schnee, Defekt etc.
    PP (persönliches Pech).




  • 19.11.2012, 10:13 UhrMaria

    tja, DAS kommt dabei heraus, wenn die Lufthansa ne geile PR Abteilung hat die Halbwahrheiten an die Presse weitergibt. Die sind ihr Geld echt Wert.
    WO sind die langjährigen Flugbegleiter, die der Presse mal die Wahrheit erzählen? Das es für die effektiv Gehaltskürzungen gibt?

  • 18.11.2012, 12:59 UhrBowie

    Intelligent ist die Ziele ohne Arbeitsverlagerrung ins Ausland zu bewekstellingen.Was betriebswirtschaftlich Sinn macht kann Volkswirtschaftlich brand gefährlich sein.
    Menschen die Angst um Ihren Arbeitsplatz haben werden wohl
    kaum an den nächsten Flug denken und dann kommt die Zeit wo auch noch mit sinkenden Passagierzahlen gekämpft werden muss.

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