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Technologie-Beratungen: IT-Experten müssen menscheln

Mit einem zu starken Fokus auf Technologie liegen IT-Beratungen bei Projekten oft daneben. Die Folgen der Blauäugigkeit: Organisationschaos, Mitarbeiterfrust und Systemausfälle. Eine neue Sichtweise greift Raum.

Vorbei die einsame Zeit: IT-Experten sollen teamfähiger werden. Quelle: Pressebild
Vorbei die einsame Zeit: IT-Experten sollen teamfähiger werden. Quelle: Pressebild

HAMBURG. Der Nachruf, den die Burton-Group-Analystin Anne Thomas Manes Anfang 2009 in ihrem Blog veröffentlichte, erinnerte nicht an einen verstorbenen Menschen. Sie trug ein technologisches Konzept zu Grabe: "Die Service-orientierte Architektur (SOA) ist von uns gegangen. SOA-Müdigkeit ist endgültig von SOA-Desillusionierung abgelöst worden. SOA ist zu einem bösen Wort geworden, das wir aus unserem Vokabular streichen müssen."

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Peinlich für die Branche der IT-Berater: Das böse Wort SOA füllte in den Jahren zuvor als Schlagwort etliche Präsentationen. Rund um die Welt waren mehrere hundert Projekte angeschoben worden, um in Firmen die alte, statische IT-Landschaft durch eine modulartig aufgebaute Architektur zu ersetzen. Doch viele zogen sich länger hin als geplant, bei etlichen explodierten die Kosten, einige scheiterten ganz.

Die Idee der flexiblen Anwendungen besticht auf dem Papier weiterhin. Schließlich lässt sich die IT so extrem schnell an neue Geschäftsanforderungen anpassen. Klar ist aber auch: Das Konzept SOA bedeutet für die Anwender, dass sie sich extrem umstellen müssen. Wie schwer das vielen fiel, bemerkten Berater oft erst im Zuge der Projekte. "Da haben wir gewaltig was angestiftet, ohne manchmal in letzter Konsequenz zu bedenken, ob wir vielleicht Organisationen überfordern", sagt Uwe Dumslaff, Technologie-Vorstand der Beratungsfirma Capgemini in Deutschland.

Strategie oder Aktionismus?

Die Folgen der Blauäugigkeit: Organisationschaos, Mitarbeiterfrust und Systemausfälle. Auch Sicherheitsprobleme drohen aus einer zu vehementen Vernetzung und Digitalisierung von immer mehr Unternehmensprozessen. Auf der Pro-Seite verlocken hingegen eine höhere Geschwindigkeit, Kostenvorteile oder Produktivitätsgewinne.

Kommt es zu Ausfällen, wird es teuer: Schon die Reparatur schadhafter IT-Systeme kostet eine Durchschnittsfirma jährlich 263 347 Euro, errechneten die britischen Marktforscher Coleman Parkes. Laut einer Schätzung des IT-Management-Software-Anbieters CA Technologies entstehen so Umsatzausfälle von jährlich über 17,7 Mrd. Euro in Europa.

Dumslaff ist einer der wenigen, die es wagen, angesichts der unbeabsichtigten Folgen von IT-Projekten nun auch selbstkritische Töne anzuschlagen. "Der Blick zurück betrifft uns jeden Tag", sagt Dumslaff. "Wir müssen mit den Ergebnissen leben, egal, ob wir oder ein Wettbewerber den Kunden von der Nutzung einer bestimmten Lösung überzeugt haben."

  • 18.11.2010, 09:31 UhrAnonymer Benutzer: knopfauge

    Und da beweist sich wieder: Werden diese Typen nach dem nachhaltigen Erfolg ihrer Lösungen bezahlt, so wäre diese nahezu alle pleite.

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