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24.08.2006 
Abbau von Kapitalbindungen wird forciert

Tui diskutiert Rückzug aus dem Fluggeschäft

Der von schlechten Erträgen in der Container-Schifffahrt und mäßigem Geschäft in der Touristik gebeutelte Touristik- und Transportkonzern Tui sucht nach Wegen, seinen milliardenschweren Schuldenberg abzubauen.

HB DÜSSELDORF. Erwogen werde ein mittelfristiger Rückzug der Tui aus dem nicht wettbewerbsfähigen Fluggeschäft. Erwogen werde könne auch, dass die Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd (HL) Schiffseigentum zugunsten von Leasingverträgen aufgibt, erfuhr das Handelsblatt von Aufsichtsräten der beiden Unternehmen. Letzteres sei überhaupt kein Thema, sagte hingegen ein Tui-Konzernsprecher.

Kapitalbindungen zu verringern, ist offenbar eines der zentralen Punkte, mit denen sich der Tui-Aufsichtsrat nächste Woche in einer Klausurtagung in Salzburg befassen wird. Vor dem Hintergrund einer Nettoverschuldung, die Tui-Chef Michael Frenzel bei der Präsentation der Halbjahreszahlen kürzlich mit noch 2,9 Mrd. Euro angab, drücken den Konzern angesichts der mageren Erträge die hohen Zinsbelastungen, bestätigen konzernnahe Kreise.

Tui hatte durch die stürmische Akquisitionspolitik in der Touristik in den 90-er Jahren einen hohen Schuldenberg angehäuft. Dieser wurde zwar durch die Desinvestitionen ehemaliger Preussag-Geschäftsbereiche teilweise abgebaut, doch im vergangenen Jahr kam noch einmal der rund zwei Milliarden Euro teure Erwerb der britisch-kanadischen Schifffahrtsgesellschaft CP Ships hinzu.

In der Luftfahrt könnte sich Tui deshalb von der Ferienfluggesellschaft Hapag-Lloyd Flug (HLF) und dem Billigflieger HLX trennen. Der Aufsichtsrat wird sich nach Handelsblatt-Informationen mit einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger befassen, die diese Option ausdrücklich enthält.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Aufsichtsrat forciert den Abbau von Kapitalbindungen.

Gesucht würde ein Investor, der das Airline-Geschäft saniert, um es dann zu veräußern. In einem ersten Schritt werde der Aufsichtsrat wohl nächste Woche eine vollständige Zusammenlegung der beiden Gesellschaften beschließen, bestätigten Unternehmenskreise. Diskutieren wird der Aufsichtsrat auch alternative Überlegungen der Berger-Studie, die Tui-Airlines mit der Condor, der Flugtochter des Lufthansa/Karstadt-Quelle-Joint-Ventures Thomas Cook, zusammenzubringen.

Rein rechnerisch wäre eine solche Fluggesellschaft dann die Nummer drei in Deutschland. Ein Tui-Manager sagte allerdings dem Handelsblatt: „Ich kann mir das nicht vorstellen, denn wenn wir da Geld mitbringen sollen, müssten wir wohl passen.“ Ein Unternehmensberater wollte den Deal gleichwohl nicht ausschließen: Letztlich habe Lufthansa ein Interesse daran, die mit dem Zusammengehen von Air Berlin und DBA begonnene Konsolidierung des deutschen Luftverkehrsmarkt nicht vollständig an ihr vorbei gehen zu lassen.

Die angestrebte Verringerung der Kapitalbindung bremst auch Frenzels Pläne für das Kreuzfahrtgeschäft. Investitionen in eine eigene Flotte seien kaum möglich, hieß es aus dem HL-Aufsichtsrat. Denkbar seien Leasingverträge oder die Partnerschaft mit einem Kreuzfahrt-Anbieter.

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