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07.05.2008 
Hauptversammlung

Tui-Großaktionär Fredriksen macht Abstriche

von Eberhard Krummheuer

Die Zeichen standen auf Sturm. Wochen lang war heftig über die Zukunft des Reise- und Schifffahrtskonzerns Tui und das Gezerre der Großaktionäre John Fredriksen und Alexej Mordaschow gestritten worden. Doch bei der Hauptversammlung am Mittwoch in der fast bis auf den letzten Platz besetzten Eilenriede-Halle des Congress-Centrums Hannover kam es anders als erwartet.

Lupe

HANNOVER. Natürlich: Im Mittelpunkt steht der Mann, der im vergangenen Jahr erst Tui-Aktionär wurde und sich knapp zwölf Prozent der Anteile zusammenkaufte: John Fredriksen, der norwegische Reeder, größter Einzelaktionär. Der Mann, der Konzernchef Michael Frenzel zum erneuten Kurswechsel zwang: Noch im Januar wollte der Tui-Vorstand die Containerschiffstochter Hapag-Lloyd mit der Tui verschmelzen. Nach massivem Druck aus dem Londoner Büro Fredriksens dann die komplette Wende: Die Hamburger Tochter soll nun verkauft werden.

Das verstehen viele Aktionäre nicht mehr. Vom Schlingerkurs ist die Rede, und Frenzel muss sich als "Wendehals" bezeichnen lassen. Christoph Großmann, Sprecher der Belegschafts-Aktionäre, spricht vom "Sog der Gier" und ruft nach der "vertrauensvollen Kultur" zwischen Vorstand, Aufsichtsrat, Investoren, Aktionären, die überhaupt erst den langen Weg von der Preussag zur Tui ermöglicht habe. Das alles zerstöre "der Herr Fredriksen" jetzt "rüde".


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Der Norweger kommt auch bei anderen Aktionärssprechern nicht unbedingt gut weg. Nein, von "den Wikingern" solle die Tui nicht übernommen werden, meint einer. Dass Fredriksen kurzfristig "wegen eines kleinen medizinischen Eingriffs" die HV-Teilnahme absagte, fordert zu Hohn heraus. Er sei bestimmt kein Kassenpatient, da habe er sicher einen anderen Arzttermin bekommen können.

So blieb es seinem Geschäftspartner, dem Vertrauten Olav Troim, überlassen, das Fredriksen-Engagement an der Tui den Anteilseignern näher zu bringen. Der hoch aufgeschossene Mann mit dem schwungvoll frisierten skandinavisch-blonden Schopf startet in gebrochenem Deutsch, wechselt dann aber ins Englische und lässt sich abschnittsweise übersetzen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Zeichen der Schwäche vor entscheidender Abstimmung?

Seine Botschaft überschreitet die übliche Redezeit deshalb kräftig, doch Aufsichtsratschef Jürgen Krumnow unterbricht den 50-Minuten-Beitrag nicht ein einziges Mal. Neuigkeiten vermittelt Troim nicht. Er wiederholt die Kritik am Tui-Management in den letzten Jahren, bemängelt dürftige Finanzergebnisse und die Aktienkurs-Entwicklung. Er prangert Interessenkonflikte derjenigen Aktionäre im Aufsichtsrat an, die in der Hotelbranche gute Geschäfte mit der Tui machen. Er fordert einen Sitz für Fredriksen im Aufsichtsrat, um Schifffahrts-Expertise für die beabsichtigte Trennung von Hapag-Lloyd in das Gremium einzubringen. Und erneut verlangt er die Absetzung von Aufsichtsratschef Krumnow, weil der den Vorstand nicht genügend kontrolliert habe.

Dennoch blitzen die Klingen nur noch auf, die Atmosphäre ist überwiegend sachlich-ruhig. Überraschung kommt in der Eilenriede-Halle lediglich auf, als Troim nicht mehr auf einem zweiten Aufsichtsratssitz - dem Posten für ihn selbst - beharrt. Ein Zeichen von Schwäche vor der entscheidenden Abstimmung? Jedenfalls hat Troim dem Konzernchef ein hervorragendes Forum zum Punkten gegeben. "Ich bedauere, dass wir diese Diskussion jetzt hier öffentlich führen müssen", startet Frenzel seine Antworten auf Troims Fragen. Der Vorstand stehe jederzeit und an jedem Ort für eine sachliche Diskussion mit dem größten Anteilseigner bereit. Der Austausch müsse nicht über Zeitungsinterviews erfolgen. Frenzel ist in Bestform: Wie schon bei seinem Vortrag am Morgen wirkt er so, als ob die wochenlangen Diskussionen spurlos an ihm vorüber gegangen sind.

Mit der Kritik an Krumnow steht der Norweger jedoch nicht allein da. "Dieser Aufsichtsrat hat nur eine Funktion: Er soll den Vorstand als Bollwerk schützen - und das ist falsch", formuliert Hans Buhlmann-Christoph von der Vereinigung Institutionelle Privatanleger. Und Michael Gierse von Union Investment kündigt an, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern, ebenso den Hoteliers unter den Aufsichtsräten - wegen des von Troim angesprochenen Interessenkonflikts.

Auf Fredriksen-Kurs ist Gierse damit nicht: Die Abspaltung von Hapag-Lloyd hält er für einen "Kurzschluss". Kräftiger formulierte es Hauptversammlungsveteran Kurt Fiebig: Das sei "eine Schnapsidee" und "die größte Dummheit, die man sich vorstellen kann", wettert er. Doch die Würfel sind gefallen: Das hatte Fredriksen schon vor der Hauptversammlung durchgesetzt.

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