0 Bewertungen
11.06.2008  | Aktualisiert 24.06.2008, 16:06 Uhr 
Trennung von Schifffahrtssparte

Tui startet Verkauf von Hapag-Lloyd

von Eberhard Krummheuer

Es wurde schon länger spekuliert, nun ist es offiziell: Der Mischkonzern Tui trennt sich von seiner Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd. Ein Memorandum von Konzernchef Frenzel sorgte am Dienstag endlich für Gewissheit. Die Zukunft der abgespaltenen Containersparte ist allerdings noch offen.

Das Schiffahrtsunternehmen Hapag-Lloyd gehört bald nicht mehr zum Tui-Konzern. Die Zukunft der Sparte ist noch offen. Foto: ArchivLupe

Das Schiffahrtsunternehmen Hapag-Lloyd gehört bald nicht mehr zum Tui-Konzern. Die Zukunft der Sparte ist noch offen. Foto: Archiv

DÜSSELDORF. Der norwegische Reeder und Milliardär John Fredricksen, mit knapp 15 Prozent Anteil größter Einzelaktionär der Tui, will seinen Einfluss bei Europas größtem Reise- und Schifffahrtskonzern weiter ausbauen. Fredricksens Vertrauter Olav Troim sagte einer norwegischen Zeitung: "Wir kaufen weiter Tui-Aktien." Er unterstrich, dass der Norweger "in vielerlei Hinsicht" die Konditionen für den beabsichtigten Verkauf der Tui-Schifffahrtssparte, der Reederei Hapag-Lloyd, bestimmen wolle.

Unterdessen hat Tui-Chef Michael Frenzel am Dienstag seinem Aufsichtsrat Grundzüge eines "Informationsmemorandums" zum Hapag-Lloyd-Verkauf vorgestellt. Es soll in der kommenden Woche einem größeren Kreis potenzieller Interessenten zur Verfügung gestellt werden. Wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist, war das Papier gestern noch nicht in allen Details fertiggestellt. Entscheidungen des Aufsichtsrates sollten ohnehin nicht herbeigeführt werden. Diese seien erst dann erforderlich, wenn Gebote vorliegen. Damit rechnet man bei Tui wie Hapag-Lloyd erst nach der Sommerpause.

Auf massiven Druck von Fredricksen, der weitere Anteilseigner hinter sich bringen konnte, hatte Frenzel im März dem Aufsichtsrat die Trennung der Tui von der hundertprozentigen Schifffahrtstochter vorgeschlagen. Damit ließ Frenzel sein ursprüngliches Ziel fallen, im Rahmen der mehrjährig verfolgten Zwei-Säulen-Strategie die Schifffahrt zu stärken. Sie galt Frenzel im Unterschied zur krisenanfälligen Touristik als das ertragreichere Geschäft.

Auf der Bilanzpressekonferenz hatte der Tui-Chef dann den Strategiewechsel unter anderem damit begründet, dass man auf die Dauer kein Unternehmen gegen die Vorstellungen wichtiger Anteilseigner führen könne. Zum Tui-Umsatz von 22 Mrd. Euro trug Hapag-Lloyd im vergangenen Jahr rund sechs Mrd. Euro bei, das Ergebnis von 616 Mill. Euro beruht zu 30 Prozent auf Resultaten der Schifffahrt.

Mit dem Memorandum will Tiu potenzielle Kunden detailliert über Hapag-Lloyd informieren und auch die Perspektiven für die nächsten Jahre beschreiben.

Zum Verkauf stehen neben der Containerschifffahrt mit einer Flotte von 140 teils eigenen, teils geleasten Schiffen auch die Beteiligungen an zwei Container-Terminals. Hapag-Lloyd ist zu 25 Prozent an der Umschlaganlage in Hamburg-Altenwerder und zu 20 Prozent an einem Terminal in Montreal in Kanada beteiligt. Dieser hatte ursprünglich der 2005 übernommenen Reederei CP Ships gehört, war aber bis auf das verbliebene Fünftel verkauft worden.

Unternehmenskreise hatten in der Vergangenheit berichtet, Hapag-Lloyd stehe bei Tui mit einem Wert von 3,5 Mrd. Euro in den Büchern. Spekulationen über den Kaufpreis bewegen sich zwischen fünf und acht Milliarden Euro. Die Containerschiffe und die genormten Blechkisten selbst waren bislang bei der Tui bilanziert und müssen vor dem Deal an die Tochter übertragen werden. Der Wert von Hapag-Lloyd hänge deshalb sehr stark davon ab, in welchem Umfang sich die Reederei für den Erwerb dieses Anlagevermögens verschulden muss, hieß es in Hamburger Reederei-Kreisen.

Parallel zum beginnenden Dialog mit potenziellen Bietern werde Tui weiterhin auch die Möglichkeiten einer Abspaltung von Hapag-Lloyd in eine eigene Aktiengesellschaft (Spin-off) und auch die einer Fusion weiter prüfen, heißt es in konzernnahen Kreisen. Entsprechend hatte sich Tui-Chef Frenzel auch auf der Hauptversammlung geäußert. Im Konzern wird erwartet, dass der Prozess kaum vor Ende dieses Jahres abgeschlossen sein kann.

Nachdem Frenzel in einem Aktionärsbrief bereits den Anteilseignern eine angemessene Beteiligung an den Verkaufserlösen versprochen hatte, fordert Großaktionär Fredricksen nun, dass nach einer Schuldenreduzierung ein erheblicher Anteil der Erlöse als Sonderdividende ausgeschüttet wird.


Fredricksen und sein Vertrauter Troim

Wenn es um die Tui geht, dann lässt Großaktionär John Fredricksen seinen Vertrauten Olav Troim sprechen. Auf der Hauptversammlung im Mai kritisierte der knallhart die Unternehmensführung von Konzernchef Frenzel und warb zugleich für die Abwahl von Aufsichtsratschef Krumnow, jedoch vergeblich.

Gut ist Troim für immer neue Interview-Äußerungen. Einer norwegischen Zeitung sagte er recht eindeutig, dass sich Fredricksen und der russische Tui-Aktionär Alexej Mordaschow "einig" seien über die Verwendung der Verkaufserlöse von Hapag-Lloyd.

Doch bei Nachfrage gab es ein schnelles Dementi: Troim habe nur sagen wollen, er "glaube", dass Mordaschow ähnlich denke wie Fredricksen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterKöpfe

Lufthansa dementiert Personaländerung im Vorstand  Artikel in Merkliste

Der Chef der Lufthansa-Tochter Swiss, Christoph Franz, rückt nach Angaben der Lufthansa nicht in den Konzernvorstand vor und dementierte damit einen entsprechenden Magazinbericht. Artikel


Anzeige