Unternehmenskreise hatten in der Vergangenheit berichtet, Hapag-Lloyd stehe bei Tui mit einem Wert von 3,5 Mrd. Euro in den Büchern. Spekulationen über den Kaufpreis bewegen sich zwischen fünf und acht Milliarden Euro. Die Containerschiffe und die genormten Blechkisten selbst waren bislang bei der Tui bilanziert und müssen vor dem Deal an die Tochter übertragen werden. Der Wert von Hapag-Lloyd hänge deshalb sehr stark davon ab, in welchem Umfang sich die Reederei für den Erwerb dieses Anlagevermögens verschulden muss, hieß es in Hamburger Reederei-Kreisen.
Parallel zum beginnenden Dialog mit potenziellen Bietern werde Tui weiterhin auch die Möglichkeiten einer Abspaltung von Hapag-Lloyd in eine eigene Aktiengesellschaft (Spin-off) und auch die einer Fusion weiter prüfen, heißt es in konzernnahen Kreisen. Entsprechend hatte sich Tui-Chef Frenzel auch auf der Hauptversammlung geäußert. Im Konzern wird erwartet, dass der Prozess kaum vor Ende dieses Jahres abgeschlossen sein kann.
Nachdem Frenzel in einem Aktionärsbrief bereits den Anteilseignern eine angemessene Beteiligung an den Verkaufserlösen versprochen hatte, fordert Großaktionär Fredricksen nun, dass nach einer Schuldenreduzierung ein erheblicher Anteil der Erlöse als Sonderdividende ausgeschüttet wird.
Fredricksen und sein Vertrauter Troim
Wenn es um die Tui geht, dann lässt Großaktionär John Fredricksen seinen Vertrauten Olav Troim sprechen. Auf der Hauptversammlung im Mai kritisierte der knallhart die Unternehmensführung von Konzernchef Frenzel und warb zugleich für die Abwahl von Aufsichtsratschef Krumnow, jedoch vergeblich.
Gut ist Troim für immer neue Interview-Äußerungen. Einer norwegischen Zeitung sagte er recht eindeutig, dass sich Fredricksen und der russische Tui-Aktionär Alexej Mordaschow "einig" seien über die Verwendung der Verkaufserlöse von Hapag-Lloyd.
Doch bei Nachfrage gab es ein schnelles Dementi: Troim habe nur sagen wollen, er "glaube", dass Mordaschow ähnlich denke wie Fredricksen.

