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22.11.2007 
Fusion mit Germanwings

Tui sucht Hilfe bei Lufthansa

von Tanja Kewes und Eberhard Krummheuer

Tuifly und Germanwings bereiten die nächste große Fusion unter deutschen Fluggesellschaften vor. Wie Konzern- und Branchenkreise bestätigten, haben die Airline des Touristikkonzerns Tui und die Billigflugtochter der Lufthansa, ihre vor wenigen Monaten abgebrochenen Fusionsgespräche wieder aufgenommen. Ein weiterer Partner ist indes nicht mehr an Bord.

Das Leitwerk eines Flugzeugs von Tuifly. Die Airline spricht mit Germanwings über eine Fusion. Foto: ArchivLupe

Das Leitwerk eines Flugzeugs von Tuifly. Die Airline spricht mit Germanwings über eine Fusion. Foto: Archiv

FRANKFURT/DÜSSELDORF. "Die Gespräche befinden sich in einem sehr frühen Stadium. Spruchreif ist noch nichts – außer, dass die Lufthansa den Führungsanspruch für sich reklamiert“, hieß es in Frankfurt. Die beiden Konzerne Lufthansa und Tui äußerten sich offiziell nicht zu den Gesprächen.

Beide Fluggesellschaften hatten bereits im Sommer intensiv miteinander verhandelt. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt noch Condor, die Ferienfluggesellschaft des Reisekonzerns Thomas Cook, mit an Bord. Die Fusionsgespräche der drei scheiterten damals jedoch. Denn der Mehrheitseigner von Thomas Cook, der Handelskonzern Arcandor (früher Karstadt -Quelle), will die Ferienfluggesellschaft an Air Berlin verkaufen, hatte Arcandor -Chef Thomas Middelhoff im Frühherbst angekündigt.

Air Berlin ist als Nummer zwei im deutschen Markt der größte Konkurrent der Lufthansa, aber auch von Germanwings und Tuifly. Die Lufthansa, die noch 25 Prozent an Condor hält, hat gleichwohl erklärt, "aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen“ ein ihr eingeräumtes Vorkaufsrecht nicht ausüben zu wollen. Das Geschäft wird vom Kartellamt noch bis Februar 2008 geprüft. Thomas-Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa sagte gestern, man rechne mit einer problemlosen Freigabe.

Die Frage, ob Tuifly unter dem Dach der Lufthansa künftig einen Platz haben könne, hatte Lufthansa -Chef Wolfgang Mayrhuber Mitte Oktober noch verneint. Tui -Vorstand Roland Keppler, verantwortlich für Tuifly, sagte aber vergangene Woche in Hamburg: "Wir prüfen alle Möglichkeiten.“ In der Branche stoßen die Gespräche auf Zustimmung. "Es sieht wie ein Ringtausch aus. Erst gibt Lufthansa die Condor ab, dann holt sie sich Tuifly“, sagte ein Berater.

Die Wiederaufnahme der Gespräche belegt den Konsolidierungsdruck, der auf Germanwings und Lufthansa, aber vor allem auf Tuifly lastet. "Eine Fusion der beiden wäre eine Reaktion auf die aggressive Akquisitionspolitik von Air Berlin“, sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Während sich Tui einer schwierigen Tochter entledigen würde, bürde sich Lufthansa aber eine Last auf.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Mit einer Fusion wäre die Blockbildung im deutschen Luftverkehrsmarkt abgeschlossen

Die erst zum Jahresbeginn entstandene Tuifly entwickelte sich für den hannoverschen Touristikkonzern zu einem wirtschaftlichen Desaster mit negativen Auswirkungen auf die Bilanz. Reiseveranstalter, die ihre Kunden zuvor mit der Tui -Flugmarke Hapagfly befördert hatten, sprangen ab. Ebenso Reisende, die mit dem Billigflieger HLX gereist waren.

Aber auch Germanwings steht im Wettbewerb nicht gut da. Die Anfang des Jahrzehnts als Waffe gegen Europas führende Billigfluggesellschaften ins Feld geführte Airline erfüllt die internen Renditeziele der Lufthansa nicht und wird vor diesem Hintergrund kleingehalten. Die von den Flughäfen Köln/Bonn und Dortmund aus operierende Fluglinie liefert sich dabei wie etwa am Flughafen Hamburg zum Teil auch einen Konkurrenzkampf mit der Mutter und deren günstigen Better-Fly-Angeboten.

Mit einer Fusion von Tuifly und Germanwings wäre die Blockbildung im deutschen Luftverkehrsmarkt abgeschlossen. Allerdings müsste noch das Bundeskartellamt zustimmen.

Air Berlin hatte die Konsolidierung vergangenes Jahr durch die Übernahme des auf innerdeutsche Strecken spezialisierten Billigfliegers DBA angeschoben. Im März dieses Jahres landete Air-Berlin-Chef Joachim Hunold mit der Übernahme des Ferienfliegers LTU seinen ersten Coup. Der zweite folgte im September mit der Übernahme der Condor. Der einst von der Lufthansa gegründete Ferien- und Charterflieger soll spätestens im Februar 2009 unter das Dach der Air Berlin schlüpfen. Mehrheitseigner Arcandor soll dafür rund 30 Prozent der Anteile an Air Berlin erhalten.

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