Tuifly und Germanwings bereiten die nächste große Fusion unter deutschen Fluggesellschaften vor. Wie Konzern- und Branchenkreise bestätigten, haben die Airline des Touristikkonzerns Tui und die Billigflugtochter der Lufthansa, ihre vor wenigen Monaten abgebrochenen Fusionsgespräche wieder aufgenommen. Ein weiterer Partner ist indes nicht mehr an Bord.
Das Leitwerk eines Flugzeugs von Tuifly. Die Airline spricht mit Germanwings über eine Fusion. Foto: Archiv
FRANKFURT/DÜSSELDORF. "Die Gespräche befinden sich in einem sehr frühen Stadium. Spruchreif ist noch nichts – außer, dass die Lufthansa
den Führungsanspruch für sich reklamiert“, hieß es in Frankfurt. Die beiden Konzerne Lufthansa
und Tui
äußerten sich offiziell nicht zu den Gesprächen.
Beide Fluggesellschaften hatten bereits im Sommer intensiv miteinander verhandelt. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt noch Condor, die Ferienfluggesellschaft des Reisekonzerns Thomas Cook,
mit an Bord. Die Fusionsgespräche der drei scheiterten damals jedoch. Denn der Mehrheitseigner von Thomas Cook,
der Handelskonzern Arcandor
(früher Karstadt
-Quelle),
will die Ferienfluggesellschaft an Air Berlin
verkaufen, hatte Arcandor
-Chef
Thomas Middelhoff im Frühherbst angekündigt.
Air Berlin
Die Frage, ob Tuifly unter dem Dach der Lufthansa
künftig einen Platz haben könne, hatte Lufthansa
-Chef
Wolfgang Mayrhuber Mitte Oktober noch verneint. Tui
-Vorstand
Roland Keppler, verantwortlich für Tuifly, sagte aber vergangene Woche in Hamburg: "Wir prüfen alle Möglichkeiten.“ In der Branche stoßen die Gespräche auf Zustimmung. "Es sieht wie ein Ringtausch aus. Erst gibt Lufthansa
die Condor ab, dann holt sie sich Tuifly“, sagte ein Berater.
Die Wiederaufnahme der Gespräche belegt den Konsolidierungsdruck, der auf Germanwings und Lufthansa,
aber vor allem auf Tuifly lastet. "Eine Fusion der beiden wäre eine Reaktion auf die aggressive Akquisitionspolitik von Air Berlin“,
sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Während sich Tui
einer schwierigen Tochter entledigen würde, bürde sich Lufthansa
aber eine Last auf.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Mit einer Fusion wäre die Blockbildung im deutschen Luftverkehrsmarkt abgeschlossen
Die erst zum Jahresbeginn entstandene Tuifly entwickelte sich für den hannoverschen Touristikkonzern zu einem wirtschaftlichen Desaster mit negativen Auswirkungen auf die Bilanz. Reiseveranstalter, die ihre Kunden zuvor mit der Tui
-Flugmarke Hapagfly befördert hatten, sprangen ab. Ebenso Reisende, die mit dem Billigflieger HLX gereist waren.
Aber auch Germanwings steht im Wettbewerb nicht gut da. Die Anfang des Jahrzehnts als Waffe gegen Europas führende Billigfluggesellschaften ins Feld geführte Airline erfüllt die internen Renditeziele der Lufthansa
nicht und wird vor diesem Hintergrund kleingehalten. Die von den Flughäfen Köln/Bonn und Dortmund aus operierende Fluglinie liefert sich dabei wie etwa am Flughafen Hamburg zum Teil auch einen Konkurrenzkampf mit der Mutter und deren günstigen Better-Fly-Angeboten.
Mit einer Fusion von Tuifly und Germanwings wäre die Blockbildung im deutschen Luftverkehrsmarkt abgeschlossen. Allerdings müsste noch das Bundeskartellamt zustimmen.
Air Berlin

