Handel + Dienstleister

_

TV-Kritik Markencheck: Was ARD und Aldi unterjubeln

In seinem zweiten „Aldi-Check“ pfeift die ARD auf aktuelle Hintergründe und schreibt lieber den bekannten Discount-Mythos fort. Erkenntnisfördernd ist das nicht, sondern eher an der Grenze zur Zweifelhaftigkeit.

Aldi-Kundin: Der „Markencheck“ der ARD brachte wenig Überraschendes. Quelle: dpa
Aldi-Kundin: Der „Markencheck“ der ARD brachte wenig Überraschendes. Quelle: dpa

DüsseldorfOffensichtlich gehört es zu den letzten Mutproben unserer Zeit, als Jugendlicher abends aufs Partyschiff zu gehen und dabei ausschließlich Discounter-Kleidung zu tragen. Insofern war „Der Aldi-Check“, den das Erste am Montagabend zum Abschluss seiner neuesten „Markencheck“-Staffel zeigte, zumindest für die Studenten eine Grenzerfahrung, die vom WDR zur Hippness-Verweigerung angestiftet wurden. Damit die übrigen Partybesucher urteilen können, ob der Aldi-Look heraussticht. (Im Gegenteil, lautete das Ergebnis.)

Anzeige

Die übrigen vierzig Minuten, mit denen die Verbraucherreportage Deutschlands erfolgreicher Billigkette auf die Schliche kommen wollte, entpuppte sich allerdings bloß als Wiederholung der schönsten Aldi-Mythen.

Ja, von den Gründern gibt es nur wenige Fotos. Ja, das Unternehmen reagiert allergisch auf kritische Fragen von Journalisten. Ja, hinter vielen Produkten stecken bekannte Markenhersteller. Und ja, Aldi pflegt leider einen fragwürdigen Mitarbeiterumgang. Alles bekannt. Aber kein Grund, damit nicht noch mal Quote zu machen.

Warum Aldi billig ist

  • Es ging ums Sattwerden

    Es ist eine Gretchenfrage: Wie viele Artikel biete ich meinen Kunden an? 1946 ging es um nichts mehr als ums Sattwerden. Die Aldi-Brüder schauten auf ihren Tages- und Wocheneinkauf. Erst im Laufe der Jahre kamen Non-Food-Artikel hinzu – anfangs waren sie verpönt.

  • Zahl der Artikel

    Mit der Zeit pendelte man sich bei 400 Artikeln ein. Inzwischen – in Zeiten der feiner werdenden Nuancen – ist die Zahl auf 900 Artikel gewachsen. Der Stellplatz in den Filialen hat natürliche Grenzen. Zudem ist Produktpflege ein aufwändiges Geschäft.

  • Das oberste Gebot

    Von Beginn an galt bei den Albrechts das Gebot der Warengleichheit: In allen Filialen sollten die Kunden dieselben Produkte finden. Schnell ging es soweit, dass sie es sogar an derselben Stelle fanden.

  • Die Revolution

    Eine echte Revolution war die Einführung von Kühlware in den 70er-Jahren. Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd gingen Grundsatz-Diskussionen voraus. Entgegen der Behauptungen gab es darüber aber keinen brüderlichen Zwist. Allerdings musste der vorpreschende Karl Überzeugungsarbeit leisten beim abwägenden Theo. Doch die Kühltruhe kam, erst im Kleinformat, dann immer mehr.

  • Markenartikel? Nein, Danke!

    Seit Jahren macht andere Discounter wie Netto (vorher Plus) gute Geschäfte mit Markenartikeln. Aldi hat stets eine Aversion gegen sie gehabt. Auf der anderen Seite taten sich die Hersteller von Markenartikeln anfangs auch sehr schwer, bei einer Billigkette zu listen, als die Aldi galt.

  • Aldis Problem

    Vereinfacht gesagt besteht Aldis größtes Problem darin, die erforderlichen Liefermengen von mehreren Anbietern zu beziehen. Bei vergleichenden Qualitätsstandards heißt es immer wieder: Bedarfsdeckung versus Preis. Gerade zu Ostern und Weihnachten ist es eine Sisyphusarbeit in Planung und Organisation, für ausreichend Waren zu sorgen und sie auf die Filialen zu verteilen.

  • Harte Gespräche mit Lieferanten

    Die Preisfindung in diesem „Wettkampf“ ist das eigentliche Erfolgsrezept Aldis. Als Marktführer, ausgestattet mit dem Hebel der Mengemacht, hat man hier natürlich Vorteile. Dabei bündeln Aldi Nord und Aldi Süd ihre Einkaufsstrategie in vielen Sortimenten. Auf der anderen Seite hat Aldi auch kein Interesse, die Lieferanten so sehr zu schröpfen, dass sie in den Ruin gehen. 

  • Die große Verlockung

    Lieferanten unterliegen leicht der großen Verlockung, mit Aldi so zu verhandeln, dass die eigentlichen Kapazitätsgrenzen überschritten werden. Zwar kann man mit Aldi vermögend werden, aber das Risiko, sich zu sehr abhängig zu machen, ist groß. Denn Aldi streicht durchaus schnell einen Lieferanten. Fachleute raten dazu, maximal 50 Prozent seiner Produkte an Aldi zu verkaufen.

  • Das Preisdiktat

    Die Wettbewerber sind dem Preisdiktat ausgesetzt. In den vergangenen Jahres war gut zu beobachten, was passiert, wenn Aldi die Preise für Alltagsprodukte wie Milch senkte: Die Konkurrenz zog innerhalb weniger Stunden nach. Preisvergleich und Preispolitik sind Tagesaufgaben.

  • Wie preissensibel ist der Kunde

    Doch warum agieren die Discounter eigentlich so nah am „gerechten Preis“? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn die Durchschnittskunde ist eigentlich sehr wenig mit den Preisen vertraut. Er stellt seinen Warenkorb den Bedürfnissen und Gepflogenheiten zusammen. Die meisten gehen nicht mit offenen Augen durch die Läden. Angebote werden auch bei Aldi sehr deutlich mit andersfarbigen Schildern gekennzeichnet, damit sie überhaupt auffallen. Umso wichtiger ist also, dauerhaft der Preisführer zu sein – und dieses Image zu pflegen.

Keine zwei Jahre ist es her, dass der erste „Aldi-Check“ im Fernsehen lief, damals noch im Dritten Programm des WDR. Nach dem Transfer der „Markenchecks“ ins Erste erzielten die Ausgaben über Supermärkte und Discounter stets die stärksten Marktanteile beim Publikum. Die Konkurrenz fühlte sich genötigt nachzuziehen – ganz wie im Handel. Anfang April brachte das ZDF „Aldi gegen Lidl – Das Duell“ auf den Schirm, mit Testessern, bekennenden Aldi-Fans und leichtsinnigen Discount-Vertrauern. Der WDR-Nachklapp hatte dem nun kaum etwas hinzuzufügen.

Damit das nicht so auffällt, baute die Redaktion vor einem Aldi-Markt, in dem sie nicht drehen durfte, ihren eigenen Discounter auf. Dort durften dann treue Aldi-Fans Produkte aus der Erinnerung auf die richtigen Regalplätze sortieren und „Testeinkäufe“ erledigen. Dass der Aldi-Reis vom schlauen Kamerateam vorher gegen den von Lidl ausgetauscht worden war, merkten nur wenige. Das reichte der Redaktion für das mutige Fazit: „Aldi könnte seinen Kunden so manches unterjubeln!“ Fürs Fernsehen gilt das aber auch.

  • 17.07.2013, 08:57 Uhrnur_meine_meinung

    Hallo? Es geht hier in erster Linie um Quoten, weniger um Qualität. ARD&ZDF müssen sich eben dem Null-Niveau TV der privaten Konkurrenz anpassen.

  • 13.07.2013, 09:13 UhrHansWurst

    Du guckst wahrscheinlich 'Mitten im Leben' und 'Barbara Salesch' und bist überzeugt, dass es sich dabei um seriös recherchierte Sendungen handelt. Und so jemand will mir erzählen, dass Sendungen, wie 'Markencheck' Springer Niveau hätten. Ich lach' mich tot....:-)

  • 10.07.2013, 15:00 Uhr...

    Schreiben Sie doch mal Ihren Namen und Adresse unter diesen Kommentar :-)

  • Die aktuellen Top-Themen
China: Automesse in Peking eröffnet

Automesse in Peking eröffnet

In Peking ist am Sonntag die größte Automobilmesse Chinas eröffnet worden. Mit mehr als 1100 Fahrzeugen präsentieren sich alle namhaften Hersteller auf dem weltgrößten Absatzmarkt für Autos.

Cloud-Computing:  SAP bemüht sich verstärkt um den Mittelstand

SAP bemüht sich verstärkt um den Mittelstand

Wiederholt sich die Geschichte? SAP will seine Position im Mittelstand ausbauen. Vor Jahren hatte der Softwarekonzern schon einmal die Idee, mit Hilfe kleinerer Firmen ins Cloud-Geschäft einzusteigen - und scheiterte.

„Best Lawyers“-Datenbank Die Top-Wirtschaftsanwälte weltweit

Finden Sie für jeden Fall den Richtigen: Der US-Verlag Best Lawyers hat nach der Methode „Anwalt empfiehlt Anwalt“ zusammengetragen, welche Kanzleien für welches Fachgebiet bei der eigenen Profession hoch im Kurs stehen.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DEUTSCHLANDS ANZEIGENPORTAL FÜR UNTERNEHMENS-VERKAUF UND UNTERNEHMENSNACHFOLGE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Verkaufsangebote Verkaufsgesuche




 

.