
FrankfurtDer lange Winter und die schleppende Konjunktur haben beim Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger den Gewinn im ersten Quartal geschmälert. Das um Verkaufsgewinne bereinigte operative Ergebnis (Ebita) fiel um 18 Prozent auf 56 Millionen Euro, wie das Mannheimer Unternehmen am Dienstag mitteilte. Der bereinigte Überschuss brach sogar um gut 30 Prozent auf 29 Millionen Euro ein.
„In allen Segmenten ist festzustellen, dass nach wie vor fehlende konjunkturelle Impulse in Europa zu einer Zurückhaltung der Kunden führen“, erläuterte Bilfinger. Außerdem habe die Bausparte unter dem langen Winter gelitten. Rund 80 Prozent seiner Leistungen erzielt der Konzern in Europa, diese ging in den ersten drei Monaten insgesamt um vier Prozent auf 1,87 Milliarden Euro zurück. In Skandinavien, Großbritannien und Nordamerika sei die Nachfrage zufriedenstellend gewesen.
Bilfinger Berger - 8,21 Milliarden Euro Umsatz (Stand: 2011)
Deutschlands zweitgrößter Baukonzern schafft in Europa gerade einmal den Sprung in die Top Ten. Neben dem klassischen Baugeschäft setzen die Mannheimer auch Dienstleistungen für Industrieanlagen, Kraftwerke und Immobilien.
FCC (Spanien) - 11,76 Milliarden Euro Umsatz
Mit vollem Namen heißt der Konzern Fomento de Construcciones y Contratas und ist in Madrid beheimatet. Zum Portfolio gehört neben dem Baugeschäft auch die Entsorgung.
Balfour Beatty (Großbritannien) - 12,71 Milliarden Euro Umsatz
Bereits seit 1909 sind die Briten im Baugeschäft tätig und gehören europaweit zu den Platzhirschen. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.
Skanska (Schweden) - 13,15 Milliarden Euro Umsatz
Kaum eine Straßen, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus der Kleinstadt Solna mittlerweile breit aufgestellt.
Eiffage (Frankreich)
Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. Beheimatet sind die Franzosen in Asnières-sur-Seine.
Strabag (Österreich) - 14,33 Milliarden Euro Umsatz
Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben in den vergangenen Jahren vor allem in Osteuropa massiv expandiert. Allein im abgelaufenen Geschäftsjahr legte der Umsatz um zwei Milliarden Euro zu.
Hochtief (Deutschland) - 23,28 Milliarden Euro Umsatz
Der größte deutsche Baukonzern verpasst das Treppchen nur knapp. Das dürfte angesichts der aktuellen Lage niemanden in Essen interessieren. Der Konzern steht vor der Filetierung durch seine Anteilseigner.
ACS (Spanien) - 28,47 Milliarden Euro Umsatz
Mit Zukäufen haben die Spanier in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. An der Spitze des Konzerns steht Florentino Pérez., der auch Präsident des Fußballklubs Real Madrid ist.
Bouygues (Frankreich) - 32,71 Milliarden Euro Umsatz
Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. Auch in der Telekommunikation ist der Konzern aktiv.
Vinci (Frankreich) - 36,96 Milliarden Euro Umsatz
Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und ist in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehören unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen.
Die Zahlen lagen allesamt etwas unter den Erwartungen der von Reuters befragten Analysten, die im Schnitt mit einer Leistung von 1,94 Milliarden Euro und einem Ebitda von 60 Millionen Euro gerechnet hatten. Dementsprechend notierten die Bilfinger-Aktien zu Handelsbeginn knapp ein Prozent im Minus.
Im Jahresverlauf erwartet Bilfinger aber eine Besserung der Konjunktur und hält deshalb auch an seinen Prognosen fest. Das um Veräußerungsgewinne und akquisitionsbedingte Abschreibungen bereinigte Ebitda und der bereinigte Überschuss „werden im laufenden Geschäftsjahr bei höherer Marge erheblich steigen“, hieß es im Quartalsbericht.
„Die Erreichung der Prognosen ist möglich, aber herausfordernd„, sagte Vorstandschef Roland Koch am Dienstag in einer Telefonkonferenz. Sie erfordere eine Kraftanstrengung aller Mitarbeiter, es gebe „nicht viele Reserven“. Bilfinger setzt dabei auf Nachholeffekte, weil einige Projekte wegen des langen Winters im ersten Quartal auf Eis gelegt wurden. Außerdem sei eine Besserung der konjunkturellen Lage in Sicht, erläuterte Koch. „Wir sehen gute Voraussetzungen, Aufträge mit besseren Margen zu gewinnen"“ sagte der Vorstandschef. Vor allem im größten Geschäftsfeld Industrial und im Wachstumssegment Power erwarte er einen Anstieg der Leistung und einer Verbesserung der operativen Rendite (Ebita-Marge) im Gesamtjahr.