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14.08.2007 
Private-Equity

US-Krise beutelt Finanzinvestoren

von Peter Köhler und Jens Koenen

Die goldenen Zeiten in der Private-Equity haben ein jähes Ende gefunden. Dies ist jedoch nicht nur auf die jüngsten Probleme am US-Finanzmarkt zurückzuführen: Das exklusiv für das Handelsblatt erstellte „German Private Equity Barometer“ zeigt, dass die Stimmung schon zuvor gekippt ist. Die Subprime-Krise verleiht der Situation jedoch neue Schärfe.

Große Übernahmen werden in Zukunft nur noch schwierig zu finanzieren sein. Foto: apLupe

Große Übernahmen werden in Zukunft nur noch schwierig zu finanzieren sein. Foto: ap

FRANKFURT. Die lange Zeit überaus positive Stimmung in der Private-Equity-Branche ist gekippt. Die stockende Kreditfinanzierung für Firmenübernahmen, anziehende Zinsen und der wachsende Wettbewerb mit industriellen Käufern verderben den Finanzinvestoren zunehmend das Geschäft. Bereits vor der jüngsten Zuspitzung der US-Immobilienkrise ist das „German Private Equity Barometer“, das die KfW-Bankengruppe und der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) exklusiv für das Handelsblatt erstellen, im zweiten Quartal auf 59,7 Punkte eingebrochen. Im Vorquartal hatte der Geschäftsklima-Index noch bei 66,6 Punkten gelegen. „Die Subprime-Krise wirkt im dritten Quartal noch mal dämpfend auf die Stimmung“, sagt BVK-Geschäftsführerin Dörte Höppner.

Der Indikator bewegt sich damit etwa 20 Punkte unter seinem Höchststand Ende 2006. Die aktuelle Lageeinschätzung ist wieder auf dem gleichen Niveau wie im Jahr 2005. Damals lag das Volumen der Übernahmen durch Finanzinvestoren in Europa bei 47 Mrd. Euro. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 71 Mrd. Euro.


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Derzeit gehe im Markt für Beteiligungen kaum noch etwas, alle würden abwarten, sagen Marktteilnehmer. „Es sind zwar noch einige Deals in Vorbereitung. Es würde mich allerdings überraschen, wenn bis Weihnachten noch viel passieren würde“, sagt Joachim Spill, Experte für Private Equity bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young.

Zuletzt hatte die erfolgsverwöhnte Branche einen Rekord nach dem anderen gefeiert. Fonds von Blackstone, Goldman Sachs und Kohlberg, Kravis, Roberts (KKR) sammelten von ihren institutionellen Geldgebern hohe zweistellige Milliardenbeträge ein und stemmten mithilfe billiger Kredite gigantische Übernahmen. So planten sie beispielsweise den Kauf des US-Energiekonzerns TXU für 45 Mrd. Dollar.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ungemach droht auch vielen einzelnen Unternehmen, die sich im Besitz von Finanzinvestoren befinden.

Die Krise am US-Hypothekenmarkt wirkt sich negativ auf das Beteiligungsgeschäft aus, da die Banken weltweit risikoscheuer agieren als noch vor der Krise. Private-Equity-Häuser finanzieren ihre Übernahmen im Wesentlichen mit günstigem Fremdkapital. Deshalb trifft sie die restriktive Kreditpolitik der Banken besonders hart. Viele bereits geplante Übernahmen liegen derzeit wegen offener Finanzierungsfragen auf Eis. So stockt etwa die Finanzierung der Übernahme der britischen Drogeriekette Alliance Boots durch KKR seit Wochen, weil das Bankkonsortium die Kredite nicht im Markt platzieren kann. Stefan Hepp von der schweizerischen Beratungsgesellschaft SCM rechnet damit, dass eine Reihe von Deals neu verhandelt werden muss. „Dieser Rückstau wird sich in zwei bis drei Monaten auflösen, wobei ein Teil der Transaktionen aber nicht zustande kommen wird“, erläutert Hepp.

Thomas Warnholtz, Partner bei der Merchant Bank Augusta, erwartet wegen der derzeitigen Schwäche der Finanzinvestoren ein Comeback der strategischen Käufer. „Die Preise werden sich spürbar beruhigen, und die Industriekonzerne werden wieder mehr Oberwasser haben“, sagt Warnholtz. Prominente Beispiele aus jüngster Zeit waren der Autozulieferer VDO, der nicht an Blackstone, sondern an den Reifenhersteller Continental gegangen war. Und der Milliardenfonds von CVC lag beim spanischen Tabakkonzern Altadis lange Zeit gut im Rennen, bis Ende Juli Imperial Tobacco kam und den Deal an Land ziehen konnte.

Ungemach droht auch vielen einzelnen Unternehmen, die sich im Besitz von Finanzinvestoren befinden. Die teilweise unsinnig hohen Transaktionspreise der letzten Monate bei zweit- und drittklassigen Unternehmen würden bei vielen Private-Equity-Häusern zu einem Kontrollverlust führen, sagt Brian Veitch, Geschäftsführer bei der Beteiligungsgesellschaft Cognetas. Die Finanzinvestoren müssten ihre Investments teilweise an Hedge-Fonds abgeben.


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Unter Druck geraten dürften künftig auch die Renditen am Beteiligungsmarkt. Die guten Statistiken von Private-Equity-Transaktionen beruhten auf Daten aus einer ausgeprägten „Schönwetterlage“, sagt Hans Albrecht, Geschäftsführer von Nordwind Capital. „Ob sich diese Erfolge auch für die in den letzten 18 Monaten gemachten, mit absurd hohem Fremdkapital finanzierten Deals fortsetzen werden, ist – vorsichtig ausgedrückt – zu bezweifeln“, sagt Albrecht, der als einer der Pioniere im Beteiligungsgeschäft gilt.

Trotz aller Schwierigkeiten sind sich alle Experten einig, dass das Geschäftsmodell der Beteiligungsfirmen auch künftig Bestand haben wird. „Geld ist in den Fonds vorhanden, folglich wird es auch weiter zu Transaktionen kommen, wenn sich die erste Aufregung gelegt hat“, sagt Patrick Kaffiné, Partner bei der Kanzlei Lovells und Spezialist für Private Equity. „Was wir im Moment sehen, ist eine Normalisierung der Situation, die so erwartet worden war.“

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