23.02.2006

Betrugsfall: Versicherer zahlen bei Heros die Zeche

Der Betrugsskandal beim größten deutschen Geldtransportunternehmen Heros dürfte die Versicherungen eine Stange Geld kosten. Laut Staatsanwaltschaft geht es um eine unterschlagene Summe von 300 Mill. Euro. Doch manche Assekuranzen haben eventuell ein Hintertürchen, um sich vor der Zahlung zu drücken.

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Die Geldautomaten sind bis auf wenige Ausnahmen gut gefüllt. Befürchtungen über eine Bargeldknappheit haben sich damit nicht bestätigt. Foto: dpaLupe

Die Geldautomaten sind bis auf wenige Ausnahmen gut gefüllt. Befürchtungen über eine Bargeldknappheit haben sich damit nicht bestätigt. Foto: dpa

mak/cs/fs/fw DÜSSELDORF. Die Mannheimer Versicherung wusste am Mittwoch noch nicht, in welcher Höhe Forderungen auf sie zukommen, wie ein Sprecher sagte. Das Werttransportunternehmen Heros hat bei der Mannheimer eine Transportversicherung abgeschlossen, die nach Aussage des Sprechers alles abdeckt, was während des Transports passiert – auch wenn Manager oder Eigentümer dahinter stecken. Die Risiken verteilen sich auf ein internationales Konsortium von mehreren Versicherern und sind zum Teil auch über Rückversicherer gedeckt. Die Mannheimer war vor einigen Jahren wegen einer Schieflage ihrer Lebensversicherung in die Schlagzeilen gekommen. Sie gehört heute zum österreichischen Uniqa-Konzern.

Dem Handelskonzern Metro liegt eigenen Angaben zufolge eine Police von Heros vor, die über den Versicherungsmakler Marsh bei Lloyd’s of London abgeschlossen wurde. Lloyd’s und Marsh äußerten sich auf Anfrage nicht näher zu den Bedingungen dieser Versicherung. Lloyd’s ist ein Versicherungsmarkt, auf dem eine Vielzahl von Gesellschaften Deckungen anbieten – er spielt auch in der Rückversicherung eine große Rolle. Metro hat nach eigener Aussage Forderungen von rund einer Million Euro gegenüber Heros. Der Konzern rechnet damit, dass sie über eine Versicherung von Heros beglichen werden, sofern aus der Insolvenzmasse des Unternehmens nicht genügend Geld zu holen ist.

Fachleute wie der Düsseldorfer Spezialanwalt Michael Hendricks weisen aber darauf hin, dass viele Versicherungsarten, etwa die Abdeckung von Vertrauensschäden, nicht greifen, wenn der Eigentümer des Unternehmens in den Fall verwickelt ist. Welcher Vertrag greife und welche Arten von Betrug eingeschlossen seien, hänge von der Ausgestaltung der jeweiligen Policen ab.

Zumindest die Schuldfrage bei Heros scheint sich zügig zu kären. Der verhaftete Eigentümer, Karl-Heinz Weis, hat angekündigt, ein umfangreiches Geständnis abzulegen. „Mein Mandant wird den Sachverhalt aufklären. Er übernimmt dafür die Verantwortung“, sagte der Anwalt des Firmenchefs, Bertram Börner, am Mittwoch in Hannover. Weis und drei seiner Mitarbeiter sitzen in Untersuchungshaft. Sie sollen 300 Millionen Euro Kundengelder unterschlagen haben. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte das Unternehmen für sich und seine 23 Töchter Insolvenz angemeldet.

Der überwiegende Teil des Geldes sei für das Unternehmen verwendet worden, berichtete Börner. Ursprünglich habe sein Mandant geplant, sich selbst anzuzeigen: „Der innere Druck war einfach zu groß.“ Ehe es dazu kam, hätten die Ermittler aber schon die Geschäftsräume durchsucht.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Angenehmer, sympathischer Zeitgenosse, der das Leben gerne genießt.“

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