
DÜSSELDORF. Der US-Designer Max Azria soll dabei helfen, die insolvente Kaufhauskette Karstadt wieder flott zu machen. Karstadt-Bieter Nicolas Berggruen stellte den Unternehmer gestern öffentlich vor, der Karstadt nach einer erfolgreichen Übernahme operativ führen soll. Azrias Modefirma BCBG Max Azria Group besitze die Kompetenz, die Warenhäuser mit neuem Leben zu erfüllen, sagte ein Berggruen-Sprecher.
Die deutschen Städte machten gestern – vorbehaltlich letzter Klärungen – den Weg frei für die Rettung der insolventen Warenhauskette. Kurz vor Ablauf der Frist lenkte Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) ein und erklärte den Verzicht auf Gewerbesteuereinnahmen, die der Stadt aus Sanierungsgewinnen der ehemaligen Arcandor-Tochter zustehen. Ohne diesen Schritt wäre Karstadts Insolvenzplan gescheitert und das Unternehmen zerschlagen worden. Als entscheidend betrachtet Görg nun die Haltung von elf Kommunen, die ihre prinzipielle Verzichtsbereitschaft mit politischen Forderungen verknüpfen.
Noch viel Gesprächsbedarf
Die Zitterpartie um die 25 000 Jobs ist damit aber noch nicht beendet. Findet Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg bis Freitag keinen Käufer, muss das Essener Unternehmen ab Juni abgewickelt werden. Dass mittlerweile zwei Kaufofferten vorliegen und eine dritte in Bearbeitung ist, bietet nach Auskunft eines Görg-Sprechers längst noch keine Überlebensgarantie: „Die Gebote stimmen nicht mit den Bedingungen des Insolvenzplans überein und sind daher kein Selbstläufer“, sagte er. Alles hänge nun von weiteren Zugeständnissen der Gewerkschaft Verdi wie auch der Vermieter ab.
Branchenexperten ist Azrias BCBG-Gruppe weitgehend unbekannt. „Ich habe von dem Unternehmen noch nie etwas gehört“, sagte auf Anfrage der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Textileinzelhandel, Jürgen Dax. Erst im März 2009 hatte das 1989 in Los Angeles gegründete Unternehmen den Sprung nach Deutschland gewagt und zehn Läden des insolventen belgischen Modefilialisten Donaldson übernommen. Der privat geführte Groß- und Einzelhändler setzte im vergangenen Geschäftsjahr 960 Mio. Dollar um. Käme BCBG nun in Essen zum Zuge, würde sich der Umsatz der Amerikaner damit versechsfachen.