Die Pleite von Metronet ist auch eine Pleite für die Labour-Partei. Die Trennung in Betrieb und Netz war nämlich eine Herzensangelegenheit von „New Labour“. Nach ihrem Wahlsieg 1997 propagierten Premier Tony Blair und sein Schatzkanzler Gordon Brown „Public Private Partnerships“ (PPP) als moderne Alternative zu den rabiaten Privatisierungen der Thatcher-Ära, die zwar die Wirtschaft belebten, aber auch viele unerwünschte Folgen hatten.
Mit PPP sollten private Investoren staatliche Leistungen übernehmen, aber unter strikter Kontrolle der öffentlichen Hand. „PPPs sind ein Kernelement unserer Strategie“, erklärte Browns Schatzamt im April 2003: „Sie sorgen dafür, dass neue Investitionen effizient gemanagt werden und zu besseren öffentlichen Dienstleistungen führen.“
Londons Bürgermeister Ken Livingstone mochte das nie recht glauben – und er kämpfte fünf Jahre lang verbissen gegen Browns Pläne. Der „Rote Ken“, der damals noch aus der Labour-Partei ausgeschlossen war, holte sich den Ex-CIA-Agenten und Nahverkehrsexperten Bob Kiley für ein Millionenhonorar aus den USA, und er zog sogar vor Gericht gegen Brown – vergeblich. Anfang 2003 trat die komplizierte Partnerschaft zwischen der TFL und Metronet und Tube Lines in Kraft. Berater und Anwälte sollen an den PPP-Verträgen an die 500 Millionen Pfund – 720 Millionen Euro – verdient haben.
Nun hat Livingstone zwar recht behalten, aber er hat auch ein gewaltiges Problem geerbt. Um sich bei der Bürgermeisterwahl im kommenden Jahr als Retter der U-Bahn präsentieren zu können, muss er die Pannen rasch abstellen und eine neue Finanzierung stemmen. Die Nutzer machen bereits Druck: „Es dürfen jetzt auf keinen Fall die dringend nötigen Investitionen in das Netz verzögert oder gekürzt werden“, warnt Brian Cooke, Chairman von London Travel Watch, der Interessenvertretung der Nahverkehrskunden.
Livingstone weiß: Fahrgäste sind Wähler. Wie berichtete doch der Reporter anno 1863: „Im Laufe des Vormittags wuchsen die Massen enorm, und als ein Zug nach dem anderen begleitet vom Ruf ,Kein Platz!’ einlief, schien das einen entmutigenden Effekt auf die Wartenden zu haben.“

