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01.07.2008 
Reiseveranstalter

Vom billigen Jakob zum Allrounder

von Eberhard Krummheuer

Weil die Deutschen immer kurzfristiger verreisen, geht es den Last-Minute-Anbietern so gut wie selten zuvor. Mit Hilfe von Internet-Schnittstellen bauen sie ihr Angebot aus. Experten warnen, das herrkömliche Reiseanbieter die Spontanurlauber bald vollkommen vergrault haben könnten.

Last-Minute-Angebote am Düsseldorfer Flughafen: Immer mehr Deutsche verreisen spontan. Foto: dpaLupe

Last-Minute-Angebote am Düsseldorfer Flughafen: Immer mehr Deutsche verreisen spontan. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Lange Zeit galten sie als die billigen Jakobs der Tourismusbranche, die Ladenhüter aus den Katalogen der Reiseveranstalter zu Ausverkaufspreisen verramschen. Doch das hat sich geändert. Immer mehr Deutsche buchen ihren Urlaub kurzfristig bei Last-Minute-Anbietern. Den Trend haben die großen Reiseveranstalter weder mit Frühbucher-Rabatten noch mit verminderten Flug- und Hotelkapazitäten stoppen können.

Für die Anbieter von Last-Minute-Reisen sind gute Zeiten angebrochen. Eine Studie der Nürnberger GfK ermittelte, dass gut jeder zweite Deutsche Reisen ohne langen zeitlichen Vorlauf bucht. Eine Untersuchung der Beratungsfirma Web-Tourismus befand: „Die Last-Minute-Reise ist längst ein fester Bestandteil des Reisemarkts.“ Rund 25 Millionen Deutsche planten in diesem Jahr ganz kurzfristig in den Urlaub zu gehen.

Die Experten warnen die Reiseveranstalter, dies zu unterschätzen: „Durch Rabattmaßnahmen wie den Frühbucherrabatt werden sie nicht nur die eigenen Preise und somit Umsätze für die Haupturlaubsreise mittelfristig gefährden, sondern die spontanen Urlauber – die ungehindert möglicher Angebote der Veranstalter verreisen – gänzlich verlieren.“

Bei den Großen der Branche wird das nicht ganz so dramatisch gesehen: „40 Prozent unserer Kunden buchen mindestens fünf Monate vor Reiseantritt, Tendenz steigend“, sagt etwa Tui-Deutschland-Chef Volker Böttcher. Doch die Zeiten, da Last-Minute-Angebote nur Restkapazitäten aus den Reisekatalogen schnell an den Konsumenten brachten, sind vorbei. Markus Faller, Marketing-Vorstand beim Branchenpionier L'tur: „Früher haben die Restkontingente bei uns 70 bis 80 Prozent des Umsatzes ausgemacht, heute sind es weit unter 50 Prozent.“

Die Touristikexperten fürs schnelle Geschäft besorgen sich weltweit Plätze in Flugzeugen und Hotelbetten über Internet-Schnittstellen. L'tur vermarktet die dann neu zu Reisepaketen zusammen gestellten Ferientrips über 165 eigene „Shops“ und zu knapp 40 Prozent übers Web. Mit 800 000 Kunden setzte das Baden-Badener Unternehmen 2007 „im 20. Rekordjahr in Folge“ 365 Mill. Euro um. Ergebnisse werden nicht publiziert.

An L’tur sind neben Firmengründer Karl-Heinz Kögel (44 Prozent) die Tui mit 46 Prozent und der Wettbewerber Thomas Cook mit zehn Prozent beteiligt. „Eine einzigartige Konstellation“, sagt Faller. Tui-Manager Böttcher bestätigt jedoch Branchen-Spekulationen, dass die Tui die Anteile des Mitgesellschafters Kögel übernehmen wolle, wenn der 63-Jährige sich in den Ruhestand zurückziehe. Aktuell sei aber nichts geplant. Tui betreibt zudem den Veranstalter Discount Travel, der aber ausschließlich Restkapazitäten der Veranstalter vermarktet.

Thomas Cook hat die in Meerbusch bei Düsseldorf ansässige Tochter Bucher Reisen unter dem Label „Bucher Last Minute“ aufs Kurzfristgeschäft getrimmt. Anlass war nicht nur das Buchungsverhalten, sondern auch die neue Strategie der großen Reiseveranstalter, die Flug- und Hotel-Kapazitäten für die klassische Pauschalreise in diesem Sommer deutlich zu kürzen.

Das Ziel: Mehr zu Katalogpreisen verkaufen, weniger am Schluss der Saison mit hohen Nachlässen verschleudern. „Deshalb haben wir angefangen, über Restplätze hinaus ein zusätzliches Angebot für kurz entschlossene Kunden aufzubauen“, sagt Bucher-Geschäftsführer Ioannis Afukatudis.

Vorwiegend über 10 000 Reisebüros vermarktet Bucher neben Katalog-Schnäppchen aus dem Cook-Konzern (Neckermann) Reisen, Überkapazitäten von Airlines, Hotels sowie Mietwagen- und Kreuzfahrtanbietern. Den Schiffsmarkt hält Afukatudis für besonders interessant: „Die Kapazitäten der Schiffe werden in den nächsten Jahren um 22 Prozent wachsen, die Zahl der Passagiere aber nur um durchschnittlich elf Prozent. Da ist reichlich Potenzial für Sonderangebote drin.“ Zahlen darf die Cook–Tochter nicht nennen.

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