Die große Nähe zu seinem Vorgänger werde nun zu einer Schwäche, befürchten Skeptiker wie Logistikexperte Horst Manner-Romberg: "Appel steht nicht für Revolution, sondern für Reformen." Appel sei Ziehsohn Zumwinkels, und er werde sich nicht gegen seinen Meister stellen.
Widersprechen mag der neue Konzernchef nicht: "Einen Riesentanker wie die Post mit 520 000 Mitarbeitern auf neuen Kurs zu bringen dauert sehr lange", sagt Appel.
Allerdings hat Appel das Ruder schon in Bewegung setzt - im November und mit Zumwinkel gemeinsam. Zunächst will er das seit Jahren defizitäre US-Expressgeschäft - bis zu sieben Milliarden Euro soll die Post dort im Kampf gegen Platzhirsche wie Fedex
und UPS
verloren haben - bereinigen. Zweitens gilt der Verkauf der Postbank,
bei der Appel gestern den Aufsichtsratsvorsitze übernahm, als ausgemachte Sache. Aber bitte ohne Hast: Bieter wie die Deutsche Bank
oder die Commerzbank
stehen bereits Schlange. Drittens muss das Briefgeschäft auf Effizienz getrimmt werden. Denn das Briefmonopol ist weggefallen, und der Wettbewerb jagt der Post - Mindestlohn hin oder her - zunehmend Marktanteile ab.
Genug zu tun, aber mit wem will Appel das Großwerk angehen? Sein Stil kommt ihm zupass. Er sieht sich als "post-heroischen" Manager, als Gegenstück des "großen Zampano" à la Zumwinkel, der sich gern in der Rolle der "gelben Eminenz" gefiel.
Appel könnte eine Feuertaufe bevorstehen
Zudem ist der Generationswechsel bei der Post fast abgeschlossen. Zumwinkel-Weggefährten - zum Teil noch aus den Tagen der Bundespost - haben Platz gemacht. Für Postbank
-Chef
Wulf von Schimmelmann kam Wolfgang Klein, für Briefchef Hans-Dieter Petram kam Jürgen Gerdes. Mit John Allan, von der Neuerwerbung Exel aus Großbritannien, gibt es seit Herbst einen neuen Finanzchef, der gut mit Analysten und Investoren kann. Mit dem Australier John Mullen führt ein erfahrener Logistikmanager den schwierigen Expressbereich, an dem sich zwei Vorstände zuvor die Zähne ausgebissen haben.
Einen neuen Vorstand braucht Appel noch: seinen eigenen Nachfolger als Logistikchef. Ein Schlüsseljob, trägt die Sparte doch gut ein Drittel zum Konzernumsatz bei. Hinter Appel scharren drei Bereichsvorstände mit den Füßen. Alles läuft aber wohl auf Hermann Ude hinaus, der bislang das LKW-Speditionsgeschäft verantwortete. Denn Gemeinsamkeiten verbinden. Wie Appel kommt auch Ude von McKinsey.
Käme Ude, wäre Personalvorstand Walter Scheurle der letzte "alte Vorstand" - obwohl er erst 56 ist. Doch auf ihn kommt es bald an: Im März läuft der Beschäftigungspakt mit Verdi aus. Der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen soll verlängert werden. Im Mai folgen die Tarifverhandlungen. Appel könnte eine Feuertaufe bevorstehen.
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