"Auf Zumwinkel war immer Verlass", sagt Andrea Kocsis, Verdi -Vizechefin und Aufsichtsrätin der Post. Appel? Eine gute Wahl, sagt Kocsis. Denn er wisse, wie wichtig es sei, die Arbeitnehmerinteressen im Konzern zu wahren. Doch Appel will die Profitabilität verbessern - er muss die Personalkosten senken. Das klingt nach Ärger für Verdi.
Einen ersten Warnschuss hat der Konzern bereits abgefeuert: Mit der WAZ-Mediengruppe testet die Post die Zustellung von Werbebroschüren durch "billigere" Zeitungsboten. Auslagerung ist eines der Lieblingsthemen von Appel. Die IT der Post macht künftig Hewlett
-Packard;
Teile der Postzustellung machen vielleicht bald Zeitungsboten? "Dadurch werden die Tarifverhandlungen jedenfalls nicht einfacher", heißt es bei Verdi.
Nicht einfacher wird für Frank Appel auch der Umgang mit dem größten Aktionär der Post, dem Bund. Zumwinkel kann den Vorsitz im Aufsichtsrat nun nicht übernehmen. Damit wollte er Appel mit seinen exzellenten Kontakten nach Berlin den Rücken freihalten. An der Spree braut sich einiges zusammen, was ein gewiefter Postaufseher verscheuchen könnte: das Ende der Mehrwertsteuerbefreiung im Briefgeschäft, ein übereilter Verkauf der Postbank.
Demonstration der Zuneigung
Wie wertvoll Zumwinkel für die Post war, das bewies er beim Thema Mindestlohn. Der kam - und treibt nun Konkurrenten der Post wie die Pin Group an den Rand des (Nerven-)Zusammenbruchs.
Freitag im 162,5 Meter hohen Post-Tower zu Bonn: Zumwinkel verabschiedet sich von den Seinen. Erinnert daran, wie er den Konzern einst an die Börse brachte. Dass er nun in einem Film stecke, "in dem ich eigentlich nicht sein will". Dass er sich vorverurteilt fühle.
Als Appel das Wort ergreift, kommen ihm fast die Tränen. Mehrfach fällt er seinem Mentor spontan um den Hals. Es sah ein wenig so aus, als würde Frank Appel Klaus Zumwinkel jetzt schon vermissen.
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