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Waffenbranche: Mit dem Maschinengewehr durch die Rezession

Die Amerikaner stürmen die Waffenläden. Viele haben Angst, dass Barack Obama das Recht auf Waffenbesitz in Stücke schießen will. Weil sie zudem mehr Verbrechen durch die Wirtschaftskrise fürchten, decken sich Bürger seit Monaten mit Pistolen und Gewehren ein - und bescheren Herstellern und Händlern sagenhafte Absatzzahlen. Doch der Goldrausch könnte bald vorbei sein.

Scott Moss in seinem Laden: „Die Leute zahlen einfach jeden Preis“. Quelle: Nils Rüdel
Scott Moss in seinem Laden: „Die Leute zahlen einfach jeden Preis“. Quelle: Nils Rüdel

NORWALK. In Amerika tobt die Rezession, aber wer einen Ort sucht, an dem noch alles bestens ist, das Auge des Sturms also, der wird fündig in einem Hinterhof in Norwalk, US-Bundesstaat Connecticut. Man fährt leicht vorbei an dem kleinen Laden, der hinter der Eisenbahnlinie am Ende einer schmalen Seitengasse der New Canaan Avenue liegt. "Forest and Field" heißt er, "Wald und Feld".

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Und Waidmanns Wünsche werden hier nicht enttäuscht: Es gibt Jägermäntel, Jägersitze, Jägerstiefel. Und Waffen. Sehr viele Waffen. Pistolen, Jagdgewehre, Karabiner, Maschinengewehre - mit der Auslage ließe sich problemlos eine ganze Kompanie ausrüsten. Es riecht nach Öl und Metall.

Mittendrin, zwischen Gewehrläufen und Patronenschachteln mit Namen wie "Partizan" oder "Remington", steht Ladenbesitzer Scott Moss, Schnauzbart, grauer Arbeitskittel, ein Händedruck wie ein Schraubstock. "Die Leute rennen mir die Bude ein", sagt Moss. "Ich komme mit den Nachbestellungen gar nicht mehr hinterher". Über ihm glotzt stumm ein ausgestopfter Hirschkopf aus der Wand.

Die meisten Waffenverkäufer reden nicht gern mit der Presse. Moss redet. Das brachte ihn in ein paar Zeitungsartikel, und auch im Fernsehen war er schon. Bereitwillig erzählt Moss dann, wie sich sein Umsatz in den vergangenen Monaten verdreifacht hat, er kann sein Glück gar nicht fassen: "Die Leute zahlen einfach jeden Preis."

Waffengeschäfte wie "Forest and Field" und Hersteller machen in den USA derzeit glänzende Geschäfte - nicht trotz der Rezession, sondern wegen: Die Krise jagt die Kriminalitätsrate nach oben, und die Bedrohung, ob tatsächlich oder nur gefühlt, treibt die Leute in die Waffengeschäfte. Dazu kommt die Angst, Präsident Barack Obama könnte die Gesetze verschärfen. Wie lange der sensationelle Erfolg der Branche noch so weitergehen kann wird, ist allerdings unklar.

Dass man Leuten wie Moss die Waffen aus den Händen reißt, spüren die Hersteller deutlich. Ende Juni verkündete etwa Smith & Wesson, dass sich der Gewinn im vergangenen Quartal von 3,3 auf 7,4 Mio. Dollar im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt habe. Die Zahl der verkauften Pistolen stieg um ein Drittel.

Bei Konkurrent Sturm Ruger & Co. hat sich der Gewinn im ersten Quartal sogar verdreifacht - auf 5,8 Mio. Dollar. Große Chancen in Amerika sieht auch der deutsche Hersteller Heckler & Koch: Die Firma, die in den USA bisher vor allem Waffen für Militär und Polizei ausliefert, will dort künftig auch Pistolen und Gewehre für den Privatgebrauch herstellen.

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