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Wegen Streik am Freitag: Lufthansa streicht zwei Drittel aller Flüge

Die Lufthansa streicht am Freitag wegen des angekündigten Streiks der Flugbegleiter den Flugplan drastisch zusammen. Bereits heute fallen knapp 50 Flüge aus. Jedoch deutet der Konzern an, eine Schlichtung anzustreben.

FrankfurtDie Lufthansa streicht am Freitag wegen des angekündigten Streiks der Flugbegleiter zwei Drittel ihrer Flüge. Das Unternehmen hoffe, dass es ein Drittel der Flüge anbieten könne, so ein Sprecher. Dazu zählten Flüge von Regionalpartnern, die nicht bestreikt werden sollen. Heute fallen bereits knapp 50 Flüge aus, wie die Fluggesellschaft auf ihrer Internetseite mitteilte. Ein Großteil davon betrifft die besonders lukrativen Langstrecken, bei denen die Flugzeuge bereits am Donnerstag in Übersee abfliegen und am Freitag ihr Ziel in Deutschland erreichen sollen. Die Lufthansa werde aber auch am Freitag versuchen, Langstreckenflüge anzubieten.

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Vor dem geplanten bundesweiten Ausstand der Stewards und Stewardessen zeigte sich der Konzern allerdings offen für eine Schlichtung in dem Tarifstreit mit der Gewerkschaft Ufo. In den Gesprächen dürfe es aber ausschließlich um die Bezahlung der Flugbegleiter gehen - andere Forderungen wie der Stopp von Leiharbeit müssten außen vor bleiben, sagte Lufthansa-Manager Peter Gerber, der im Passagiergeschäft das Personalressort verantwortet. „Zu dem Thema Vergütung und Vergütungstruktur werden wir uns nicht verschließen.“ Alles andere seien Unternehmensentscheidungen, die nicht verhandelbar seien.

Große Hoffnungen auf einen Durchbruch in dem zähen Tarifkampf habe er nicht. Die Schlichtung sei letztlich eine „suboptimale Lösung“ und die Tarifverträge der Lufthansa zu komplex für einen Vermittler, der das Thema nicht schon jahrelang begleite. Ufo-Chef Nicoley Baublies äußerte sich ebenfalls zurückhaltend und verlangte, dass die Lufthansa ihn kontaktiere. „Herr Gerber soll mich anrufen und sagen: Ich will die Schlichtung.“ Bislang sei das nicht geschehen, sagte Baublies am Abend. Deshalb treibe die Gewerkschaft die Vorbereitungen für einen Großstreik am Freitag voran. Weitere Arbeitsniederlegungen seien vorerst nicht geplant - Ufo wolle der Lufthansa Zeit geben, ihre Postion zu überdenken.

Kleine Gewerkschaften mit großer Macht

  • Mit Potenzial zur Blockade

    Sie sind klein, aber schlagkräftig. In der Luftfahrt, aber auch bei der Bahn und den Medizinern gibt es erfolgreiche Spartengewerkschaften. Einige Beispiele.

  • Vereinigung Cockpit (VC)

    Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 8200 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.

  • Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF)

    Zu den knapp 4000 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen. Wenn die Lotsen ihre Arbeit niederlegen, müssen tausende Flugreisende am Boden bleiben.

  • Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO)

    Nach eigenen Angaben ist sie in Deutschland die einzige Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die UFO hat mehr als 10.000 Mitglieder.

  • Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GdL)

    Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

  • Marburger Bund (MB)

    Nach eigenen Angaben ist sie die einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland. Sie hat mehr als 110.000 Mitglieder und kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen sowie eine leistungsgerechte Vergütung in Krankenhäusern.

Nach zwei Streiktagen mit örtlich und zeitlich begrenzten Ausständen will am Ufo am Freitag den Lufthansa-Verkehr erstmals bundesweit und ganztags lahmlegen. Eine Chance ließ Ufo dem Konzern aber noch: Wenn die Lufthansa Vermittlungsgespräche einleitet, könne der Streik abgeblasen werden.

Die Lufthansa macht mit dem Angebot eine Kehrtwende: Am Vortag hatte die Lufthansa noch betont, dass es keinen Grund für eine Schlichtung gebe. Die Offerte des Konzerns an die 18.000 Flugbegleiter sei als Basis für weitere Verhandlungen ausreichend, hatte es geheißen.

Video Höhere Personalkosten wären nicht tragbar

Nach Aussage von Gerber arbeitet die Lufthansa fieberhaft daran, sich auf den Streik am Freitag vorzubereiten. Noch am Mittwochabend werde der Plan mit annullierten Flügen für den Tag im Internet veröffentlicht, sagte er. Details konnte er noch nicht nennen. Sicher sei aber, dass von täglich 1800 Lufthansa-Flügen mindestens 600 abheben werden, da diese von Konzerntöchtern wie Germanwings durchgeführt werden. Aber auch dann werde der flächendeckende Streik "sehr gravierende Auswirkungen" haben. In den vergangenen Tagen stürzten die Flugbegleiter die Lufthansa bereits zwei Mal ins Chaos. Nach dem Auftakt in Frankfurt Ende vergangener Woche waren am Dienstag zusätzlich noch München und Berlin bestreikt worden. Insgesamt fielen an den drei Flughäfen etwa 350 Verbindungen aus und 51.000 Passagiere saßen fest.

Die Rechte der Fluggäste bei Streiks

  • Stornierung und Umbuchung

    Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen könnte.

  • Verspätung

    Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

  • Pünktlichkeit

    Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

  • Entschädigung

    Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen eine Entschädigung dann nicht. Zu Recht, wei der Bundesgerichtshof (BGH) nun entschied: Streiks auch der eigenen Piloten sind „außergewöhnliche Umstände“, die von Airlines „nicht beherrscht“ werden können, heißt es in dem Urteil.

Der Tarifstreit dauert bereits seit gut einem Jahr. Die Gewerkschaft kämpft für höhere Löhne und gegen die Auslagerung von Stellen. Nach Ansicht des Managements sind Einschnitte nötig, da die harte Konkurrenz der Lufthansa das Leben schwermache. Die Airline legte deshalb ein Milliarden-Sparprogramm auf und verlangt nun, dass auch die Bord-Servicekräfte einen Beitrag leisten. Während die Gewerkschaft fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 15 Monaten fordert, hat die Lufthansa eine Erhöhung um 3,5 Prozent über drei Jahre angeboten. Bei der Fluglinie arbeiten 18.000 Menschen im Bordservice.

  • 06.09.2012, 17:27 UhrGast

    Es ist unglaublich, dass es in Deutschland einer Mini-Gruppe von angelernten Luftkellnern gelingt, wesentliche Teile der Verkehrs-Infrastruktur nachhaltig lahmzulegen um die eigenen völlig aus dem Ruder gelaufenen Privilegien zu verteidigen:

    70 "Arbeitsstunden" im Monat!!

    Wobei die produktive Kerntätigkeit (Getränke-Verteilung und Becher/Gläser einsammeln) wohl maximal 50% dieser "Arbeitszeit" ausfüllt.
    Da müßten unsere (im Thema Tarifeinheit auffallend untätigen) Politiker doch eigentlich sofort eine Gerechtigkeitslücke entdecken und 70 Stunden Arbeitszeit im Monat bei vollem Lohnausgleich für alle anderen Kellner in Deutschland fordern!

    Griechenland - wir kommen!

  • 06.09.2012, 13:28 UhrGast

    Immer wieder interessant wie selbstgerecht Kommentare abgegeben werden, wenn man nicht selbst betroffen ist.
    Die Bezahlung der Flugbegleiter ist bei weitem nicht zu vergleichen mit einem Piloten. Ich persönlich würde für dieses Gehalt keine 70 Flugstunden (ohne die nötigen Auslandsaufenthalte) auf mich nehmen.
    Interessant ist auch wie einseitig die ganzen Berichte des Handelsblatts hierzu sind.
    Das Sparprogramm der LH umfasst ja nicht nur Bereiche die der Flugreisende spürt, sondern eben auch Bereiche des fliegenden Personals. Auslagerung in Leiharbeitsfirmen von heute fest angestellten Mitarbeiteren sowie eine Erhöhung der Flugzeiten auf mind. 90 h.
    Interessant war auch ein Artikel in der gedruckten Version des Handelsblatts wonach Flugbegleiter in etwa 2900 € brutto verdienen sollen. Die Realität liegt wohl eher bei 1600,-€ brutto.
    Also weiter viel Spass bei den selbstgerechten Vorwürfen an die Leute die eben nicht alles mit sich machen lassen wollen.
    Übrigens gönnt sich der Vorstand in regelmäßigen Abständen saftige Gehaltserhöhungen.
    Aber mit Sicherheit hat man sich das auch verdient, wenn man sich durch solche Sparmaßnahmen tod spart und das Image versaut

  • 06.09.2012, 12:37 UhrGast

    Diese Pfeifen haben immer noch nicht verstanden, dass nicht die Lufthansa das Gehalt zahlt, sondern der Kunde.

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