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18.01.2006 
Auslandsexpansion

Windkraftbranche wächst weltweit

von Markus Hennes

Die Windenergie boomt. Weltweit wuchs der Markt im vergangenen Jahr um 23 Prozent, in Deutschland war das Tempo mit einem Plus von elf Prozent nur halb so hoch, teilten der Bundesverband Windenergie (BWE) und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Dienstag in Berlin mit.

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DÜSSELDORF. Die deutschen Hersteller von Windkraftanlagen konnten dennoch ihre führende Position verteidigen. Ihr Anteil am weltweiten Branchenumsatz von zehn Mrd. Euro liegt bei 45 Prozent. Davon entfällt bereits gut die Hälfte auf den Export.

Branchenexperten gehen davon aus, dass der Aufschwung der Windenergie andauert. Nach einer Prognose der dänischen BTM Consult sollen bis zum Jahr 2015 rund um den Globus Windräder mit einer elektrischen Leistung von mehr als 270 000 Megawatt – das entspricht etwa 270 Großkraftwerken oder knapp dem Fünffachen des aktuellen Niveaus – installiert sein. BTM beziffert die dafür erforderlichen Investitionen mit 220 bis 250 Mrd. Dollar. Der Prognose liegt ein durchschnittlicher Ölpreis von 40 bis 50 Dollar pro Barrel (159 Liter) zugrunde. Aktuell kostet die Sorte Brent 62 Dollar.

Durch die Verteuerung der fossilen Energieträger Öl, Kohle und Gas werde sich die Wettbewerbsfähigkeit von Windkraft gegenüber konventionellen Kraftwerken verbessern, hofft die Branche. Der Chef der Hamburger Repower AG, Fritz Vahrenholt, ist sogar überzeugt, dass die Windkraft innerhalb von zehn Jahren „zum Billigheimer der Energieerzeugung wird“. Im Moment sind die gesetzlich garantierten Vergütungen für Windstrom in Deutschland mit gut acht Cent pro Kilowattstunde allerdings noch etwa doppelt so hoch wie der Strompreis an der Leipziger Strombörse.

Die deutschen Windkraftanlagenbauer, denen das seit 2002 schrumpfende Neugeschäft im Inland zwischenzeitlich schwer zu schaffen machte, haben sich auf die geänderten Marktbedingungen eingestellt. Bei der Nordex AG aus Norderstedt bei Hamburg etwa entfielen 2005 bereits 62 Prozent des Neugeschäfts aufs Ausland. Der Auftragseingang stieg im Vergleich zu 2004 von 236 Mill. auf 395 Mill. Euro. Das Management ist zuversichtlich, 2006 wieder in die Gewinnzone zurückzukehren. Konkurrent Repower hat die Prognose für 2006 vor wenigen Tagen erhöht. Das Unternehmen will bei 450 Mill. Euro Umsatz ein Ergebnis vor Steuern von 13 Mill. Euro erzielen. Die Aktien von Repower und Nordex lagen nach mehrjähriger Talfahrt zuletzt wieder klar im Aufwind.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schrumpfender Markt erwartet.

VDMA-Geschäftsführer Thorsten Herdan bezeichnete 2005 als „das bisher beste Windjahr“. Weltweit seien erstmals Windturbinen mit mehr als 10 000 Megawatt Leistung installiert worden. Deutschland, das bis 2004 das höchste Wachstum verzeichnete, stehe mit rund 1 750 Megawatt an Neuinstallationen an dritter Stelle hinter den USA und Spanien. Die deutsche Industrie sei „bestens aufgestellt mit ihrem Technologievorsprung“, sagt Herdan.

Der Geschäftsführer des deutschen Windenergie-Instituts, Jens Peter Molly, erwartet, dass der deutsche Markt in den kommenden zwei bis drei Jahren weiter schrumpft. Im Binnenland seien geeignete Standorte für Windturbinen größtenteils vergeben, und der Ersatz alter Anlagen durch leistungsfähigere neue komme nur langsam in Gang. Auch der bereits für das Jahr 2007 geplante Bau neuer Windparks vor den Küsten von Nord- und Ostsee verzögert sich. Die Branche erhofft sich davon einen neuen Wachstumsschub.

Der Präsident des BWE, Peter Ahmels, sagte, ein stabiler Inlandsmarkt sei Voraussetzung dafür, dass die deutsche Windindustrie weiterhin an ihre großen Exporterfolge anknüpfen könne. „Deutschland muss Schaufenster der neuesten Entwicklungen bleiben“, forderte er. Dafür müssten die Rahmenbedingungen für Windenergie aber verbessert werden.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Zukunftsmärkte Amerika und Asien.

  • Ausgereizt

    Bis 2004 verzeichnete Deutschland das höchste Wachstum bei der Windenergie weltweit. 17 574 Windräder – mehr als jedes vierte weltweit – dreht sich hier zu Lande. Nach 1 800 Megawatt im Vorjahr sollen 2006 Anlagen mit 1 500 Megawatt Leistung ans Netz gehen.

  • Aufgeholt

    Die USA und Spanien haben Deutschland inzwischen überholt. In den USA wurden 2005 Windturbinen mit 2500 Megawatt, in Spanien mit 1 800 Megawatt Leistung installiert.

  • Abgehängt

    Die Zukunftsmärkte der Windbranche liegen nach Schätzung von Experten in den USA, China und Indien. Diese Länder setzen stärker auf erneuerbare Energien. Allein China will bis zum Jahr 2020 Windturbinen mit mindestens 30 000 Megawatt Leistung errichtet haben.

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