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07.12.2006 
Jet-Airways-Chef im Interview

„Wir sind 2008 ein vollwertiger Partner für eine Allianz“

von Die Fragen stellte Oliver Müller

Indiens führende Fluglinie Jet Airways wächst rasant. Sie sucht nach neuen Strecken ins Ausland und nach neuen Partnern. Welche Pläne das Unternehmen hat, erläutert CEO Wolfgang Prock-Schauer, ein Österreicher.

Die Star-Alliance will einen Fuß auf Indiens boomenden Luftverkehrsmarkt bekommen und hat ein Auge auf Jet Airways. Wann wird eine Partnerschaft spruchreif?

Wir sind von allen Allianzen angesprochen worden, haben derzeit aber kein Interesse an einem Beitritt. Wir konzentrieren uns bis Ende 2008 drauf, unser eigenes Langstreckennetz aufzubauen. Dann sind wir ein vollwertiger Partner für eine Allianz.

Warum warten Sie so lange?

Wir müssen bei der Expansion ins Ausland mit verschiedenen Fluglinien kooperieren. Ohne Allianz haben wir da mehr Flexibilität.

Wäre die Star Alliance ihr Lieblingspartner?

Wir haben keine Vorentscheidung getroffen. Auch innerhalb von Allianzen bleiben die Beziehungen von Fluglinien unter einander entscheidend. Mit wem wir letztendlich gehen, hängt davon ab, mit welchen Airlines wir im Zuge unserer internationalen Expansion das beste bilaterale Verhältnis aufbauen.

Fürchten sie, dass Air India nach der geplanten Fusion mit Indian Ihnen in einer Allianz zuvor kommt?

Gar nicht. Indien ist so ein großer, attraktiver Markt, dass Platz für zwei lokale Partner in einer globalen Allianz ist. Air India und Jet werden beide stark ins Ausland expandieren, ohne sich in die Quere zu kommen. Alle indischen Fluglinien zusammen kommen erst auf 25 Marktanteil im internationalen Verkehr mit ihrem eigenen Land.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Jet Airways hat Deutschland im Auge.

Wo liegt der Fokus bei Jets Auslandsplänen?

Wir bauen ein vollwertiges Langstreckennetz auf, das wir mit unseren 44 Zielen in Indien verbinden. Es kommen neue Strecken nach Europa und Asien hinzu, wir werden bald auch Nordamerika anfliegen und Afrika. Heute haben wir vier Langstreckenflugzeuge, Ende 2008 werden es 22 sein. Dann wird die Hälfte des Umsatzes aus dem Auslandsgeschäft kommen.

Wann fliegt Jet Deutschland an?

Nächstes Jahr starten wir Flüge über Brüssel nach New York. Wir suchen einen weiteren Anflugpunkt in Zentraleuropa, ein Ziel in Deutschland ist in der engeren Wahl.

Jet ist jüngst in die roten Zahlen gerutscht. Ist der Auslandsfokus eine Flucht vor dem Binnenmarkt, wo eine Explosion der Billigflieger auf Preise und Auslastung drücken?

Nein, das ist eine logische Weiterentwicklung unserer Position auf dem Binnenmarkt. Dort hat ein massiver Kapazitätsaufbau von 50 Prozent dieses Jahr den Wettbewerb in der Tat deutlich verschärft. Aber auch auf den Auslandsrouten ist dieser viel härter geworden. Es gibt da keinen großen Unterschied mehr.

Indiens Fluglinien warten auf die Auslieferung weiterer 500 Maschinen. Ist das System dem Boom noch gewachsen?

Die Grenzen werden unübersehbar. Der Zuwachs in diesem Jahr hat die Kapazitäten der Flughäfen und beim Personal gesprengt. Es fehlen massiv Fluglotsen, und 150 unserer 750 Piloten sind bereits Ausländer. Verspätungen wegen Luftraumüberlastung kosten Jet jedes Quartal 6 Mill. Dollar an Sprit. Daher mussten wir gerade die Preise erhöhen. Aber in den kommenden Jahren wird sich das Marktwachstum auf 20 Prozent normalisieren. Das kann das System besser verkraften. Und neue private Flughäfen in Bangalore und Hyderabad und der Ausbau von Delhi und Bombay durch private Konsortien werden die Situation entspannen.

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