"Bei uns gibt es nichts von der Stange“, sagt Eugen Hartl, Ingenieur und Chef der Umbauten-Abteilung der Basler Flugzeugwerft Jet Aviation. Wenn gewünscht, verwandeln die Techniker des Flugzeugausrüsters eine Kabine in ein Luxus-Speisezimmer.
BASEL. Die Anekdoten, die sich die Mitarbeiter in den blauen Overalls am Hangar 3 von Jet Aviation in Basel erzählen, sind zahlreich. Etwa die von dem Mitglied der Königsfamilie, das ein Flugzeug inklusive Küche, Bad, Wohnzimmer und Geschirrschrank orderte, mit allem drum und dran eben. Als er die Maschine in Empfang nahm, war die Enttäuschung groß: Die königlichen Platzteller passten nicht in den Schrank. Deshalb wurde das mit Intarsien verzierte Walnuss-Möbel wieder hinausbefördert und durch ein voluminöseres Modell ersetzt.
Oder die Geschichte von dem Geschäftsmann aus dem mittleren Osten. Unbedingt wollte er der einzige sein, der einen fliegenden Whirlpool besitzt. Die Mitarbeiter der Marketingabteilung von Jet Aviation nickten, schließlich lautet ihr Motto: „Nichts ist unmöglich“. Die Techniker schüttelten dagegen bedenklich den Kopf. Schließlich ist es ihr Job, dafür zu sorgen, dass jeder Umbau am Ende auch von den lokalen Luftaufsichtsbehörden der Länder, in denen das Flugzeug unterwegs sein wird, abgesegnet wird. Der Kompromiss sieht so aus: Der Whirlpool lässt sich nur benutzen, wenn das Flugzeug am Boden steht.
„Bei uns gibt es nichts von der Stange“, sagt Eugen Hartl, Ingenieur und Chef der Umbauten-Abteilung der Basler Flugzeugwerft. Die wurde im vergangenen Monat nach jahrelangem Hin und Her an die Geldgeber der Investmentgesellschaft Permira verkauft. Hartl sitzt in seinem mit Flugzeugmodellen geschmückten Büro im dritten Stock am Basler Flughafen, dort, wo auch die Schweizer Fluggesellschaft Swiss ihren Hauptsitz hat. Doch während die Swiss schrumpft, setzt Jet Aviation auf Wachstum. Das Unternehmen beschäftigt allein an seinem Heimatstandort in Basel 1 000 Mitarbeiter, unter ihnen Schreiner, Sattler und Lackierer, die Flugzeuge bis zur Größenordnung einer Boeing 747 umbauen. Daneben verdient die Firma ihr Geld, indem sie Flugzeuge samt Personal vermietet oder etwa im Auftrag von Fluggesellschaften wie Air France oder Air Berlin die Abfertigung der Fluggäste organisiert. Auch ganze Flotten werden gemanagt. Regierungen wie die italienische oder Konzerne wie VW zählen zu den Kunden.
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Jet Aviation betreibt eine Flotte von 160 Flugzeugen, beschäftigt 3 500 Mitarbeiter und hat 2004 umgerechnet knapp 500 Mill. Euro umgesetzt. Der Betriebsgewinn liegt bei 40 Mill. Euro, Tendenz steigend. Der Preis, den Passagiere für die Dienstleistungen der Schweizer Flugzeugwerft zahlen, liegt rund zehn Prozent über den Ausgaben für ein Business-Class-Ticket. Im Bereich Wartung ist die Lufthansa Hauptkonkurrent in Europa. Sie bietet insbesondere mit ihrem Technik-Bereich ähnliche Leistungen an.
Hemmschuh für eine schwungvolle Entwicklung bei den Schweizern waren bislang die Besitzverhältnisse. Die Firma, die 1967 von Carl Hirschmann gegründet wurde und noch immer den Hirschkopf im Logo trägt, gehörte bis August seinen Nachkommen und litt unter Familienstreitigkeiten. Der neue Investor soll die Schweizer nun in die Lage versetzen, vor allem durch Akquisitionen zu wachsen, sagt Permira-Partner und Deutschland-Geschäftsführer Thomas Krenz. Im Visier sind die USA, wo laut Hartl knapp zwei Drittel der weltweit 13 000 bis 14 000 zugelassenen Privatjets unterwegs sind.
Dass Permira schnell wieder aussteigt, will Krenz nicht ausschließen. Zuerst sollen aber auf jeden Fall die Zukäufe über die Bühne gegangen und ins Unternehmen integriert sein. „Dann ist Jet Aviation der ideale Börsenkandidat“, sagt Krenz. Binnen eines Jahres sei das aber kaum zu schaffen. Die Wachstumsstrategie werde bei den Mitarbeitern positiv aufgenommen. Die Belegschaft hat ohnehin genug mit den Sonderwünschen der Kunden zu tun. In einen Mittelklassejet soll eine Disco eingebaut werden. „Unsere Kunden“, sagt Hartl, „werden eben auch immer jünger.“

