Auch Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode hat nach dem Fleischskandal und dem Fund von Gen-Reis mehr Transparenz auf dem Lebensmittelmarkt gefordert. Der Markt funktioniere nicht, betonte der Verbraucherschützer am Samstag in einem AP-Interview. „Es geht nicht um schwarze Schafe, es geht um eine große Herde schwarzer Schafe mit einigen weißen Schafen dazwischen.“ Es werde flächendeckend betrogen, sagte der Verbraucherschützer.
„Es ist relativ leicht zu betrügen. Die Gewinnspannen des Betrugs sind sehr hoch“, sagte er. Hinzu komme, dass selbst dann keine echten Sanktionen drohten, wenn man erwischt werde, was selten genug vorkomme. Der Foodwatch-Gründer und ehemalige Greenpeace-Manager betonte, dass Verbraucher relativ geringe Chancen hätten, sich zu wehren. „Mir ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass Verbraucher erkennen müssen, dass sie sich nicht durch gutes Einkaufen schützen können.“
Bode forderte daher ein Gesetz, dass die Informationspflicht deutlich verschärfe. Das Verbraucherinformationsgesetz, das am 22. September im Bundesrat verabschiedet werden soll, hielt er für nicht ausreichend. Entweder bekomme der Verbraucher die Informationen gar nicht oder erst nach langer Zeit. „Was nützt es mir zu erfahren, dass ich von Metzger Müller vor drei Jahren vergammeltes Schnitzel gekauft habe.“
Härtere Strafen lehnte Bode ab. Einzelpersonen drohten schon jetzt nach dem Lebens- und Futtermittelrecht harte Strafen. Das Problem sei, dass ausschließlich einzelne Täter zur Verantwortung gezogen würden, die aber schwer zu ermitteln seien. Bode sprach sich daher für ein Unternehmensstrafrecht ein: Gestaffelt nach dem Umsatz könnte sich dann das Bußgeld für die betrügerische Firma bestimmen.
Auch dass genveränderter Reis in Umlauf gekommen sei, zeige ihm, dass der Markt nicht transparent genug sei. Die Reinheit des Saatguts sei eine wichtige Forderung. Ob sie durchkomme, hänge davon ab, ob sich die Interessen der Industrie oder der Verbraucher durchsetzten. „Der Ausgang ist offen, es kommt darauf an, wer gewinnt die Schlacht um gute Lebensmittel“, sagte Bode.

