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14.02.2008 
Razzia bei Post-Chef Klaus Zumwinkel

Zugriff im Villenviertel

von Katharina Slodczyk

So holt ihn sonst noch nicht mal sein Fahrer ab. Eine silberne Mercedes-Limousine mit getönten Scheiben fährt rückwärts auf die Einfahrt des Anwesens von Klaus Zumwinkel. Gegen 12.15 Uhr endete nach gut fünf Stunden die Steuerrazzia im Hause eines der einflussreichsten Topmanager der Republik, dem hervorragende Kontakte zur Politik nachgesagt werden.

 Razzia bei Post-Chef Zumwinkel. Quelle: ReutersLupe

Razzia bei Post-Chef Zumwinkel. Quelle: Reuters

KÖLN. Der Wagen rollt ganz dicht an die Treppe heran, die zur Haustür führt. Näher geht nicht, ohne den Lack zu ruinieren. Der Post-Chef muss nur noch die fünf Stufen runtersteigen, schon sitzt er im Fond der S-Klasse.

Ganz kurz schaut er in Richtung der Fotografen, Kameraleute und Journalisten, die seit Stunden vor seinem Haus ausharren und jede Bewegung auf dem Gelände beobachten, dann schließt sich die Autotür.

Mit Blaulicht setzt sich der Zivilwagen der Polizei in Bewegung. Ein Motorrad fährt vorweg, eine weitere silberne S-Klasse hinterher. Diese Eskorte begleitet Zumwinkel bis nach Bochum - zu einer Vernehmung durch die Staatsanwälte der Schwerpunktabteilung für Wirtschaftsstrafsachen.


Bildergalerie Bild für Bild: Die Razzia in Köln-Marienburg


Kurz nach Zumwinkel verlässt einer seiner Anwälte das Haus. Wenige Minuten später tragen Ermittler Kisten mit Unterlagen, die sie im Kofferraum ihres Autos verstauen, aus der weiß getünchten Villa.

So endet am Donnerstag gegen 12.15 Uhr nach gut fünf Stunden die Steuerrazzia im Hause eines der einflussreichsten Topmanager der Republik, dem hervorragende Kontakte zur Politik nachgesagt werden. Klaus Zumwinkel führt seit fast zwei Jahrzehnten die Post, er ist länger als jeder andere Chef eines Dax-Unternehmens im Amt. Zudem steht er den Aufsichtsräten der Dax-Firmen Postbank und Deutsche Telekom vor.

Zuletzt sind Pläne an die Öffentlichkeit gekommen, Zumwinkel erwäge, die Postbank mit einem anderen Institut zu verschmelzen und so eine Megabank zu gründen. Dies hätte ihm einen glanzvollen Abgang zum Ende seiner Karriere verschaffen können. Wäre da nicht die Sache in Liechtenstein, der Staatsanwälte und Steuerfahnder jetzt nachgehen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Zeitgleich rücken zwei Truppe an

Deswegen sind sie am Donnerstag im Morgengrauen angerückt - eine Truppe hat sich ab sieben Uhr morgens Zumwinkels Villa im Kölner Nobelviertel Marienburg vorgenommen, eine andere zeitgleich sein Büro im Bonner Post Tower. Seit Wochen war die Operation unter strengster Geheimhaltung geplant worden, wenige waren eingeweiht.

Die Behörden werfen dem Post-Chef Steuerhinterziehung mit Hilfe einer Liechtensteiner Stiftung vor. Dieses Steuersparmodell soll Zumwinkel bereits seit Mitte der achtziger Jahre praktizieren. Das Vermögen der Stiftung betrug angeblich zuletzt mehr als zehn Millionen Euro. Aus Aufzeichnungen eines Liechtensteiner Geldinstituts, das den Staatsanwälten vorliegt, soll zudem hervorgehen: Der Post-Chef habe womöglich überlegt, sein Vermögen auf die Cayman-Inseln zu verlagern.


Bildergalerie Bild für Bild: Wo Zumwinkel überall die Strippen zieht



Wieder einmal steht das Stiftungswesen des Fürstentums am Pranger, und wieder einmal besteht der Verdacht, Liechtensteiner Banken könnten kräftig beim Anhäufen von Schwarzgeld mitgeholfen haben. Und auch dieses Mal versuchen offizielle Stellen erneut, Beruhigendes von sich zu geben: Ein Rechtshilfeersuchen gebe es bislang nicht, sagt der leitende Staatsanwalt in Vaduz. Wenn es kommen sollte, werde man kooperieren.

Die Ermittler in Köln durchsuchen in Zumwinkels Haus zunächst sein Arbeitszimmer. Immer wieder bewegen sich dort die sorgfältig zugezogenen Vorhänge. Dahinter kann man Schatten erkennen. Als Nächstes geht im Raum nebenan das Licht an. Die Steuerfahnder und Staatsanwälte arbeiten sich voran.

Kurz nach acht Uhr fährt Zumwinkels Dienstwagen vor: ein schwarzer Mercedes. Unverrichteter Dinge macht sich der Fahrer nach ein paar Minuten wieder auf den Weg. Hat der Post-Chef wirklich geglaubt, an diesem Tag wie gewohnt seinen Dienst in Bonn antreten zu können? Oder ist er einfach nicht dazu gekommen, seinem Fahrer Bescheid zu geben, dass er ihn heute nicht abholen muss?

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Fahrzeuge der Ermittler und von Zumwinkels Anwälten werden in Position vor der Villeneinfahrt gebracht

Um kurz vor neun Uhr kommt ein Anwalt in einem schwarzen Porsche -Cabrio vor Zumwinkels Haus vorgefahren: der Kölner Steuerstrafrechtsexperte Rolf Schwedhelm. Eine Stunde später eilt ein weiterer Anwalt herbei, Hanns Feigen aus Frankfurt, ebenfalls ein Fachmann für Steuerstrafrecht. Der Post-Chef wird das Duo brauchen, denn ein Richter hat bereits einen Haftbefehl ausgestellt. Offenbar befürchten die Ermittler, dass Zumwinkel wichtige Unterlagen beiseite schaffen oder fliehen könnte.

Einer der Anwälte hat es besonders eilig, ins Haus zu kommen, und vergisst auf dem Beifahrersitz seines Wagens zwei Zettel: Einer trägt die Überschrift "dringend" und listet Mobiltelefonnummern von Kripo-Mitarbeitern auf, der zweite enthält Namen, Adresse und die private Telefonnummer Zumwinkels.

Immer wieder fahren Streifenwagen der Kölner Polizei an Zumwinkels Anwesen vorbei, an dem grün-weißen Lattenzaun, der das Haus umgibt. Zwischendurch bahnen sich auch einige Prominente ihren Weg durch die schmale Straße, darunter Harald Schmidt.


Bildergalerie Bild für Bild: Die spektakulärsten Fälle von Steuerhinterziehung


Am späten Vormittag ist es damit vorbei. Die Polizei riegelt das Haus des Post-Chefs mit einem rot-weißen Flatterband ab. Die Zufahrt zu der Straße wird vorübergehend ganz gesperrt. Steuerfahnder kommen raus und gehen wieder rein. Fahrzeuge der Ermittler und von Zumwinkels Anwälten werden in Position vor der Villeneinfahrt gebracht.

Zum ersten Mal reagieren jetzt auch die Nachbarn, die das Treiben zunächst eher belustigt verfolgten, etwas verstimmt: "Was ist denn hier los? Wird hier wieder eine Seifenoper, ,Verbotene Liebe?' oder so, gedreht?" Doch diesmal ist alles echt.

Mitarbeit: Oliver Stock

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