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Zukunft der Drogeriekette: Der Zerfall der Marke Schlecker

Ist der Ruf erst ruiniert: Vor fast einem Jahr versuchte Schlecker mit einer Markenkampagne den Neuanfang - doch manche Dinge sind nicht zu stoppen, weil Altlasten noch Jahre später an der Marke haften. Eine Obduktion.

30.000 Schlecker-Mitarbeiter erfuhren erst aus der Presse, dass ihr Arbeitgeber Insolvenz angemeldet hat. Quelle: dpa
30.000 Schlecker-Mitarbeiter erfuhren erst aus der Presse, dass ihr Arbeitgeber Insolvenz angemeldet hat. Quelle: dpa

DüsseldorfEs sieht düster aus: Kaum ein Image- oder Markenranking, bei dem die insolvente Drogeriekette im Moment noch gut wegkommt. Für die Experten der Beratungsfirma Interbrand gehört die 40 Jahre alte Marke Schlecker in ihrer aktuellen Markenwertuntersuchung zu den Verlierern – ganze 17 Prozent büßt sie im Jahresvergleich ein. Damit ist die Marke 2012 nur noch 320 Millionen Euro wert, und das, obwohl bei diesem Ranking die Pleite noch gar nicht berücksichtigt ist.

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Auch in der jüngsten Umfrage „Image Profile“ des „Manager Magazins“ muss Schlecker noch weit vor dem Bekanntwerden der Pleite Federn lassen: Über 4.000 Führungskräfte bewerten Schlecker als das schlechteste Unternehmen. Die Befragung der Juroren fand von Anfang September bis Ende November 2011 statt, den offiziellen Insolvenzantrag hatte Schlecker erst am 23. Januar 2012 gestellt.

Noch bis Ende März hat der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz Zeit, einen Ausweg aus der Notlage zu finden, indem er ein Sanierungskonzept präsentiert. Damit muss er nicht nur die Gläubiger, sondern auch potentielle Investoren überzeugen, die ein ganzes Unternehmen umkrempeln müssen, das einen miserablen Ruf in der Öffentlichkeit hat. Deutschlandweit sind rund 32.000 Beschäftigte in mehr als 6.000 Filialen von der Pleite betroffen.

Drogeriekette Wer über Schleckers Schicksal entscheidet

  • Drogeriekette: Wer über Schleckers Schicksal entscheidet
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Schon jetzt sind sich die Markenexperten einig: Wer immer die schwäbische Kette oder Teile von ihr weiterführt, ist gut beraten, dass nicht unter dem Namen Schlecker zu tun. Zwar sei Schlecker eines der bekanntesten Handelsunternehmen Deutschlands, sagt Manfred Hunkemöller, Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH). Der Ruf der Kette sei aber schwer belastet. „Die Diskussionen um Dumpinglöhne und Mitarbeiterschikanen bleiben beim Kunden in Erinnerung“, so Hunkemöller.

„Als Marke hat Schlecker seine letzte Chance gehabt und verspielt", sagt auch der Präsident des Art Directors Club Deutschland, Jochen Rädeker, im Gespräch mit der "Wirtschaftswoche". Das Unternehmen verlor dem Magazin zufolge in den vergangenen fünf Jahren rund sechs Millionen Kunden. Der alte Name und Markenauftritt stehe "für den Unterschicht-Billig-Drogeriemarkt. Das war nicht Erlebniseinkauf, sondern Warenausgabestation“, so Rädeker.

Wie es mit Schlecker weitergeht

  • Schwierige Verhandlungen mit Gläubigern

    Erst in den kommenden Wochen und Monaten wird es sich entscheiden, ob der Drogerieriese Schlecker es schafft, eine völlige Pleite und das Aus für die rund 30.000 Mitarbeiter in Deutschland abzuwenden.

  • Überzeugungsarbeit

    Die Spitze von Deutschlands bislang größtem Drogeriekonzern Schlecker muss Überzeugungsarbeit leisten. Gelingt es der Familie und dem Management, die Gläubiger von einem Insolvenzplan zu überzeugen? Wie geht es weiter?

  • Die Planinsolvenz

    Schlecker hat den Antrag auf eine Planinsolvenz beim zuständigen Amtsgericht Ulm eingereicht. Das Verfahren ähnelt dem amerikanischen sogenannten Chapter 11, mit dessen Hilfe sich dortige Unternehmen in weitgehender Eigenregie sanieren, um als Firma erhalten zu bleiben. Noch äußert sich Schlecker nicht dazu, wie ein solcher Plan genau aussehen könnte.

  • Filialen schließen

    Es ist davon auszugehen, dass noch weit mehr Filialen als geplant geschlossen werden. Bislang sollte dieser Prozess Ende des ersten Quartals abgeschlossen sein - mit mehreren hundert weiteren dichtgemachten Läden, weit über 1000 seit Anfang des vergangenen Jahres. Zudem werden die Beschäftigten Federn lassen müssen.

  • Die dringendsten Probleme

    Schlecker selbst hat eine ausgefallene „Zwischenfinanzierung“ als Ursache für die Insolvenz genannt. Nach übereinstimmenden Berichten verschiedener Medien und dpa-Informationen ging es um Zahlungen an den Einkaufsverbund Markant. Dieser und andere Gläubiger müssen also dem Sanierungskonzept Vertrauen schenken, so dass frische Ware in die Läden kommt.

  • Rolle der Banken

    Meike und Lars Schlecker hatten im Dezember erklärt, es habe bereits „die eine oder andere Vereinbarung“ mit Banken gegeben. Um Investoren zu finden, hat die Drogeriekette angeblich den Ex-Edeka-Chef Alfons Frenk engagiert. Schlecker bestätigte Verhandlungen über einen Einstieg von Finanzinvestoren nicht, über die das „Manager Magazin“ berichtet hatte.

  • Wie sicher sind die Arbeitsplätze?

    Bislang hat Schlecker allen Filialschließungen zum Trotz keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen. Das Management verlängerte Zeitverträge nicht oder besetzte frei werdende Stellen nicht neu. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bestätigt das, fordert jetzt aber vollen Einsatz für die allein in Deutschland rund 30.000 Beschäftigten.

  • Gehälter vorerst sicher

    Eigentlich gilt bis Mitte 2012 ein Beschäftigungssicherungsvertrag - Mitarbeiter können nur gegen eine entsprechende Abfindung ausscheiden. Zumindest die Gehälter sind durch das Insolvenzausfallgeld für die ersten drei Monate des Verfahrens gesichert.

  • Beispiele für gelungene Planinsolvenzen

    Zum Beispiel die Modekette Sinn Leffers oder den Fall Karstadt. Bei Sinn Leffers waren allerdings harte Einschnitte nötig: nur 25 von 47 Standorten blieben erhalten, rund 1300 Jobs wurden gestrichen. In Baden-Württemberg hat der Modelleisenbahnhersteller Märklin es geschafft, sich dank eines Plans aus der Insolvenz zu verabschieden. Das war aber auch nur möglich, weil sich die wichtigsten Gläubiger darauf einigten, einen Teil ihrer Forderungen in Millionenhöhe erst später beglichen zu bekommen.

  • Hat Schlecker eine Chance auf dem Drogeriemarkt?

    Nur mit einem radikalen Imagewandel, sagen Branchenexperten. Weg vom Billiganbieter mit Geschäften an jeder Straßenecke, lange Jahre das Erfolgsmodell der Kette. Die größten Konkurrenten DM und Rossmann haben sich seit ihren ebenfalls im Drogerie-Discount-Bereich liegenden Anfängen enorm weiterentwickelt.

  • Konkurrent DM

    Gerade der Karlsruher DM-Konzern hat mit großen, zentral gelegenen Filialen immer mehr Marktanteile hinzugewonnen und ist etwa im Fotobereich sehr beliebt. Zudem hat Schlecker bis heute mit seinem Negativimage zu kämpfen, weil Arbeitnehmerrechte früher wenig galten und sich das Bild in den Köpfen vieler Konsumenten festgesetzt hat.

  • Wie weit ist die Neuausrichtung?

    Die hat Schlecker mit seinem Programm „Fit for Future“ erst sehr spät gestartet. Anfang 2011 wurden die ersten, neu gestalteten Filialen aufgemacht. Sie bieten mehr Bewegungsfreiheit, übersichtliche Regale und ein speziell auf die jeweilige Nachbarschaft abgestimmtes Sortiment.

  • Neue Läden

    Rund 30 Prozent Umsatzzuwachs verzeichneten sie nach Angaben von Meike und Lars Schlecker. Bislang gibt es erst rund 300 der neuen Filialen, 750 bis 1000 sollten es in diesem Jahr werden. Das Gros der über 7000 Läden allein in Deutschland sind weiterhin kleine und enge Geschäfte mit geringen Fixkosten, aber auch wenig Umsatz. Hier wollte Schlecker zuletzt wieder über eine Preisoffensive punkten.

Das Management um den Firmengründer Anton Schlecker hat das Problem zwar irgendwann erkannt, dann aber zu spät reagiert. Erst im April 2011 versuchten die Erben Lars und Meike Schlecker einen Neuanfang. Im Fachmagazin Horizont beschrieb Schleckers Marketingleiter Volker Schurr den Plan: "Schlecker startet erstmals eine Kampagne, die nicht rein auf den Abverkauf, sondern auch auf die Unternehmensmarke und deren Wahrnehmung einzahlt." Vor allem der neue Claim "For you, vor Ort" sollte das Markenbild entstauben und polieren - neun Monate später dann der Weg zum Insolvenzgericht.

  • 29.02.2012, 22:41 UhrJohannes

    @leser:

    Grundsätzlich haben sie recht, doch kann ein rein immaterieller Gegenstand (die Marke Schlecker) nicht zerfallen. Dies bleibt allein physischen Gegenständen vorbehalten (das Unternehmen könnte folglich zerfallen). Doch hier wird ausdrücklich die Marke Schlecker erwähnt.

    So kann z.B. ein Staat in einzelne Landesteile zerfallen, ein Atomkern kann zerfallen (wie oben von ihnen selbst beschrieben). Hingegen kann die Kunst als Ganzes nur verfallen, ein Kunstwerk andererseits zerfallen.

  • 29.02.2012, 20:00 UhrAnonymer Benutzer: wow

    wenn über Sprachverfall diskutiert wird, dann sollte man lieber über den Werbespruch "For you Vor Ort" sprechen. Der ist eine reine Unverschämtheit. Schüler der 8. Klasse im Deutschunterricht bekommen bessere Werbesprüche hin, möchte mal gerne wissen, wer für so einen Mist auch noch Geld bekommt. Das ist so unfassbar, wird man so für doof erklärt, wenn man sich mal etwas länger mit dem Satz auseinandersetzt, dann fällt einem nichts mehr ein. Kein Englisch, kein Deutsch, sogar noch falschestestes Denglisch kombiniert mit Halbaliterationen und Reimen. Unfassbar!

  • 29.02.2012, 19:43 UhrAnonymer Benutzer: leser

    Bei aller Kritik am Sprachverfall hierzulande:

    Bei weiteren "Ungereimtheiten", einfach weiter recherchieren:

    "Zerfall Definition: [1] das Zerfallen :[a] allmähliche Auflösung in die Bestandteile :[b] Physik: die spontane Spaltung eines Atomkerns :[c] Soziologie: das Zugrundegehen, der Untergang".

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