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Zukunft der Drogeriekette: Gläubiger haben wenig Mitleid mit Schlecker

Schlecker hat die Planinsolvenz gerade erst eingereicht - und schon gibt es jede Menge Ärger mit den Gläubigern - auch über den Insolvenzverwalter. Ausgerechnet Finanzinvestoren werden zum großen Hoffnungsträger.

Die Zentrale der Drogeriemarktkette Schlecker nahe Ehingen: Gläubiger werden hart verhandeln. Quelle: dpa
Die Zentrale der Drogeriemarktkette Schlecker nahe Ehingen: Gläubiger werden hart verhandeln. Quelle: dpa

DüsseldorfWer will Teile von Schlecker? So lautet flapsig ausgedrückt die Gretchenfrage in dieser Woche. Das Familienunternehmen hatte am Freitag mitgeteilt, zahlungsunfähig zu sein. Die nächsten Tage werden nun zeigen, wie es weitergeht. Am Montagmorgen hat Schlecker die Planinsolvenz offiziell beantragt.

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Schnell wurden als mögliche Interessenten für die 7000 Schlecker-Filialen in Deutschland DM und Rossmann ins Spiel gebracht, doch die haben schon abgewiegelt. Schlecker passe nicht in ihr Konzept, ohnehin hätten sie nur Interesse an einer Handvoll großer, moderner Läden.

Nun richtet sich der Blick auf Finanzinvestoren wie Sun Capital. Das Beteiligungsunternehmen hat Erfahrung im Handelsbereich und bei der Restrukturierung. In Finanzkreisen gehandelt wird zudem der Besitzer der Textilkette Takko, Apax Partners. Doch das bleiben vorerst Spekulationen.

Das gilt auch für die Frage, wem Schlecker im Detail wie viel Geld schuldet. Laut Medienberichten hat das Unternehmen mehrere offene Rechnungen im Zusammenhang mit einer Einkaufsgemeinschaft, der unter anderem auch die Schlecker-Konkurrenten Rossmann und DM angehören. Über Schulden, Gläubiger und anvisierte Lösungswege schweigt Schlecker bislang.

Wie es mit Schlecker weitergeht

  • Schwierige Verhandlungen mit Gläubigern

    Erst in den kommenden Wochen und Monaten wird es sich entscheiden, ob der Drogerieriese Schlecker es schafft, eine völlige Pleite und das Aus für die rund 30.000 Mitarbeiter in Deutschland abzuwenden.

  • Überzeugungsarbeit

    Die Spitze von Deutschlands bislang größtem Drogeriekonzern Schlecker muss Überzeugungsarbeit leisten. Gelingt es der Familie und dem Management, die Gläubiger von einem Insolvenzplan zu überzeugen? Wie geht es weiter?

  • Die Planinsolvenz

    Schlecker hat den Antrag auf eine Planinsolvenz beim zuständigen Amtsgericht Ulm eingereicht. Das Verfahren ähnelt dem amerikanischen sogenannten Chapter 11, mit dessen Hilfe sich dortige Unternehmen in weitgehender Eigenregie sanieren, um als Firma erhalten zu bleiben. Noch äußert sich Schlecker nicht dazu, wie ein solcher Plan genau aussehen könnte.

  • Filialen schließen

    Es ist davon auszugehen, dass noch weit mehr Filialen als geplant geschlossen werden. Bislang sollte dieser Prozess Ende des ersten Quartals abgeschlossen sein - mit mehreren hundert weiteren dichtgemachten Läden, weit über 1000 seit Anfang des vergangenen Jahres. Zudem werden die Beschäftigten Federn lassen müssen.

  • Die dringendsten Probleme

    Schlecker selbst hat eine ausgefallene „Zwischenfinanzierung“ als Ursache für die Insolvenz genannt. Nach übereinstimmenden Berichten verschiedener Medien und dpa-Informationen ging es um Zahlungen an den Einkaufsverbund Markant. Dieser und andere Gläubiger müssen also dem Sanierungskonzept Vertrauen schenken, so dass frische Ware in die Läden kommt.

  • Rolle der Banken

    Meike und Lars Schlecker hatten im Dezember erklärt, es habe bereits „die eine oder andere Vereinbarung“ mit Banken gegeben. Um Investoren zu finden, hat die Drogeriekette angeblich den Ex-Edeka-Chef Alfons Frenk engagiert. Schlecker bestätigte Verhandlungen über einen Einstieg von Finanzinvestoren nicht, über die das „Manager Magazin“ berichtet hatte.

  • Wie sicher sind die Arbeitsplätze?

    Bislang hat Schlecker allen Filialschließungen zum Trotz keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen. Das Management verlängerte Zeitverträge nicht oder besetzte frei werdende Stellen nicht neu. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bestätigt das, fordert jetzt aber vollen Einsatz für die allein in Deutschland rund 30.000 Beschäftigten.

  • Gehälter vorerst sicher

    Eigentlich gilt bis Mitte 2012 ein Beschäftigungssicherungsvertrag - Mitarbeiter können nur gegen eine entsprechende Abfindung ausscheiden. Zumindest die Gehälter sind durch das Insolvenzausfallgeld für die ersten drei Monate des Verfahrens gesichert.

  • Beispiele für gelungene Planinsolvenzen

    Zum Beispiel die Modekette Sinn Leffers oder den Fall Karstadt. Bei Sinn Leffers waren allerdings harte Einschnitte nötig: nur 25 von 47 Standorten blieben erhalten, rund 1300 Jobs wurden gestrichen. In Baden-Württemberg hat der Modelleisenbahnhersteller Märklin es geschafft, sich dank eines Plans aus der Insolvenz zu verabschieden. Das war aber auch nur möglich, weil sich die wichtigsten Gläubiger darauf einigten, einen Teil ihrer Forderungen in Millionenhöhe erst später beglichen zu bekommen.

  • Hat Schlecker eine Chance auf dem Drogeriemarkt?

    Nur mit einem radikalen Imagewandel, sagen Branchenexperten. Weg vom Billiganbieter mit Geschäften an jeder Straßenecke, lange Jahre das Erfolgsmodell der Kette. Die größten Konkurrenten DM und Rossmann haben sich seit ihren ebenfalls im Drogerie-Discount-Bereich liegenden Anfängen enorm weiterentwickelt.

  • Konkurrent DM

    Gerade der Karlsruher DM-Konzern hat mit großen, zentral gelegenen Filialen immer mehr Marktanteile hinzugewonnen und ist etwa im Fotobereich sehr beliebt. Zudem hat Schlecker bis heute mit seinem Negativimage zu kämpfen, weil Arbeitnehmerrechte früher wenig galten und sich das Bild in den Köpfen vieler Konsumenten festgesetzt hat.

  • Wie weit ist die Neuausrichtung?

    Die hat Schlecker mit seinem Programm „Fit for Future“ erst sehr spät gestartet. Anfang 2011 wurden die ersten, neu gestalteten Filialen aufgemacht. Sie bieten mehr Bewegungsfreiheit, übersichtliche Regale und ein speziell auf die jeweilige Nachbarschaft abgestimmtes Sortiment.

  • Neue Läden

    Rund 30 Prozent Umsatzzuwachs verzeichneten sie nach Angaben von Meike und Lars Schlecker. Bislang gibt es erst rund 300 der neuen Filialen, 750 bis 1000 sollten es in diesem Jahr werden. Das Gros der über 7000 Läden allein in Deutschland sind weiterhin kleine und enge Geschäfte mit geringen Fixkosten, aber auch wenig Umsatz. Hier wollte Schlecker zuletzt wieder über eine Preisoffensive punkten.

Die Gläubiger müssen jedenfalls einem vorgelegten Sanierungskonzept Vertrauen schenken, so dass frische Ware in die Läden kommt. Zur Investorensuche hat die Drogeriekette angeblich den Ex-Edeka-Chef Alfons Frenk engagiert. Der Schlecker-Sprecher wollte entsprechende Angaben des „Manager Magazins“ nicht kommentieren.

Schlecker

Wie das Handelsblatt erfuhr, drängten am Wochenende bereits mehrere große Gläubiger auf die Ernennung des Frankfurter Rechtsanwalts Ottmar Hermann zum Insolvenzverwalter. Der hatte zuletzt die Warenhauskette Woolworth erfolgreich aus der Insolvenz geführt, indem er unprofitable Filialen schloss und das verschlankte Unternehmen an die Eigentümer von Kik und Tengelmann verkaufte.

Die Chancen für Hermann scheinen aber eher gering zu sein. Die Ulmer Amtsrichter, so wurde den Gläubigern mitgeteilt, bevorzugen einen Insolvenzverwalter aus Bayern. In Finanzkreisen wird daher erwartet, dass der Kaufmann Werner Schneider aus Neu-Ulm zum Zuge kommt. Er ist zwar gerade bei dem Druckmaschinenbauer Manroland im Einsatz, hat aber viel Erfahrung mit großen Insolvenzverfahren.

  • 23.01.2012, 13:07 UhrGaestle

    Der Seniorchef hat den Laden gerade noch rechtzeitig an die nächste Generation übergeben um nicht selbst in den sauren Apfel beißen zu müssen.
    Er hat es versäumt seinen Laden auf der Höhe der Zeit zu halten.

  • 23.01.2012, 12:39 UhrAnonymer Benutzer: yoski

    Wenn Schlecker bei der Vermoegensverwaltung nicht ganz so unfaehig war wie bei der Betriebsleitung dann hat er seine Kohle ausserhalb des Hoheitsgebietes der deutschen Justiz gebunkert. Er sah die Pleite doch kommen lange bevor irgend jemand anders etwas davon wusste.

  • 23.01.2012, 11:55 Uhrmargrit117888

    Da sind doch übr Jahre enorme Mannagement-Fehler gemacht worden. Düstere Läden, die nun nicht gerade zum Einkaufen einladen. Z. T teurer als Rossmann oder DM, also warum soltle man da zu Shlecker gehen?
    Das sit halt, wenn die Eigentümer sich nur noch selbt das Geld in die Taschen stopfen ohne sich wirklich um ihre Geschäfte zu kümmern.
    Mal etws wenigerFerien auf der Yacht, ein wenig weniger Glamour und es mal mit Arbeit versuchen, hätte man den Schleckers schon vor Jarhen sagen sollen

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