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15.02.2008 
Nach Razzien

Zumwinkel tritt zurück

Post-Chef Klaus Zumwinkel tritt wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung von seinem Posten zurück. Das sagte ein Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Freitag in Berlin.

Auch gute Verbindungen zur wirtschaftlichen und politischen Elite konnten Klaus Zumwinkels Fall nicht verhindern. Foto: ap Lupe

Auch gute Verbindungen zur wirtschaftlichen und politischen Elite konnten Klaus Zumwinkels Fall nicht verhindern. Foto: ap

HB BERLIN. Steinbrück und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hätten das Angebot akzeptiert und begrüßten den Entschluss. Formal soll der Post-Aufsichtsrat den Rücktritt am Montag beschließen. Der Bund ist Großaktionär der Deutschen Post AG. Zumwinkel ist auch Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Telekom.

Steinbrücks Sprecher sagte, der Präsidialausschuss im Post- Aufsichtsrat werde dem Gremium die Annahme des Rücktrittsangebots am Montag empfehlen. „Diese Entscheidung von Herrn Zumwinkel trifft die volle Unterstützung der Bundesregierung.“ Auf die Frage, ob die Vorwürfe der Steuerhinterziehung gegen Zumwinkel zutreffen, sagte der Sprecher: „Wir haben den Eindruck, Herr Zumwinkel geht davon aus.“

Die Deutsche Post hat den Rücktritt mittlerweile bestätigt. Zumwinkel ziehe sich auch von dem Posten als Aufsichtsratschef der Deutschen Postbank zurück, teilte der Bonner Konzern am Freitag mit. Zumwinkel habe dies dem Präsidialausschuss des Post-Aufsichtsrates mitgeteilt. Der Ausschuss schlage dem am Montag tagenden Aufsichtsrat vor, dem Wunsch Zumwinkels „zeitnah“ nachzukommen. In der Erklärung der Post wurde noch keine Nachfolgeregelung für das Spitzenamt bei dem Konzern erwähnt.


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Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft Zumwinkel vor, mit Geldanlagen in liechtensteinische Stiftungen Steuern in einer Größenordnung von rund einer Million Euro hinterzogen zu haben. Die Ermittler hatte am Donnerstag seine Villa in Köln und sein Büro in der Bonner Konzernzentrale durchsucht. Der Manager kam nach einem Verhör wieder auf freien Fuß. Behördenangaben zufolge hatte er sich zu den Vorwürfen geäußert und eine „Sicherheitsleistung in nicht unerheblicher Höhe“ angeboten.

In den 18 Jahren, in denen Zumwinkel an der Spitze der Post steht, hat er den Staatsbetrieb in einen weltweit agierenden Logistikkonzern umgebaut. Kein Chef eines deutschen Dax-Unternehmens hat sich länger an der Konzernspitze gehalten. Zumwinkel gilt als einer der profiliertesten deutschen Unternehmensführer mit exzellenten Kontakten in Wirtschaft und Politik.

Nach Zumwinkels Rückzug ist die Nachfolgeregung bei dem Konzern noch unklar. Darüber wurde am Freitag in Bonn hinter den Kulissen beraten. Als aussichtsreicher Kandidat wurde Logistikvorstand Frank Appel (46) gehandelt. Aber auch Finanzvorstand John Allan (59) könnte als möglicher Interimskandidat im Spiel sein, um vorläufig die Aufgaben des Vorstandschefs bei der Deutschen Post zu übernehmen. Appel gehört seit einigen Jahren dem Post-Vorstand an und galt bereits seit geraumer Zeit als potenzieller Nachfolger von Zumwinkel.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Post-Anleger schicken Aktie an Dax-Spitze

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte unterdessen Zumwinkels Umgang mit den Vorwürfen. Sie habe sich gewünscht, dass Zumwinkel sich öffentlich zu den Vorwürfen äußere, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Freitag in Berlin. Es sei für die Post-Mitarbeiter, aber auch für viele Bürger von Interesse, wie er dazu Stellung nehme. Die Kanzlerin sei der Auffassung, dass Einzelfälle wie die Vorwürfe gegen Zumwinkel „Vertrauen kosten“. Die ganz große Mehrheit der Verantwortungsträger in der Wirtschaft arbeiteten aber seriös und mit großen Einsatz, sagte Wilhelm.

Trotz seines vorzietigen Abgangs muss Zumwinkel nicht darben. Ihm stehen nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung 1,071 Mill. Euro Pension im Jahr zu - fast 90 000 Euro im Monat. Das Blatt berief sich am Freitag auf den Geschäftsbericht 2006. Das Ruhegeld beziehe sich auf den fixen Teil von Zumwinkels Gehalt, das 2006 bei 1,428 Mill. Euro gelegen habe.


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Ein vorgezogener Abschied Zumwinkels macht eine schnelle und harte Sanierung des defizitären US-Geschäftes und einen Verkauf der Postbank wahrscheinlicher. Anleger scheinen dies anzunehmen, denn die Aktien der Post haben am Freitag mit Gewinnen auf den Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden reagiert. Die Titel setzten sich an die Spitze des Dax.

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