Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Die Deutsche Post hat nach dem Steuerskandal um Klaus Zumwinkel mit dem bisherigen Logistikvorstand Frank Appel nicht nur einen neuen Chef. Dem Konzern unterlief auch noch ein peinlicher PR-Patzer: Nach seinem schnellen Abgang meldet sich der frühere Vorstandsvorsitzende via Mitarbeiterzeitung zu Wort – und das völlig unpassend.
DÜSSELDORF. Ausgerechnet in der aktuellen Mitarbeiter-Zeitung lässt sich der Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel über den Führungsstil von Top-Managern aus: „Führungskräfte sind Vorbilder“. Sie müssten Werte vorleben, deren Qualität man erst in der Krise erkenne. Zumwinkel musste wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung den Hut nehmen. Das nennt man dann wohl Ironie der Geschichte.
Die Mitarbeiter-Zeitung „Premium Post“ hat eine Auflage von rund 400 000 Exemplaren und erscheint acht Mal im Jahr. Nur einige Tage nach Redaktionsschluss der aktuellen Ausgabe klopften morgens gegen sieben Uhr die Steuerfahnder an Zumwinkels Haustür im noblen Kölner Villenvorort Marienburg. Die Post zählt weltweit über 500 000 Mitarbeiter.
Eine Post-Sprecherin gibt sich zerknirscht. „Das Ding war einfach nicht mehr zu stoppen.“ Es sei klar, dass der Bericht angesichts der aktuellen Entwicklung komisch wirke. Ende der Woche sollen die Mitarbeiter ein Update aus der Führungsetage erhalten - möglicherweise frei nach dem Motto: „Hätte ich doch unsere sieben Konzern-Benimmregeln, den Code of Conduct, bis zum Ende gelesen.“
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Zumwinkel ist dabei offenbar nur bis Wert Vier und Fünf gekommen: „Nach eindeutigen Prioritäten handeln“ und „Unternehmerisch handeln“. Das hat er wohl wörtlich genommen und auch auf sein privates Vermögen gemünzt.
Bild für Bild: Die Razzia im hause Zumwinkel in Köln-Marienburg
Allein Zumwinkels Jahressalär bei der Post belief sich laut Geschäftsbericht im Jahr 2006 auf 1,4 Millionen Euro plus Boni sogar auf 2,9 Millionen Euro. Zumwinkel hat nach seinem Ausscheiden einen Anspruch auf Pension in Höhe von 75 Prozent seines letzten Jahresgehalts - auch „für den Fall der Beendigung des Vorstandsvertrags vor Ablauf der planmäßigen Vertragszeit“. Das sind deutlich über eine Million Euro. Zumwinkels Vorstandsvertrag wäre im November regulär ausgelaufen. Daneben kommen noch Vergütungen für Aufsichtsratsposten, beispielsweise bei der Lufthansa von 65 000 Euro, die sich schnell auf einen sechsstelligen Betrag im Jahr aufhäufen.
Hätte Zumwinkel die Regeln des Konzerns zu Ende gelesen, wäre die Geschichte möglicherweise anders ausgegangen. Denn da steht auch noch unter Punkt Sechs „Integrität nach innen und außen leben“ und unter Punkt Sieben „Gesellschaftliche Verantwortung übernehmen“.

