1,5 Mrd. Euro
Ryanair will Aer Lingus übernehmen

Der irische Billigflieger Ryanair ist mit 16 Prozent beim heimischen Konkurrenten Aer Lingus eingestiegen. Ziel ist die Komplettübernahme des Börsenneulings. Dabei war das Verhältnis der beiden Linien in der Vergangenheit nicht gerade freundschaftlich.

HB/dih DUBLIN. Europas Marktführer bei den Billigfliegern teilte am Donnerstag mit, er werde für Aer Lingus eine Kaufofferte im Volumen von 1,481 Mrd. Euro vorlegen. Je Aktie werde Ryanair 2,8 Euro in bar bieten, ein Aufschlag von 27 Prozent auf den Ausgabekurs von Aer Lingus von 2,2 Euro. Als Bedingung für das Angebot nannte Ryanair den Erwerb der Mehrheit.

Aer Lingus war erst am Montag erfolgreich an die Börse gegangen. Bis dahin war die Linie in Besitz des irischen Staates. Dieser hält jetzt noch 28 Prozent.

Aer Lingus hat hehre Ziele. So soll die Flotte um 14 Jets der mittelgroßen Typen Boeing 787 oder Airbus A350 aufgestockt werden. Damit verdoppelte sich die Langstreckenflotte. Die Maschinen sollen auf neuen Strecken nach Asien und Amerika zum Einsatz kommen. Die Kurzstreckenflotte soll um 14 Maschinen auf 42 Jets wachsen.

Harte Sanierung bei Aer Lingus

Aer Lingus hat sich in den vergangenen Jahren einer Radikalkur unterzogen. Die Branchenkrise nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 trieb die Iren – wie viele andere kleinere nationale Fluggesellschaften – an den Rand der Pleite. Verschärft wurde die Lage noch durch die Tatsache, dass ausgerechnet der erfolgreichste europäische Billigflieger Ryanair in Irland seinen Heimatmarkt hat.

Der damalige Vorstandschef Willie Walsh, der inzwischen British Airways führt, brachte Aer Lingus durch die harte Sanierungsphase. Mehr als ein Drittel der Angestellten musste gehen und Walsh schaute sich bei Ryanair ab, wie man die Kosten drückt. Mit einem durchschnittlichen Ticketpreis von 67 Euro auf der Kurzstrecke ist Aer Lingus heute wieder konkurrenzfähig, doch die Marge von gut 8 Prozent liegt weit unter der von Ryanair. Der Konkurrent und jetzige Anteilseigner bewegt mit einer ähnlichen Mitarbeiterzahl 35 Millionen Passagiere, während Aer Lingus auf 8 Millionen kommt. Walsh ging 2004, weil er weitere Kostensenkungen und ein Management-Buyout gegen Gewerkschaften und Regierung nicht durchsetzen konnte.

Ryanair und Aer Lingus beharken sich

In der Vergangenheit waren Ryanair und Aer Lingus aneinander geraten. Der streitbare Ryanair-Chef Michael O'Leary ist Sturm gelaufen gegen den geplanten Bau eines zweiten Terminals auf dem Flughafen Dublin, das Aer Lingus zur Verfügung stehen soll. Er forderte eine neue Betreibergesellschaft anstelle der staatlichen DAA und hatte eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission angekündigt. Mit der Übernahme dürften sich alle diese Streitigkeiten erledigen.

Ryanair-Aktien gaben am Donnerstagmorgen knapp 3 Prozent nach. Die Titel von Aer Lingus legten dagegen um knapp 12 Prozent zu.

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