100 neue Filialen in Europa geplant
Bijou Brigitte expandiert in die USA

Nach acht Rekordjahren in Folge will der Hamburger Modeschmuckkonzern Bijou Brigitte auch in den USA glänzende Geschäfte machen. „Anfang 2006 werden wir mit zwei Filialen in Florida starten“, sagte Friedrich W. Werner, Gründer, Mehrheitsaktionär und Vorstandschef von Bijou Brigitte dem Handelsblatt. Wie schon in Süd- und Osteuropa werde das Unternehmen ausschließlich aus eigenen Mitteln und ohne Partner expandieren. Die amerikanische Tochter soll ihren Sitz in Delaware haben.

HB HAMBURG. Mit rund 700 Filialen und 2 000 Mitarbeitern ist Bijou Brigitte nach eigenen Angaben Marktführer in Europa. Das Handelsunternehmen vertreibt seit 1963 Modeschmuck und Accessoires, die in Asien eingekauft oder nach Entwürfen aus der Zentrale in Hamburg-Poppenbüttel von Partnern produziert werden. „Das Geschäftsmodell ist so einfach wie erfolgreich“, sagt Matthias Schrade, Analyst bei GSC Research. Das auf Nebenwerte spezialisierte Investmenthaus empfiehlt Bijou Brigitte seit 2002 durchgehend zum Kauf. Den Markteintritt in die USA traut Schrade dem Unternehmen nicht nur aufgrund der Eigenkapitalquote von 76 Prozent im Alleingang zu: „Bijou Brigitte hat schon in Süd- und Osteuropa bewiesen, dass das Geschäftsmodell übertragbar ist.“

Der Markt für Modeschmuck boomt. Denn: „Modeschmuck ist heute nicht mehr nur Ersatz für Echtschmuck, sondern als modisches Accessoire Bestandteil vieler Kleiderkollektionen“, sagt Thomas Nölle vom Bundesverband Gablonzer Industrie, dem Zentrum der deutschen Modeschmuckindustrie in Kaufbeuren. Davon profitieren vor allem Modeschmuckhändler mit breitem Angebot wie Bijou Brigitte und Claire’s Store aus Florida. In Deutschland tut sich der amerikanische Konkurrent mit 3 000 Filialen weltweit aber schwer. Drei der bisher 20 eröffneten Läden hat Claire’s seit Jahresbeginn schon wieder geschlossen. Auf das margenträchtige Geschäft mit Accessoires setzen verstärkt auch Bekleidungshersteller. Von H&M bis Escada bauen Damenmodehersteller das Angebot aus.

Weder Konkurrenz noch Konsumkrise trüben die Geschäfte bei Bijou Brigitte – ganz im Gegenteil. Im ersten Quartal steigerte das seit 1987 börsennotierte Unternehmen den Umsatz erneut um 37 Prozent, flächenbereinigt um 14 Prozent. Das Expansionstempo hat das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von zuletzt 223 Mill. Euro seit 2001 stetig verschärft. In Europa sollen im laufenden Jahr mindestens 100 neue Filialen hinzukommen. „Bijou Brigitte profitiert in Deutschland von Leerständen und niedrigen Mieten. In Südeuropa entfallen häufig die Ablösesummen“, sagt Werner.

Akquisitionen wie 1997, als Bijou Brigitte den Konkurrenten Rubin mit 40 Filialen schluckte, sind laut Werner vorerst nicht geplant. Auch andere Vertriebsformen wie Partnerschaften mit Kaufhäusern und Franchise lehnt Werner ab. Um den Warenfluss zwischen Zentrale und Filialen weiter zu verbessern, investiert er dieses und nächstes Jahr sieben Millionen Euro in den Ausbau von Lager und Logistik am Firmensitz. Für Analyst Ralf Marinoni von Equinet ist dies die richtige Strategie: „Bijou Brigitte verzettelt sich nicht, sondern baut das eigene System weiter aus.“

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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