100 Tage nach Systemstart
Wirrwarr verteuert Altgeräte-Rücknahme

Die Entsorgung gebrauchter Elektrogeräte wird für Herstellerfirmen teurer als vermutet. 100 Tage nach dem Start des deutschlandweiten Rücknahmesystems zeichnet sich ab, dass gravierende Schwächen in der Container-Logistik die Kosten teilweise explosionsartig in die Höhe treiben.

DÜSSELDORF. „Für viele Entsorgungsfirmen trägt sich das Geschäft einfach nicht“, sagt Gerd Henghuber vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE). Schon jetzt gebe es erste Gespräche zwischen Abfallunternehmen und Elektrokonzernen, in denen es um Preiserhöhungen geht. Die Zeche zu zahlen hat am Ende der Verbraucher. An ihn nämlich werden die meisten Hersteller von Fernsehern, Kühlschränken, Rasierapparaten und Computern die steigenden Kosten weiterreichen.

Seit dem 24. März ist Deutschlands Verbrauchern gesetzlich untersagt, Elektrogeräte wie Haartrockner, Handys oder Energiesparlampen in die Hausmülltonne zu werfen. Zwar erledigen seitdem die Städte und Gemeinden die Haushaltssammlung ausrangierter Altgeräte. Aber an den bundesweit 1 450 kommunalen Abfallzentren haben Sony, Philips & Co. den Schrott zu übernehmen – wozu sie häufig Dienstleister wie Remondis, Alba oder Interseroh einschalten. Transport und Entsorgung, schätzte der Branchenverband ZVEI bislang, belastet die Elektroindustrie jährlich mit Zusatzausgaben von 350 bis 500 Mill. Euro.

Tatsächlich dürften es deutlich mehr werden. Grund hierfür ist das von der Stiftung Elektro-Altgeräte-Register (EAR) gesteuerte Entsorgungssystem. Zwar nimmt es die Gerätehersteller gemäß dem Anteil in Anspruch, mit dem sie Neugeräte auf den Markt bringen. An welchen Anfallstellen ihre Dienstleister den Schrott zu entsorgen haben, entscheidet aber der Zufallsgenerator. Fatale Folge: Meist treffen sie dort auf Container, die das Mal zuvor ein Wettbewerber hinterlassen hat.

„Containerbesitzer und beauftragte Entsorger müssen bei jeder Fuhre untereinander abstimmen, was mit dem Schrott passiert“, berichtet die Bad Honnefer Abfallexpertin Beate Kummer. Um teures Umladen zu vermeiden, überlassen die beauftragten Entsorger häufig den konkurrierenden Containerbesitzern den Abtransport – und zahlen dafür kräftig drauf. „Die können uns problemlos das Messer auf die Brust setzen“, berichtet André Pohl, Geschäftsführer des Abfall-Logistikers Hellmann. Schließlich drohen den Entsorgern 10 000 Euro Bußgeld, wenn sie ihren Auftrag nicht binnen 48 Stunden ausführen.

So darf sich EAR-Geschäftsführer Hartmut Theusner zwar darüber freuen, dass 97 Prozent aller Container fristgerecht bei den Kommunen abgeholt werden. Die mit den Herstellern in Jahresverträgen vereinbarten Abfuhrgebühren decken die Kosten der Entsorger aber nur in seltenen Fällen. „Dies wird in jedem Fall zu einem Thema bei den nächsten Preisrunden“, kündigt Hellmann-Geschäftsführer Pohl an.

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