100 Tage
Neuer Bahnchef bittet um Schonfrist

Dass alles bei der Deutschen Bahn so bleibt, wie es ist, wollte Rüdiger Grube am Dienstag nicht versprechen. Doch eines sei klar, sagte der künftige Bahn-Chef bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im Berliner Verkehrsministerium: „Sie werden nicht erleben, dass ich den Konzern zerschlagen werde.“

BERLIN. Im Mai tritt Grube die Nachfolge des zurückgetretenen Hartmut Mehdorn an.

Er sei ganz sicher, dass die Bahn auch in Zukunft nur als international aufgestellter, integrierter Konzern erfolgreich zu führen sei. In diesem Punkt hätten die Gewerkschaften bei ihm offene Türen eingelaufen. Ansonsten erbitte er die auch für Politiker übliche Einarbeitungsfrist von 100 Tagen, um über mögliche Strukturänderungen in dem Konzern nachzudenken.

Den Hauptvorständen der Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA hatte der 57-Jährige bereits am Montag Rede und Antwort gestanden und dabei offensichtlich eine so gute Figur gemacht, dass die Gewerkschaftschefs Alexander Kirchner und Klaus-Dieter Hommel (GDBA) ihm volle Rückendeckung zusicherten. am Dienstag suchte er zum ersten Mal die Öffentlichkeit, um sich vor allem den von der Datenaffäre stark verunsicherten 240 000 Mitarbeitern zu empfehlen.

Es gehe darum, den durch die Affäre entstandenen Imageschaden mittels lückenloser Aufklärung zu beheben, sagte Grube. Mindestens ebenso wichtig sei es ihm, dass Vertrauensverhältnis der Mitarbeiter zur Bahnführung wiederherzustellen. „Da sind viele dabei, die fast ein ganzes Leben lang mit Herz und Engagement für die Bahn gearbeitet haben und die sich nun täglich bei Freunden und Bekannten dafür rechtfertigen müssen, was bei der Bahn schiefgelaufen ist“, sagte Grube. Er kündigte an, den Betriebsstätten der Bahn in den nächsten Wochen seinen Besuch abzustatten, um Schadensbegrenzung zu betreiben. Bis Anfang Juni will er mit der Aufklärung der Affäre fertig sein. „Ich schrecke nicht davor zurück, sofort nach Vorlage der Ergebnisse auch Konsequenzen zu ziehen.“

Auf seinen Vorgänger Mehdorn, dessen Büroleiter er in dessen Zeit als Airbus-Chef Anfang der 90er-Jahre war, ließ Grube gleichwohl nichts kommen. „Ich will Herrn Mehdorn keine Vorwürfe machen, jetzt, wo das so einfach ist.“ Er sei sich ganz sicher: „Wäre Mehdorn geblieben, hätte er die Aufklärung der Datenaffäre genau so aktiv weiterverfolgt, wie ich das jetzt tue.“ Mehdorn habe aus dem Staatsunternehmen der Bahn einen erfolgreichen Konzern gemacht. Insofern sei er für ihn „ein großes Vorbild“.

Die von der Regierung lange verfolgte Privatisierung des Konzerns steht für Grube angesichts der Wirtschaftskrise nicht auf der Tagesordnung. Er wolle sich ganz auf die Optimierung des operativen Geschäfts konzentrieren. Dabei will er den Schwerpunkt im Inland setzen, um die Bahn als preiswertes, effizientes, pünktliches, sicheres und sauberes Verkehrsmittel weiterzuentwickeln. Doch für die fernere Zukunft hält Grube an der Teilprivatisierung fest. „Die Option müssen wir uns erhalten“, betonte er.

Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) nutzte die Gelegenheit mit einer angeblichen Legende um Grubes Nominierung aufzuräumen. Nicht Kanzlerin Merkel oder Außenminister Steinmeier hätten den Namen Grubes in der entscheidenden Krisensitzung ins Spiel gebracht. Er sei es gewesen, der mit dem Lebenslauf seines Duzfreundes im Arbeitskoffer zur Sitzung angereist sei, scherzte Tiefensee. Der Bahn versprach er verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen in der Krise. Die Bahn sei mit erheblichen Bundesmitteln von zehn Mrd. Euro jährlich gut für Fortschritte gerüstet.

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