140 Nah- und Fernverkehrszüge waren komplett blockiert
Mehdorn will GDL zur Kasse bitten

Die Bahn prüft nach den erneuten Warnstreiks der Lokführer-Gewerkschaft GDL Schadenersatzforderungen. Es seien 140 Züge direkt betroffen gewesen, sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn am Dienstag in Berlin. Zur Schadenshöhe konnte er vorerst keine Angaben machen. Zugleich lehnte er Zugeständnisse an die GDL strikt ab.

HB BERLIN. Die Bahn werde alles dafür tun, weitere Störungen für die Fahrgäste zu vermeiden. Nach den gerichtlich erwirkten Einstweiligen Verfügungen gegen die GDL sollte nun genug Zeit für Verhandlungen sein, um zu einer Lösung zu kommen, sagte Mehdorn. Er halte den Streik am Morgen für „unbotmäßig“.

Bei einem Spitzengespräch an diesem Freitag werde er der GDL den am Montag mit den anderen beiden Gewerkschaften erzielten Tarifabschluss als Angebot vorlegen. Tarifvertrag lehnte Mehdorn erneut kategorisch ab. Das bevorstehende Gespräch mit dem Vorstand der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) könne ein Einstieg in Verhandlungen sein, sagte Mehdorn. Er werde das Angebot vorlegen, mit dem die beiden anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA am Montag abgeschlossen haben. „Es gibt nichts anderes“, sagte Mehdorn. Einen von der GDL geforderten separaten Tarifvertrag stehe am Freitag nicht zur Diskussion.

140 Nah- und Fernverkehrszüge sind laut Mehdorn am Morgen vollständig blockiert gewesen, S-Bahnen seien dabei nicht mitgerechnet. Betroffen waren nach diesen Angaben der Nahverkehr im Rhein-Main-Gebiet, in Berlin, München, Hannover, Stuttgart, Hamburg sowie in der Region Rhein-Neckar. Im Fernverkehr seien in Hessen einige Züge ausgefallen, außerdem in Berlin, Hannover und Hamburg. Zur Höhe der Schäden konnte Mehdorn keine Angaben machen.

Trotz richterlichen Verbots hatten die Lokführer am Dienstagmorgen gestreikt und damit erneut den Nahverkehr in den deutschen Ballungsgebieten lahm gelegt. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte die Einstweiligen Verfügungen mit der Begründung ignoriert, dass sie ihr nicht rechtzeitig zugestellt worden seien. Arbeitsrichter in Düsseldorf und Mainz hatten das Verbot der Warnstreiks damit begründet, dass der Ausstand gegen die Friedenspflicht verstoße, weil die GDL neben Entgelterhöhungen auch die Abänderung ungekündigter Tarifverträge verlange.

Der GDL-Vorsitzende Manfred Schell zeigte sich skeptisch, ob es am Freitag schon Fortschritte geben werde. Die GDL erwägt nach eigenen Angaben eine Urabstimmung zur Aufnahme eines regulären Streiks, sollte sich die Bahn nicht kompromissbereit zeigen. Zugleich will sie nach den Worten einer Sprecherin Berufung gegen die Warnstreikverbote einlegen.

Am Montag hatten die Gewerkschaften Transnet und GDBA mit dem Bahnvorstand eine Tariferhöhung von 4,5 Prozent mehr Entgelt und eine Einmalzahlung von 600 Euro bei einer Laufzeit von 19 Monaten vereinbart. Dem Kompromiss waren ebenfalls Warnstreiks vorausgegangen.

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