20 Jahre Einkaufsbahnhof
Wie Bahnhöfe um Kunden werben

Vor der Zugfahrt noch schnell etwas essen und kurz ein paar Geschenke besorgen: An Bahnhöfen kann man heute viel mehr tun, als nur auf den Zug zu warten. Das Shoppen an der Schiene bringt nicht nur den Reisenden etwas.
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LeipzigEs ist kalt. Der Zug kommt erst in zwanzig Minuten. Und weit und breit gibt es keine Chance, Lesestoff oder Snacks zu besorgen. So beginnen Zugreisen wohl nur noch an kleineren Bahnhöfen. Wahre Shoppingzentren buhlen dagegen an den großen Knotenpunkten um die fahrende Kundschaft.

Die Ära des Bahnhofsshoppings läutete einst der Leipziger Hauptbahnhof ein. Am Sonntag jährt sich sein Start als Einkaufsbahnhof zum 20. Mal. Ihm folgten viele weitere. Doch wer will eigentlich am Fuß der Gleise shoppen? Und welche Geschäfte siedeln sich hier an?

An diesem Mittag wabert Bratwurstgeruch durch die „Promenaden Hauptbahnhof“ in Leipzig. Vor der dazugehörigen Metzgerei hat sich eine Schlange gebildet. Rollkoffer machen das Überholen in den Gängen schwierig. Auf den drei Shopping-Stockwerken ist ordentlich was los. Hier gibt es Klamotten, Schreibwaren, Accessoires und: Essen, Essen, Essen.

Mit 25 Millionen Besuchern pro Jahr das meistfrequentierte Gebäude Sachsens, sagt Thomas Oehme. Er managt das Einkaufszentrum für die Betreiberfirma ECE. Viele Besucher kämen eigens zum Shoppen in den Bahnhof. Knapp jeder dritte Kunde hier sei auf Reisen.

So auch Dana Rösiger, die auf dem Weg nach Heidelberg einen Zwischenstopp in Leipzig macht und einen Smoothie kauft. „Wenn ich hier wohnen würde, würde ich hier nicht einkaufen gehen“, sagt sie. „Das Ambiente würde mir fehlen.“ Anders sieht es die 75 Jahre alte Leipzigerin Ulla Thoss. „Das was ich brauche, kriege ich hier drin.“ Sie wohne ganz nah am Bahnhof. „Ich kann's natürlich woanders billiger kriegen, aber da zahle ich dann ja das Fahrgeld.“

Die beiden Frauen stehen stellvertretend für die Hauptzielgruppen des Bahnhofsshoppings: Die Läden hier richteten sich einerseits an Fernreisende, die hauptsächlich Proviant kauften, sagt Markus Preißner vom Kölner Institut für Handelsforschung. Und dann seien da noch die Pendler und Ortsansässigen, die ihren regelmäßigen Weg durch den Bahnhof für ihre Alltagseinkäufe oder zum Shoppen nutzten.

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