20 Jahre Einkaufsbahnhof Wie Bahnhöfe um Kunden werben

Seite 2 von 2:
„Wollen kein Einkaufscenter mit Gleisanschluss sein“
Auch am Hauptbahnhof in Berlin bieten sich den Fahrgästen vielfältige Einkaufsmöglichkeiten. Quelle: dpa
Einkaufsbahnhof

Auch am Hauptbahnhof in Berlin bieten sich den Fahrgästen vielfältige Einkaufsmöglichkeiten.

(Foto: dpa)

Dass Bahnhöfe immer mehr zu Einkaufszentren werden, liegt seiner Einschätzung nach unter anderem am Online-Handel. Konsumenten seien mittlerweile an die bequeme Lieferung nach Hause gewöhnt, sagt er. Damit seien auch die Ansprüche an die Bequemlichkeit beim Shoppen gewachsen. „Der Handel geht zunehmend dahin, wo die Kunden sich bewegen.“

Vor zwölf Jahren sei das noch ganz anders gewesen, sagt Horst Mutsch, der bei der Deutschen Bahn unter anderem für die Vermietung von Bahnhöfen zuständig ist. Damals hätten namhafte Marken Bahnhöfe gemieden. „Zu dieser Zeit haben wir dann angefangen, mehr Wertigkeit in die Bahnhöfe zu bringen.“

Heute zählt die Bahn zwölf deutsche Knotenpunkte im Schienennetz als Einkaufsbahnhöfe: die zwölf meist frequentierten. Der größte in Bahn-Eigenregie sei mit 15.000 Quadratmetern und 81 Shops der Berliner Hauptbahnhof.

Mutsch betont allerdings: „Wir wollen keine Einkaufscenter mit Gleisanschluss sein.“ Das könnten die meisten Bahnhöfe gar nicht leisten – einfach weil sie viel kleiner seien als echte Shoppingzentren. Das Sortiment sei für gewöhnlich nicht so groß. Und der Anteil an Restaurants und Imbissen sei viel höher: In den Bahnhöfen liege er bei 52 Prozent. In „echten“ Einkaufszentren nur bei zwölf Prozent. Nach Bistros und Restaurants seien an Bahnhöfen Buch- und Presseläden sowie Drogerien am häufigsten.

Die Shoppingbahnhöfe bescheren der Bahn ein gutes Geschäft: Rund 400 Millionen Euro habe die Bahn im vergangenen Jahr durch Vermietung und Verpachtung von Gewerbeflächen eingenommen, sagt Mutsch.

Ein Wermutstropfen aus seiner Sicht: Leipzig – mit 30.000 Quadratmetern Verkaufsfläche etwa doppelt so groß wie der Berliner Hauptbahnhof – wird nicht von der Bahn selbst betrieben. Als der Bahnhof vor 20 Jahren fürs Shoppen umgerüstet wurde, sei das Unternehmen dazu noch nicht in der Lage gewesen, sagt Mutsch. „Das könnten wir heute selbst.“

An kleineren Bahnhöfen in der Provinz übrigens müssen Zuggäste wohl weiter auf das große Shoppen verzichten. Nur Bahnhöfe, die täglich von sehr vielen Menschen durchströmt werden, böten sich als Einkaufsbahnhöfe an, sagt Mutsch.

Das schnelle Geschäft vor der Reise
Vier Millionen Passanten täglich
1 von 10

Bahnhöfe und Flughäfen sind ideale Standorte für den Einzelhandel und die Gastronomie. Denn allein an den 23 deutschen Bahnhöfen. die mindestens 20 Mieter aus den Branchen zählen, halten sich täglich etwa vier Millionen Menschen auf. Das ist das Ergebnis des Travel-Retail-Reports des Forschungs- und Beratungsinstituts EHI. Es hat untersucht, wie sich Einzelhändler und Gastronomen an Flughäfen und Bahnhöfen aufstellen.

Hamburg ist großer Verkehrsknotenpunkt
2 von 10

Mit 450.000 Menschen verzeichnet der Hamburger Hauptbahnhof die höchste tägliche Besucherfrequenz unter den deutschen Bahnhöfen, gefolgt von den Hauptbahnhöfen Frankfurt am Main mit 370.000 und München mit etwa 350.000 Passanten. Die Gebäude sind also lukrative Standorte für Einzelhändler und Gastronomen.

Gastronomie dominiert
3 von 10

In allen untersuchten Bahnhöfen bestehen EHI zufolge insgesamt mehr als 1100 Mietverhältnisse. Fast die Hälfte sind mit Gastronomen geschlossen worden, vier von zehn mit Einzelhändlern.

Einzelhandel beansprucht große Flächen
4 von 10

Betrachtet man jedoch die Mietflächenanteile der einzelnen Branchen, dominieren laut Report in den meisten Fällen die Einzelhändler in deutschen Bahnhofsgebäuden. Im Durchschnitt belegen sie 53 Prozent der Flächen – allerdings mit breiter Streuung: Während Einzelhändler beispielsweise in Leipzig drei Viertel der Flächen gemietet haben, sind es in Karlsruhe nur etwas mehr als ein Fünftel der Ladenlokale.

Top-Mieter stammen aus dem Einzelhandel
5 von 10

Unter den Mietern mit den meisten Filialen in deutschen Bahnhofsgebäuden liegen laut Untersuchung ebenfalls die Einzelhändler vorne. An der Spitze steht die Drogeriemarktkette Rossmann mit 15 Geschäften, gefolgt von „Press & Books“ mit 14 und Mitbewerber „presse + buch“ mit 13 Filialen. Unter den Hauptmietern sind ebenfalls klassische Mieter von Shoppingcentern vertreten wie Nanu Nana oder Görtz.

17 Millionen Fluggäste pro Monat
6 von 10

17 Millionen Reisende frequentieren der Untersuchung zufolge monatlich elf deutsche Flughäfen. In die Studie miteinbezogen wurden diejenigen mit mehr als 50.000 Flugbewegungen im Jahr.

Drehkreuz Frankfurter Flughafen
7 von 10

Mit durchschnittlich mehr als fünf Millionen Passagieren im Monat ist der Frankfurter Flughafen laut Studie mit Abstand der meistbesuchte Flughafen in Deutschland. Der Münchener Flughafen verzeichnet etwa 3,5 Millionen und Düsseldorf etwa zwei Millionen Fluggäste im Monat.

  • dpa
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: 20 Jahre Einkaufsbahnhof - Wie Bahnhöfe um Kunden werben

0 Kommentare zu "20 Jahre Einkaufsbahnhof: Wie Bahnhöfe um Kunden werben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%