200 Piloten verlieren ihren Job
Lufthansa fordert von Swiss schwarze Zahlen

Der Druck der Lufthansa auf die übernommene Schweizer Fluglinie Swiss International Airlines zeigt aus Sicht der Deutschen Erfolge: Die Schweizer kündigten gestern an, die Kurzstrecken der Swiss noch in diesem Jahr von einer frisch gegründeten Tochtergesellschaft namens Swiss European Air Lines bedienen zu lassen.

ebe/oli HB FRANKFURT/ZÜRICH. Sie wird längst nicht so viele Kurzstreckenpiloten beschäftigen wie die derzeitige Swiss. Voraussichtlich verlieren 200 Piloten ihren Job. Vor zwei Jahren, als die Swiss noch selbstständig operierte war ein ähnlicher Versuch des Managements gescheitert.

„Die Swiss muss nächstes Jahr ein ausgeglichenes Betriebsergebnis ausweisen und 2007 einen positiven Beitrag zum Konzernergebnis liefern“, hatte Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber am Wochenende im Interview mit dem Schweizer „Sonntagsblick“ verlangt. Um das zu erreichen, müsse die Gesellschaft ihre Kosten um umgerechnet 200 Mill. Euro pro Jahr senken. Mit der neuen Regionalfluggesellschaft kommt sie diesem Ziel nun einen Schritt näher. Bis Sommer 2006 soll die Europaflotte der Swiss, die auf der einstigen Swissair-Regionaltochter Crossair basiert, von zuletzt 35 auf dann 24 Flugzeuge schrumpfen. Dabei werden die kleineren Maschinen vom Typ Embraer 145 außer Dienst gestellt.

Das Europageschäft der Swiss gilt als hochdefizitär, weil die Kundschaft zu günstiger operierenden Billigfliegern wie Easyjet oder Air Berlin abwandert. Die gestiegenen Preise für Treibstoff verschärfen das Kostenproblem der Swiss zusätzlich. Die Ausgliederung des Europageschäfts in eine Tochtergesellschaft gilt daher als Befreiungsschlag des Swiss-Managements unter Christoph Franz. Die Pilotenvereinigung Swiss Pilots, die stets energischen Widerstand für den Fall einer Aufspaltung angedroht hatte, reagierte gestern überraschend verhalten: Bedingung für eine Zustimmung sei, dass die Piloten ihre Einwände und Bedenken vorbringen könnten, sagte deren Präsident Christoph Frick.

Lufthansa erhöht den Druck auch deshalb, weil die Übernahme teurer zu werden droht, als es der offizielle Kaufpreis von maximal 310 Mill. Euro vermuten lässt. Ende vergangener Woche hatte Swiss bekannt gegeben, dass Vielflieger des bisherigen Swiss Travel Clubs ihre Meilen bis zum 15. November im Verhältnis eins zu eins in Meilen des Lufthansa-Programms Miles&More übertragen können. Diese kulante Regelung wird teuer für Lufthansa, weil Vielflieger der Swiss bisher leichter zu Freiflügen kamen: Die Verbindlichkeiten für ausstehende Meilen im Swiss Travel Club würden bei korrekter Bilanzierung mehrere 100 Mill. Euro betragen, sagt Ravindra Bhagwanani von der Unternehmensberatung Global Flight Management: „Dieser Betrag übersteigt bei weitem die liquiden Mittel von Swiss, womit im Rahmen der Verschmelzung beider Programme auch keine Ausgleichszahlung an Lufthansa in voller Höhe stattfinden kann.“ Die entsprechenden Kosten müssten folglich von der Lufthansa getragen werden.

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