2005 an Gewinnschwelle
Bahn kommt im Güterverkehr voran

Angaben aus Unternehmenskreisen zufolge hat die Bahn 2005 auch in ihrer zweiten Problemsparte, dem Schienen-Güterverkehr, die Gewinnschwelle erreicht. 2006 wird hier allerdings wieder ein Minus erwartet.

HB BERLIN. „Nach dem Personen-Fernverkehr ist auch die Güterbahn Railion 2005 wegen der anziehenden Konjunktur in die Nähe der Gewinnzone gefahren“, sagte ein Kenner der Konzernzahlen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Das Plus beim Betriebsergebnis nach Zinsen betrage vorläufig rund 15 Mill. Euro. Dennoch könne ein Verlust entstehen, da Railion wegen massiver Unpünktlichkeit mit hohen Strafzahlungen zu rechnen habe, hieß es an anderer Stelle bei Railion. Insgesamt seien für diese Zahlungen vorsorglich 35 Mill. Euro veranschlagt worden, auch wenn diese wohl nicht vollständig benötigt würden. Die Bahn profitiere vom Exportboom sowie von der allgemein anziehenden Konjunktur. Dennoch sieht das Unternehmen weiter massiven Sparzwang, um auf Dauer profitabel zu sein. Die Kosten sollen binnen drei Jahren um 20 Prozent gesenkt werden. Wenn dies gelinge, könnten sich zusätzliche Umsätze von mindestens 340 Mill. Euro ergeben, wie aus einem Strategiepapier hervorgeht, das Reuters vorliegt.

Nach den ursprünglichen Planungen für 2005 war bei der Güterbahn Railion unter anderem wegen massiven Preisdrucks durch Konkurrenz von Privatbahnen sowie dem Lastwagenverkehr ein Verlust von rund 170 Mill. Euro erwartet worden. Ein Sprecher der Bahn wollte die Angaben nicht kommentieren und verwies auf die Bilanzpressekonferenz im Frühjahr.

Diese Kernprobleme werden in dem Strategiepapier der Logistiksparte auch für die Zukunft erwartet, so dass 2006 wieder mit Verlust gerechnet wird. Bis 2008 würden sowohl die Gütermenge als auch die Erlöse sinken. Beim Transport von 12-Tonnen-Stückgütern unter 450 Kilometern sei die Bahn-Logistiksparte - zusammengefasst unter dem Namen Stinnes - immer teurer als die Straße. Auch die Privatbahnen gewönnen weiter Marktanteile von der Bahn, die derzeit noch fast 90 Prozent hält: „Wenn dieser Trend nicht gestoppt werden kann, ist in 2008 eine weitere Erosion des Marktanteils auf circa 77 Prozent denkbar“, heißt es in dem von Stinnes-Vorstand Hans-Jörg Hager verfassten Papier.

Die Entwicklung des Schienen-Güterverkehrs in Deutschland ist auch politisch brisant: Wegen des rapide steigenden Güterverkehrs in Deutschland - bis zum Jahr 2015 wird im Vergleich zu 1997 mit 64 Prozent gerechnet - sollen wesentliche Teile des Zuwachses über die Schiene abgewickelt werden.

Um vor allem im Binnenverkehr konkurrenzfähig zu werden, will die Deutsche Bahn die Kombination von Lastwagen ihrer Spedition Schenker und den Zügen von Railion verbessern. Dafür sei aber die Senkung der Kosten um rund 20 Prozent nötig, um wenigsten bei Distanzen ab 400 Kilometern Transporte zu gewinnen, heißt es in dem Papier.

Seit 2001 seien die Kosten bei Railion zwar schon um acht Prozent reduziert worden, wegen des Preisdrucks sei aber dennoch der gesamte Gewinn der Sparte weggebrochen. Eigentlich müssten die Preise nun um sieben Prozent angehoben werden, was aber auf dem Markt nicht durchzusetzen sei. Da Railion im Schnitt aber ohnehin rund 20 Prozent Rabatte gewähre, sei nun ein die Kostensenkung um insgesamt ein Fünftel nötig.

Daraus ergebe sich dann ein zusätzliches Umsatzpotenzial von fast sieben Mrd. Euro. Viele Verbindungen seien zwar dennoch für die Bahn nicht zu befahren, da es dort keine akzeptablen Schienen-Anschlüsse gebe. Aber selbst wenn so nur fünf Prozent mehr Transporte gewonnen würden, ergäben sich dadurch zusätzliche Erlöse von 341 Mill. Euro.

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