„2007 ist das Wechseljahr“
Billigstrom lockt endlich Kunden

Die steigenden Energiepreise treiben den neuen Billiganbietern massenhaft Kunden zu. Unternehmen wie Yello, E-wie-einfach oder Nuon melden rasant wachsende Zahlen. Vor allem in den vergangenen Wochen konnten die Anbieter deutliche Zuwächse verbuchen – wegen der angekündigten Preiserhöhungen der etablierten Versorger.

DÜSSELDORF. Vom Start weg erfolgreich ist Eon mit seiner neuen Billigtochter E-wie-einfach. Das Unternehmen, das erst im Februar an den Markt gegangen ist, hat inzwischen schon rund 400 000 Kunden gewonnen, wie es in Konzernkreisen heißt. Damit hat die Eon-Tochter seit Oktober, als mit 250 000 zum letzten Mal eine offizielle Zahl genannt wurde, einen zusätzlichen Schub verzeichnet – also nach den angekündigten Preiserhöhungen der traditionellen Versorger.

„Wir sind mit der Entwicklung von E-wie-einfach zufrieden“, sagt Geschäftsführerin Marie-Luise Wolff. Das Jahresziel – die Marke von 100 000 zu überspringen – habe man bereits im Spätsommer erreicht. Den aktuellen Stand will das Unternehmen aber nicht bestätigen. In den vergangenen Wochen warb E-wie-einfach erstmals im Einzelhandel, bot in Filialen von Lidl und Kaufland Starterpakete an. Diese gingen in einer fünfstelligen Stückzahl über den Ladentisch.

„2007 ist das Wechseljahr“, sagt Thomas Mecke, Deutschland-Chef des niederländischen Versorgers Nuon. Nach einer großen Welle Mitte des Jahres habe sich die Zahl der Kunden, die Nuon monatlich neu hinzugewinne, „bei deutlich über 10 000 stabilisiert“. Das Unternehmen ist schon länger in Hamburg und Berlin aktiv und hat jüngst den Vertrieb in Nordrhein-Westfalen und Leipzig gestartet. Selbst Marktführer Yello wuchs trotz der neuen Konkurrenz weiter. Die Tochter von Energie Baden-Württemberg (EnBW), die lange Jahre der einzige nennenswerte bundesweite Anbieter war, erhöhte die Anzahl der Kunden 2007 um 160 000 auf über 1,3 Millionen.

Die besten Argumente für die Billiganbieter liefern die etablierten Versorger selbst. Nach Angaben des Verbraucherportals Verivox werden zum ersten Januar fast 320 Versorger ihren Strom- und 250 ihren Gaspreis erhöhen. Im Schnitt steigt die Stromrechnung um 6,1 Prozent, in Einzelfällen sogar um 25 Prozent. Bei Gas liegen die Erhöhungen im Schnitt bei 5,8 Prozent. Die öffentlichen Debatten um die Preiserhöhungen – insbesondere der großen Konzerne wie Eon oder RWE – haben die Wechselbereitschaft deutlich erhöht.

Neben den steigenden Kosten spielt das wachsende Umweltbewusstsein eine Rolle. „Die Klimadiskussion hilft uns. Die Preiserhöhungen der etablierten Versorger geben den Kunden dann häufig den letzten Anstoß“, sagt ein Sprecher des Ökostromanbieters Lichtblick. Das Unternehmen baute in diesem Jahr die Kundenzahl von 220 000 auf knapp 400 000 aus. Speziell in der zweiten Jahreshälfte hatte es großen Zulauf, nachdem Pannen in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel die Kernkraft in Misskredit gebracht hatten.

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