40 bis 50 Millionen Euro sind für Einstieg notwendig
Investoren haben Aero Lloyd im Visier

Laut Aero Lloyd-Insolvenzverwalter Gerhard Walter wollen mehrere Investoren bei der insolventen Ferienfluggesellschaft Aero Lloyd einsteigen. Allerdings dürften die Kapazitäten dann deutlich reduziert werden.

HB HANNOVER/MÜNCHEN. Es handele sich um Interessenten sowohl aus Deutschland als auch aus dem Ausland. Eine Entscheidung solle bis Mitte nächster Woche fallen. Zuvor will Walter nach eigenen Worten versuchen, noch in dieser Woche eine oder zwei Maschinen wieder in Betrieb zu nehmen. Dafür müsse die Bayerische Landesbank (BayernLB) Finanzmittel in Höhe weniger Millionen Euro bewilligen.

Der Hintergrunddienst „Czerwensky intern“ spekuliert in seiner Mittwochausgabe, die Lufthansa und ihre 50-prozentige Tochter Thomas Cook könnten Interesse am Geschäft der Aero Lloyd Flugreisen GmbH & Co Luftverkehrs KG, Oberursel, haben. So habe Wolfgang Mayrhuber, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Lufthansa AG, Köln/Frankfurt, offenbar weniger Bedenken gegen Billigfluglinien als sein Vorgänger Jürgen Weber.

Die kleineren Maschinen der insolventen Fluglinie passen laut „Czerwensky intern“ zudem wegen ihrer leichteren Auslastbarkeit ins Portfolio der Thomas Cook AG, Oberursel. Es sei auffällig, dass der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Landesbank, Werner Schmid, auch im Aufsichtsrat der Lufthansa sitze. Das Bayerische Kreditinstitut hatte mit der Kündigung von Kreditlinien den Insolvenzantrag der Aero Lloyd ausgelöst.

Der künftige Investor müsse „40 bis 50 Millionen Euro aufbringen“, um Aero Lloyd am Leben zu erhalten, sagte Walter. Dabei geht der Insolvenzverwalter aber davon aus, dass Aero Lloyd zunächst nur in wesentlich kleinerem Umfang als bisher fortgeführt werden könne und nannte eine Größenordnung von „sechs bis zwölf Flugzeugen“. Derzeit verfügt die Fluglinie über 21 Maschinen.

„Ein neuer Betreiber wird anfangs sicherlich nur einen eingeschränkten Betrieb starten können, mit dem Ziel sich dann natürlich wieder zu vergrößern“, sagte Walter. Gleichwohl werde für den Fall, dass nicht alle der 1 400 Beschäftigen übernommen werden könnten, über eine soziale Absicherung gesprochen. „Aber im Moment sind noch alle Mitarbeiter an Bord“, sagte Walter. Für den Einstieg eines neuen Investors bemühe man sich auch um finanzielle Unterstützung sowohl bei der BayernLB als auch im Rahmen öffentlicher Hilfen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2 - BayernLB will am Mittwoch über neue Finanzmittel entscheiden

Kurzfristig geht es nach den Worten von Walter darum, bis Mittwoch abend von der BayernLB als bisherigem Hauptanteilseigner (66 Prozent) Finanzmittel zur kurzfristigen Inbetriebnahme einiger wenige Flugzeuge zu bekommen. Dabei gehe es nur um „einige Millionen Euro“, sagte Walter. Der BayernLB würden am Mittwoch genaue Zahlen über Aufwand und Ertrag für den Start von „ein, zwei Maschinen“ gemacht. „Wir haben noch keine Einigung hierüber erzielt, aber wir haben sehr detailliert und konstruktiv gesprochen“, sagte Walter, der am Montag mit der Landesbank konferiert hatte. Es sei vereinbart, dass die BayernLB am Mittwoch anhand der vorgelegten Daten über die Finanzmittel entscheide.

Zu den Angaben des BayernLB-Sprechers, es seien ihm keine weiteren Gesprächstermine bekannt, sagte der Insolvenzverwalter, er gehe davon aus, dass der Sprecher nicht über alle Details in dieser Angelegenheit informiert sei. Walter zeigte sich weiterhin zuversichtlich, die Finanzmittel zu bekommen. „Eine Wiederinbetriebnahme hätte natürlich Signalwirkung auch im Hinblick auf neue Investoren, auch auf die Belegschaft“, sagte er. Rund 1000 Mitarbeiter hatten am Montag vor der Zentrale der BayernLB protestiert.

Die BayernLB, die 66 Prozent an Aero Lloyd hält, hatte der Fluglinie in der vergangenen Woche einen Sanierungsplan scheitern lassen, der Überbrückungskredite 23 Millionen Euro vorsah. Daraufhin hatte Aero Lloyd den Flugbetrieb eingestellt und Insolvenz beantragt. Die Airline ist nach Angaben aus Unternehmenskreisen mit 100 Millionen Euro verschuldet.

Die halbstaatliche BayernLB bestreitet nach Darstellung des Aero Lloyd-Betriebsrates, eine bis Ende 2004 geltende Bestands- und Arbeitsplatzgarantie für Aero Lloyd gegeben zu haben. Auch Berichten, sie könne im Weg der so genannten „Durchgriffshaftung“ von deutlich höheren Belastungen aus der Aero-Lloyd-Insolvenz getroffen werden als zunächst angegeben, widerspricht die Bank. Sie sieht ihr Risiko nach früheren Angaben bei „deutlich weniger“ als 250 Millionen Euro.

Die großen Touristikunternehmen wie Tui und Thomas Cook haben nach eigenen Angaben bislang für die Wintersaison ihre bei Aero Lloyd georderten Kapazitäten noch nicht vollends anderweitig vergeben. „Wir haben uns mit zwei Maschinen der spanischen Airline Futura Kapazitäten für einige Wochen gesichert und können diese aber bei Bedarf verlängern“, sagte ein Tui-Sprecher.

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