90 Mill. Euro fehlen
Belohnung fürs Finden der Heros-Millionen

Der Betrugsfall beim ehemals größten deutschen Geldtransporteur Heros ist trotz Schuldsprüchen für die Manager noch lange nicht abgeschlossen. 90 Millionen Euro fehlen. Der Insolvenzverwalter geht nun einen ungewöhnlichen Weg, um an das verschwundene Geld zu kommen – er lobt eine Belohnung aus, die ihresgleichen sucht.

HB FRANKFURT/HANNOVER. Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass das Geld auch im Ausland versteckt worden sei, teilte am Montag die Frankfurter Rechtsanwaltskanzlei Görling mit, die mit dem Auffinden des Geldes beauftragt wurde. Die öffentlich ausgelobte Belohnung beläuft sich auf bis zu 18 Mill. Euro. „Wir gehen davon aus, dass diese Gelder im Wesentlichen als Bargeld veruntreut worden sind“, ergänzte Insolvenzverwalter Manuel Sack.

Wegen des Millionenbetruges waren Ex-Heros-Chef Karl-Heinz Weis und drei weitere Manager Ende Mai zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Seit Anfang der 90-er Jahre waren Supermärkte und Banken systematisch um eingezahlte Gelder betrogen worden, um Löcher in den Heros-Bilanzen zu stopfen und sich zu bereichern. Die Täter zweigten Geld aus dem Unternehmen ab und erwarben damit Grundstücke, investierten in Firmen und bauten Hotels. Den Gesamtschaden beziffert Insolvenzveralter Sack auf knapp über 400 Mill. Euro. Der Schwindel war im Februar 2006 aufgeflogen. Daraufhin musste Heros Insolvenz anmelden.

„Wir gehen davon aus, dass wir die nächsten zehn Jahre noch mit der Abwicklung der Heros-Insolvenz beschäftigt sein werden“, sagte Sack und betonte: „So lange es wirtschaftlich sinnvoll ist, wird auch die Suche nach den Millionen weitergehen.“ Die Ermittler vermuten, dass es bei den vermissten 90 Millionen um viele kleinere Beträge geht, was die Suche erschwert.

Jedermann kann sich Belohnung sichern

Die Belohnung richtet sich an jedermann, um einen möglichst großen Kreis von Mitwissern anzusprechen. Ein Ombudsmann nimmt Hinweise telefonisch entgegen (0 69 / 25 78 07 90) und garantiert Anonymität. „Wir gehen davon aus, dass es viele Leute gibt, die reden wollen, dies aber erst tun, wenn sie nichts mehr zu befürchten haben“, sagte Ombudsmann Wolfgang Gerhards. Es gebe Anhaltspunkte, dass Gelder in Deutschland, Bulgarien, Österreich, der Schweiz, der Slowakei und in Spanien versteckt seien.

Gerhards war ehemals Justizminister in Nordrhein-Westfalen und Finanzminister in Sachsen-Anhalt und koordiniert heute in der auf Wirtschaftskriminalität spezialisierten Kanzlei Görling die Ermittlungen im Fall Heros. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit besitzen viele der Täter heute noch Teile der Beute“, sagte der SPD-Politiker.

Heros gehört inzwischen dem US-Finanzinvestor Matlin Patterson, der die Geldtransportfirma unter dem Namen Securlog weiterführt. Allerdings verloren hunderte Mitarbeiter ihren Job.

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