AB Inbev und SAB Miller
Verkauf von Grolsch und Peroni soll EU milde stimmen

Gelingt der Deal, kommt jedes dritte Bier weltweit aus einem Unternehmen: Anheuser-Busch InBev. Um Bedenken der Wettbewerbsbehörden auszuräumen, verzichtet der Bier-Riese auf das Geschäft in Italien und Belgien.

BrüsselIm Zuge der rund 100 Milliarden Euro schweren Übernahme des Rivalen SAB Miller will der weltgrößte Brauer Anheuser-Busch Inbev auch auf Geschäfte in Europa verzichten. Der Konzern suche nach Käufern für die SAB-Miller-Marken Grolsch aus den Niederlanden und Peroni aus Italien, teilte AB Inbev am Donnerstag mit. Experten taxieren den Preis für beide auf jeweils rund eine Milliarde Dollar. Auch vom britischen Brauer Meantime Brewing Company will sich der multinationale Bierriese mit Sitz in Belgien trennen. Ziel ist es, sich die Genehmigung der europäischen Wettbewerbshüter für die viertgrößte Fusion aller Zeiten zu sichern.

Sollte der Zusammenschluss des Herstellers von Bieren wie „Beck’s“, „Budweiser“, „Stella Artois“ und „Corona“ mit der Nummer zwei der Branche über die Bühne gehen, würde nahezu jedes dritte Bier weltweit aus einem Hause kommen. Konkurrenten wie Heineken und Carlsberg wären klar abgeschlagen.

Um die Wettbewerbsbehörden zu überzeugen, hatte AB Inbev bereits einen großen Teil des US-Geschäfts abgestoßen. SAB Millers 58-Prozent-Beteiligung an Miller Coors ging für 11,2 Milliarden Euro an den bisherigen US-Partner der Briten, Molson Coors. Wie bereits dieser Verkauf, so seien auch die jüngsten Schritte dazu gedacht, die Bedenken der Behörden aus dem Weg zu räumen, erklärte AB Inbev. Der fusionierte Konzern käme in Italien auf einen Marktanteil von 28,3 Prozent, in den Niederlanden auf 27,9 Prozent und in Großbritannien auf 21,8 Prozent, wie Daten der Marktexperten von Plato Logic zeigen. Heineken bliebe jedoch in allen drei Märkten Primus.

AB Inbev beschäftigt rund 155.000 Mitarbeiter in 25 Ländern. In den USA, Brasilien und Mexiko – drei der vier Märkte, die den meisten Gewinn abwerfen – ist der Konzern bereits Nummer Eins. Daneben zählt er Kanada, Argentinien, Belgien, Deutschland, Großbritannien, China und Südkorea zu seinen Top-Märkten. Mit SAB Miller kann sich AB Inbev weitere lateinamerikanische Märkte wie Kolumbien erschließen und erhält Zugang zu Afrika mit seiner wachsenden Mittelschicht. Gerade dort sehen die Großkonzerne erhebliche Chancen, denn auf ihren traditionellen Heimatmärkten trinken die Kunden zunehmend Biere kleinerer Anbieter. SAB Miller ist bereits in 16 afrikanischen Ländern vertreten.

Mit dem Verkauf von Miller Coors dürften sich zumindest die US-Wettbewerbsaufseher zufrieden geben. Experten schließen aber nicht aus, dass der fusionierte Konzern womöglich noch SAB Millers 49-Prozent-Anteil an Chinas größtem Brauer CR Snow abstoßen muss, um auch dort grünes Licht für den Zusammenschluss zu bekommen. AB Inbev ist in China mit einem 14-prozentigen Marktanteil bereits stark vertreten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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