AB Inbev will SAB Miller schlucken
Beste Sauf-Kumpane

AB Inbev und SAB Miller ergänzen sich in den wichtigen Wachstumsregionen perfekt. Dafür könnten sie eine renommierte US-Marke und sogar die größte Biermarke der Welt opfern, meinen Analysten.

HamburgSeit Jahren spekuliert die Branche über ein Kaufinteresse von AB Inbev mit seinem aggressiven Anteilseigner, dem US-Finanzinvestor 3G, am Branchenzweiten SAB Miller. Jetzt hat SAB Miller mitgeteilt, eine Interessensbekundung vom Weltmarktführer erhalten zu haben. Weitere Details seien nicht bekannt – und offen, ob der Deal wirklich verbindlich wird.

Doch warum kommt es jetzt zu dem erstarkten Interesse? UBS-Analyst Jason DeRise sah in der Kursentwicklung seit Jahresbeginn, warum die bereits länger erwartete Interessensbekundung gerade jetzt kommt: Die Aktien von SAB Miller haben sich seitdem acht Prozent schlechter entwickelt als diejenigen des größeren Rivalen. Der Deal wäre für AB Inbev jetzt also relativ günstig. „Wir meinen weiterhin, dass das Management von AB Inbev seine starke Free-Cash-Generation im besten Interesse der Aktionäre einsetzen und Werte schaffen wird“, erklärte der Analyst.

Carlsberg und Heineken wären aus seiner Sicht schlechtere Partner gewesen als SAB Miller: Das geografische Profil überschneidet sich zu stark, die Gründerfamilien halten wesentliche Anteile. AB Inbev und SAB Miller kombiniert könnten hingegen innerhalb von drei Jahren eine Milliarde Dollar Synergien realisieren, meint der Analyst. Allein 500 Millionen Dollar könnten in Lateinamerika gespart werden, wo sich die Braukonzerne nach Ländern fast ideal ergänzen.

Doch kommt der Zusammenschluss wirklich zustande? Eine entscheidende Rolle bei dem Deal könnte der Tabak-Konzern Altria spielen. Seitdem er 2002 seine Brauerei Miller an South African Breweries (SAB) verkauft hat, hält er 27 Prozent an SAB Miller. „Altria hat eine geringe Kostenbelastung aus seinen SAB-Miller-Anteilen, daher würden steuerliche Implikationen für Altria eine entscheidende Rolle in möglichen Gesprächen über den Verkauf des Unternehmens an einen Erwerber spielen”, meinte Morningstar-Analyst Philip Gorham. Steuersparende Konstruktionen können etwa Gemeinschaftsunternehmen sein, an denen der Verkäufer beteiligt bleibt.

3G, maßgeblicher Investor von AB Inbev, hat mit solchen Konstruktionen Erfahrung. Allerdings mutet sich der Finanzinvestor einiges zu: Erst im Frühjahr kündigte er an, den Lebensmittelkonzern Kraft mit dem Ketchup-Produzenten Heinz zu verschmelzen – ebenfalls ein Mega-Deal.
Weiteren Einfluss auf die Gestalt des möglichen neuen Konzerns dürften die Kartellbehörden nehmen. Schließlich hat allein SAB Miller einen Weltmarktanteil von zehn Prozent. In China etwa gehört SAB Miller die weltgrößte Biermarke, Snow, mit 107 Millionen Hektolitern. Allerdings gelten die chinesischen AB-Inbev-Marken als attraktiver, da sie – anders als die Massenmarke Snow – im Premiumsegment angesiedelt sind. Hier müsste sich der neue Konzern wohl entscheiden, auf welches Segment er verzichten möchte.

Denn: In China hält SAB 23 Prozent am Markt, ist allerdings – wie in dem Land üblich – knapp kleinerer Partner in einem Gemeinschaftsunternehmen mit einem Staatskonzern. AB Inbev hat nur 14,1 Prozent am Gesamtmarkt, aber 45 Prozent am attraktiven Premium-Segment.
Auch in den USA gibt es große Überschneidungen. Dort kommt AB Inbev auf 47 Prozent Marktanteil, der potenzielle Partner auf immerhin 28 Prozent. Daher könnte SAB Miller gezwungen sein, seinen 58-prozentigen Anteil an der US-Tochter Miller Coors zu verkaufen, womöglich an den Partner Molson Coors.

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