Abercrombie & Fitch
Aus der Form gegangen

Jung, schlank, hübsch: Abercrombie & Fitch verspricht Coolness – sofern die Kunden dem Schönheitsideal entsprechen. So machte der Firmenchef Jeffries die Kleidermarke groß. Doch derzeit zwickt es an mehreren Stellen.
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New YorkEs macht schlank, wirkt elegant und lässt sich gut kombinieren – Schwarz gehört seit jeher zu den beliebtesten Modefarben. Nur Mike Jeffries mag es offenbar nicht: Der Chef der Modekette Abercrombie & Fitch, so berichteten Anfang der Woche aufgeregt einige US-Medien, habe die Farbe in seinen Läden verboten. Das gilt demnach sowohl für die Produkte als auch für die Mitarbeiter. Wer in schwarz zur Arbeit kommt, hat ein Problem.

Nun hätte ein solcher Bann bei anderen Modefirmen wohl keine Schlagzeilen gemacht. Bei Abercrombie aber scheint die Nachricht ins Bild zu passen: Der exzentrische Firmenchef Jeffries ist bekannt dafür, penibel auf das Marken-Image zu achten. Die Hosen, T-Shirts und Hemden mit dem charakteristischen Elch sind nur für junge, schlanke, schöne und gutgelaunte Menschen gedacht. Wie die Waschbrettbäuche, die an den Türen der Filialen stehen oder als übergroße Poster an den Wänden hängen. Wer anders ist, der kann ja woanders einkaufen gehen.

Mit diesem Image, verbunden mit künstlicher Verknappung, hat der 68-Jährige die einstige Klitsche Abercrombie & Fitch zu einer der begehrtesten Modemarken gemacht, mit mehr als 1000 Filialen weltweit, darunter drei in Deutschland. Wer Abercrombie kauft, so das Versprechen, ist so cool wie die coolsten College-Kids. Doch 16 Jahre nach Jeffries` Antritt zwickt es bei dem US-Unternehmen an mehreren Stellen. Kunden halten sich zurück, Aktionäre murren, die Öffentlichkeit protestiert, die Medien spotten – es ist kein gutes Jahr für die Kultmarke.

New York, Fifth Avenue, an einem beliebigen Nachmittag: An der Ecke 56. Straße bildet sich vor dem Flagship Store von Abercrombie eine Schlange. Die Menschen, vor allem Touristen, warten geduldig, um einen Blick in den abgedunkelten, von lauter Musik bedröhnten Laden werfen zu können. Die penetrante Parfümwolke aus dem Verkaufsraum riecht man noch einen Straßenblock weiter.

Während es an der Fifth Avenue in Manhattan glitzert, ist der Marke in Deutschland soeben ein nach der eigenen Logik schwerer Image-Unfall passiert: Ende Juni tauchten im Wochenprospekt der Supermarktkette Real T-Shirts von Abercombie und Hollister auf, zum Schnäppchenpreis ab 9,99 Euro. Wie Real an die Ware kam, wollte ein Sprecher nicht verraten. Nur, dass es sich um geprüfte Original-Produkte handle und weitere Aktionen geplant seien. Abercrombie hat auf eine entsprechende Anfrage noch nicht geantwortet.

Der Real-Fall dürfte eine seltene Ausnahme sein, denn die Amerikaner achten sonst streng darauf, dass Produkte nur in den eigenen Läden und im Online-Shop verkauft werden. Und doch ist es Bild mit Symbolwert: Abercrombie, die coole Kultmarke, endet sie irgendwann auf dem Wühltisch?

Kommentare zu " Abercrombie & Fitch: Aus der Form gegangen"

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  • Kann die Aufregung auch nicht nachvollziehen. Zumal sich das Thema Jeffries sowieso ziemlich schnell erledigen sollte, wenn sich zum einen die Firmeninhaber auch in das Management nur Angestellte holen, die den eigenen Ansprüchen (jung, attraktiv, austrainiert..) entsprechen oder sich das Management an seine eigene Maßstäbe an Mitarbeiter hielte.

  • "Womit lässt sich denn ein steroider Oberkörper kombinieren?"
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    Auch wenn man den Laden nicht mag, das ist jetzt doch etwas sehr weit hergeholt. Bei dieser Figur sehe ich Steroide nun überhaupt nicht. Der Mann wirkt fit und durchtrainiert, aber von Muskelmasse kann keine Rede sein. Selbst ich hatte zu meinen aktiven Bodybuildingzeiten wesentlich mehr drauf (meine "Mittelchen" waren z.B. Magermark, der bekanntlich groß und stark macht (reimt sich sogar :-) )), wirkte aber bei weitem nicht so fit, weil ich vom Runterhungern der schützenden, subkutanen Fettschicht nichts halte. Fit sein kann man auch ohne Adonisfigur.
    Im übrigen, was soll die insgesamt doch etwas hämische, neidische(?) Diskussion? Der Laden bedient nun mal eine bestimmte Zielgruppe, was völlig legitim ist, weil man sein Geschäft ganz einfach in eine bestimmte Zielrichtung aufbaut (Mache ich auch, wenn auch in einer völlig anderen Branche). Wer nicht will, muß da ja nichts kaufen. Ich tu's auch nicht, nicht, weil ich den Laden als solchen ablehne, sondern schlicht, weil ich ein Modemuffel bin und nur zweckmäßiges trage.
    Was das Ansprechen der Leute auf englisch angeht, na ja, das grenzt für mich an a bisserl abgehoben und auch wenig sinnvoll, denn Kaufkraft und Sprachkenntnisse gehen ja nicht zwingend zusammen. Aber auch das ist eine Sache der Geschäftsleitung, die die Auswirkungen auf den Umsatz schließlich verantworten muß.
    Alles in allem sehe ich nichts, was irgendeiner Aufregung wert wäre.

  • Das Handelsblatt, die BILD für die Möchtegern-Wirtschaftler...

    Pfui Teifel!

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