Abercrombie & Fitch-Chef geht
Abschied eines Provokateurs

Mike Jeffries hat aus Abercrombie einst ein hippes Modelabel gemacht. Doch in den vergangenen Jahren hat der Unternehmenschef seinen Glanz verloren. Nun tritt der einstige Provokateur mit sofortiger Wirkung zurück.
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DüsseldorfEine Ära geht zu Ende: Mike Jeffries verlässt mit sofortiger Wirkung den Moderiesen Abercrombie & Fitch. Das gab das Unternehmen am Dienstag bekannt. Der Konzernchef wird damit nicht nur seinen Posten als CEO, sondern auch als Aufsichtsratsmitglied aufgeben, hieß es in einer Mitteilung. Eine Firma soll nun nach einem Nachfolger suchen und sowohl interne als auch externe Kandidaten vorschlagen. Die Anleger reagierten erfreut auf den Chefwechsel.

Der Rücktritt ist scheinbar Jeffries eigener Wunsch. „Ich glaube, jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine neue Führung, das Unternehmen in die nächste Entwicklungsphase zu bringen“, sagte Jeffries laut der Mitteilung.

Mit dem Abschied von Jeffries endet eine Epoche. Als der für seine markigen Sprüche bekannte Manager 1992 an die Spitze von Abercrombie & Fitch rückte, übernahm er ein kaum bekanntes Unternehmen. Während seiner Amtszeit machte er aus dem Unternehmen eine der bekanntesten und beliebtesten Teenie-Marken in den USA.

Doch in den vergangenen Jahren und Monaten kämpfte Abercrombie zunehmend mit Umsatzrückgängen. Besonders bei der jungen Zielgruppe verlor das Modelabel, zu dem auch die Kette Hollister gehört, zunehmend an Relevanz. Sowohl die Verkaufszahlen als auch der Gewinn gingen deutlich zurück. Schon im Januar musste der 70-jährige Jeffries deshalb seinen Posten als Chairman aufgeben. Statt seiner wurden vier neue unabhängige Generaldirektoren ernannt. Als Grund für die Umstrukturierung gilt auch der Investor Engaged Capital, der einen Wechsel im Unternehmen verlangte.

Im Rahmen der Umstrukturierung soll vorerst nun das bisherige Aufsichtsratsmitglied Arthur Martinez an die Spitze des Kontrollgremiums rücken.

An der Börse feierten die Anleger den Chefwechsel. Nach dem Bekanntwerden von Jeffries Abschied stieg der Aktienkurs im frühen Handel um fast zehn Prozent. Vor diesem Anstieg hatten die Abercrombie-Papiere im Gesamtjahr fast ein Fünftel ihres Werts verloren.

Jeffries galt als Provokateur, der immer gut für ein kontroverses Zitat war. Er sagte einst, dass Abercrombie nur gutaussehende Menschen in seinen Geschäften beschäftige, da diese weitere gutaussehende Menschen anlockten und man nur Geschäfte mit „coolen, gutaussehenden Menschen“ machen wolle. Eine Modelinie von Stringtangas für Zehnjährige verteidigte er mal mit den Worten, er verstehe die Aufregung nicht – er fände diese Unterwäschen einfach „süß“ für kleine Mädchen.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

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