Abgabe der Kontrollmehrheit
Italien wirft Alitalia auf den Markt

Die staatlich kontrollierte italienische Fluglinie Alitalia verbrennt täglich Geld. Um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen, vertraut die Regierung in Rom eher der Privatwirtschaft als sich selbst. Deshalb will sie ihre Kontrollmehrheit abgeben – per Auktion. Es kursieren auch schon Namen möglicher Bieter.

HB ROM. Das Bieterverfahren sei für alle offen, erklärte die Regierung in Rom am Freitag. Dies schließe auch Air France-KLM mit ein. Die französisch-niederländische Fluglinie hatte vor kurzem Gespräche über einen Zusammenschluss mit Alitalia begonnen. In einer Mitteilung des Kabinetts von Premierminister Romano Prodi hieß es, die Gesellschaft brauche neue „industrielle und finanzielle“ Aktionäre für eine Wiederbelebung.

Der italienische Staat hält derzeit 49,9 Prozent an der Fluggesellschaft. In der Mitteilung merkte die Regierung an, dass nach den gegenwärtigen Vorschriften, die im vergangenen Jahr mit der Kapitalerhöhung der Alitalia veröffentlicht worden waren, die Regierung ihren Anteil bis auf 30 Prozentsenken dürfe. Der italienische Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio sagte allerdings, die Regierung habe vor, mindestens 25 Prozent an der Airline zu behalten.

Die vor 60 Jahren gegründete Alitalia zählt mit jährlich 24 Mill. Passagieren und rund 180 Maschinen zu den 10 größten Fluggesellschaften in Europa, schreibt aber seit langem Verluste. Alleine in diesem Jahr wird das Minus nach Schätzung des Unternehmens bei 220 Mill. Euro liegen. Aufgrund der schlechten Lage war in den vergangenen Monaten sogar über eine Pleite spekuliert worden.

Am Freitag hatte die italienische Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“ berichtet, dass einheimische Banken und Finanziers an einer Rekapitalisierung der Fluggesellschaft arbeiteten. Weil die Aktien am frühen Nachmittag kurz vor der offiziellen Ankündigung um mehr als 10 Prozent zulegten, wurden sie vom Handel ausgesetzt.

Alitalia sucht Anschluss

Der Alitalia-CEO Giancarlo Cimoli hatte Mittwoch gesagt, Alitalia müsse in eine große internationale Gruppe eingebunden werden, um überleben zu können. Eine mögliche Fusion mit Air France-KLM bezeichnete die Regierung jedoch als nicht optimal. Die Regierung prüfe die Beteiligung eines italienischen Unternehmens an Alitalia, so dass sichergestellt sei, dass die Airline in heimischen Händen bleibe, hatte die Gewerkschaft daraufhin berichtet. Eine ausländische Airline solle dann die restlichen Alitalia-Aktien kaufen.

Neben Air France-KLM kursierten in Italien auch die Vorstellungen, die Deutsche Lufthansa, Thai Airways, Air China oder Emirates Airline könnten sich beteiligen.

Eine Lufthansa-Sprecherin erklärte, der deutsche Konzern bleibe grundsätzlich offen für weitere Übernahmen, habe aber zu diesem Zeitpunkt keine konkreten Pläne. Branchenexperten halten eine Annäherung von Lufthansa an die spanische Iberia für eher wahrscheinlich. Iberia hatte am Donnerstag erklärt, das Unternehmen wolle seine Allianz mit British Airways lösen und eher Anschluss an Lufthansa oder Air France-KLM suchen.

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