Abkehr von Print?: Aldi Süd setzt massiv auf Online-Werbung

Abkehr von Print?
Aldi Süd setzt massiv auf Online-Werbung

Ebay, Gmx.de, Web.de: Der Discounter Aldi Süd krempelt seine bisherige Werbestrategie um und wirbt mit massiven Kampagnen im Internet. Auch in Social Media wird investiert. Ist das die Print-Abkehr?
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DüsseldorfDiese Aktion dürfte bei Deutschlands Zeitungsverlagen für lange Gesichter sorgen: Der Handelsriese Aldi Süd, der über Jahrzehnte ausschließlich in Tageszeitungen für seine Produkte warb, ist offensichtlich dabei, seine bisherige Werbestrategie auf den Prüfstand zu stellen. Nach Informationen des Branchenmagazins „Horizont“ bewirbt das Unternehmen seine Tagesangebote seit Mitte März mit einer massiven Kampagne auf reichweitenstarken Websites wie eBay, Gmx.de und Web.de.

Die Märkte der Testkampagne für die Online-Werbung sind Baden-Württemberg und Bayern. Über beteiligte Kreativ- und Mediaagenturen und die Höhe des geschalteten Mediavolumens möchte Aldi Süd keine Auskunft geben.

Aber auch abseits bezahlter Online-Werbung ist der Discounter derzeit stärker im Netz aktiv, heißt es bei „Horizont“. So hat Aldi Süd gerade erst seine hauseigene Website auf Vordermann gebracht und betreibt seit Anfang des Jahres eine eigene Facebook-Seite, wo inzwischen mehr als 11.000 Fans erreicht werden. Rivale Lidl kann darüber wohl nur schmunzeln. Das Unternehmen hat bei Facebook mehr als 1,5 Millionen Fans und ist dort schon seit 2010 aktiv.

Schon vor zwei Jahren deutete sich die Abkehr von der klassischen Printwerbung an, als es bei Aldi hieß: Weg mit dem „Schweinebauch“. So wurden die so genannten Schweinebauchanzeigen für klassische Lebensmittel in nordrhein-westfälischen Tageszeitungen verstärkt durch Handzettel ersetzt. Auch damals sprach man zunächst nur von einem Test, doch die Verlagsmanager waren alarmiert. Die Befürchtung der Verleger: Wechselt Aldi den Werbekanal, könnten andere Händler wie Media Markt oder Saturn nachziehen.

Statt auf die Handzettel geht es jetzt also schnurstracks ins Internet. Schließlich will Aldi rund 80 Prozent der Haushalte mit Werbung erreichen. Tageszeitungen lagen da bislang bei maximal 60 Prozent – Tendenz fallend.

Für das Anzeigengeschäft der meisten Regionalzeitungen ist Aldi immer extrem wichtig gewesen. 2011 rangierte der Discounter nach Daten des Marktforschers Nielsen auf Platz vier unter den größten Werbetreibenden in Deutschland; nach dem US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble (Pampers, Gillette), den Elektronikhändlern Media Markt und Saturn sowie dem Schoko-Imperium Ferrero. Da Aldi in den vergangenen Jahren fast ausschließlich auf Printwerbung setzte und keine Fernsehspots schaltete, ist die Bedeutung des Discounters für die Zeitungen noch größer. Zumal Aldi immer auch eine Sogwirkung für die ganze Branche entfaltet.

Homeshopping für Billig-Fans

In Sachen E-Commerce hatte Aldi schon früher die Nase vorn und startete 2005 den Online-Verkauf. Auch ein Foto-Service wird seitdem über das Netz angeboten. Der Discounter Lidl zog nur wenige Monate später nach und ist seit 2006 mit einem eigenen Shop im Internet vertreten. Das Unternehmen folgte damals der Handelskette Plus, die da schon fünf Jahre Artikel im Internet verkaufte.

Was die Fernsehwerbung betrifft, so kehrte der Neckarsulmer Lidl-Discounter im vergangenen Septemberganz offensiv in die Werbeblöcke zurück (Nach der ersten TV-Kampagne im Jahr 2008 hatte Lidl etwas auf die Bremse getreten). Flankiert wurde die TV-Offensive von Hörfunkspots und von Werbemaßnahmen im Internet und in den Geschäften. Gleichzeitig reduzierte Lidl seine Ausgaben für Printwerbung.

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Auch Aldi Nord schockte die Verlage

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