Abschied vom Luxus
Privatjets für alle

Früher galten Privatjets als dekadentes Vergnügen für die oberen Zehntausend. Doch die Krise hat das Selbstverständnis der Branche verändert. Ein Sitzplatz ist mittlerweile fast zu Business-Class-Preisen zu haben.
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DüsseldorfWas dem Deutschen die Schickeria, das ist dem Briten der Jetset. So werden die Reichen und Neureichen genannt, die sich im eigenen Flieger nach Cannes oder in entlegene Golfclubs fliegen lassen. Sie prägen bis heute das Bild der privaten Luftfahrt. Der Privatjet gilt als Statussymbol und dekadentes Spielzeug der Superreichen. Doch die Zeiten des Jetsets neigen sich dem Ende zu.

Denn der Privatjet ist längst ein Werkzeug der Globalisierung geworden. Nicht nur Spitzenmanager wie VW-Chef Martin Winterkorn und Mode-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl schwören auf die schnellen Direktverbindungen. Doch mit der Zahl der Firmenkunden wächst auch die Konjunkturabhängigkeit. Kaum eine Branche wurde von der Wirtschaftskrise des Westens härter getroffen als die private Luftfahrt. Unternehmen mieden Privatjets, um neben schlechten Zahlen nicht auch noch schlechte Presse zu riskieren. Unvergessen ist der Auftritt der US-Autobosse von Chrysler, General Motors und Ford, die im Privatjet nach Washington gereist waren, um für Staatshilfen zu werben. Der Vorfall machte weltweit Schlagzeilen – und die Passagierzahlen der Privatflieger brachen ein.

Das Stigma der Dekadenz beherrscht seitdem die Branche, viele Unternehmen sind auf Linienflüge umgestiegen. 2009 brach der Markt für Privatflieger um satte 20 Prozent ein. Bis heute ist die Lage problematisch. „Die Geschäftsluftfahrt ist insgesamt auf dem Sinkflug“, sagt Marktforscher Christoph Kohler, Partner bei WingX Advance. Flugzeugbauer wie Eclipse Aviation und Hawker Beechcraft mussten Insolvenz anmelden. Die Krise hat Spuren hinterlassen und das Gesicht der privaten Luftfahrt verändert. „Der Privatjet wird mittlerweile ganz pragmatisch genutzt“, sagt Kohler.

Weil die Kunden immer preissensibler werden, entwickelt die Branche neue Wege, um auch preislich mit den Linienfliegern mithalten zu können. Natürlich ist ein Privatflug weiterhin deutlich teurer als die Economy-Class und auch die Business-Class. Doch der Aufpreis für die zusätzliche Flexibilität ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Und gerade bei hochbezahlten Angestellten geht die Kalkulation nun schneller auf.

„Die Geschäftsluftfahrt schafft es immer besser, ihre Vorzüge zu kommunizieren, statt ihr Luxusimage vor sich herzutragen“, hat Kohler beobachtet. In den USA sind Privatflüge schon ab 900 Dollar pro Flugstunde zu haben, vorher festgelegte Strecken gibt es vereinzelt sogar schon für 500 Dollar. Über die eigene Homepage vermittelt beispielsweise die US-Airline Jetsuite Restplätze in Privatfliegern zu Dumpingpreisen. Und auch in Europa entwickeln sich erste Preisbrecher: Globeair aus der Schweiz konzentriert sich mit preiswerten Angeboten auf die beliebtesten Ziele der Privatpassagiere. Von Mailand nach Nizza fliegt die Airline bereits ab 990 Euro.

Als direkten Linienflug gibt es diese Verbindung überhaupt nicht. Bei Umstieg in Amsterdam ist das günstigste Business-Class-Ticket für 600 Euro zu haben – bei einer üppigen Reisezeit von sieben Stunden.

Auch die Flotten der Privatflieger verändern sich. Für die Kurzstrecke sind mittlerweile ultraleichte Jets wie der Embraer Phanom 100 auf dem Vormarsch. Innerhalb weniger Jahre ist dieses Segment von null auf einen Marktanteil von fünf Prozent gewachsen und legte alleine im vergangenen Jahr um 16 Prozent zu. Auch Langstreckenjets wie der Falcon 7X von Dassault mit einer Reichweite von 11.000 Kilometern werden für Unternehmen immer interessanter, um internationale Geschäfte abzuwickeln.

Kommentare zu " Abschied vom Luxus: Privatjets für alle"

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  • Und wieder eine Titelzeile direkt von der Wand eines öffentlichen Pissoirs.

  • „Die Geschäftsluftfahrt schafft es immer besser, ihre Vorzüge zu kommunizieren, statt ihr Luxusimage vor sich herzutragen“… dieses Zitat von Herrn Kohler spricht uns aus der Seele. Wir stellen immer mehr fest, dass Geschäftskunden durchaus die Vorteile eines gemieteten Privatjets für eine Business-Reise erkennen. Und: sie erkennen, dass Broker, wie Air Partner den besten Marktüberblick über Preise und die passenden Flugzeuge haben. Da geht kein Weg daran vorbei.“

  • Bin mal wieder der Einzige im Forum der sich nicht hinter Pseudonymen versteckt um seinen persönlichen Frust mit Aussagekraft ZERO loszuwerden.
    Zum Thema - die Nutzung von Jets im Business spiegelt nur 5 - 10 % der geschäftlichen Nutzung wieder, die restlichen 90 - 95 % sind ein bis zweimotorige Geschäftreiseflugzeuge, genutzt von kleinen oder Einzel-Unternehme(r)n. Damit können sie pro Tag 2 - 3 Kunden besuchen, Geschäftstermine wahrnehmen und sind abends wieder zu Hause bei der Familie. Schauen Sie sich z.B. mal den Flugbetrieb der Flugplätze der Allgemeinen Luftfahrt in Egelsbach/Frankfurt, Lelystad/Amsterdam, Lognes/Paris, Schönhagen/Berlin oder Wiener Neustadt/Wien. Da kommen Nizza, London-Luton,Le Bourghet/Paris usw. noch lange nicht ran. Man muß nicht unbeding der Jetsettern hinterher geifern, schöner Showeffekt ... aber für die "Economie" wertlos.

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