Abschiedsprämie
Mehdorn pocht auf millionenschwere Abfindung

Bahnchef Hartmut Mehdorn ist abgetreten - aber nicht einfach so. Einen letzten Wunsch hat er noch: ein paar Millionen Euro. Und Mehdorn denkt nicht im Traum daran, auf eine Abschiedsprämie zu verzichten. Ganz im Gegenteil. Kommt es hart auf hart, will er schweres Geschütz auffahren. Der Bundeswirtschaftsminister reagierte prompt.
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BERLIN. Monatelang stand Bahnchef Hartmut Mehdorn in der Kritik: Hunderttausende von Mitarbeitern wurden durchleuchtet, im Auftrag der Bahn wurden Konten ausgespäht, auch den E-Mail-Verkehr wurde bei der Bahn flächendeckend überwacht. Vor neun Tagen warf Mehdorn nun das Handtuch, doch er hat noch einen letzten Wunsch: ein paar Millionen Euro.

Auch nach seinem Rückzug sorgt Hartmut Mehdorn für politischen Streit. Der scheidende Bahn-Chef droht dem Unternehmen juristische Schritte an, sollte sein bis Mai 2011 laufender Vertrag finanziell nicht voll erfüllt werden. "Herr Mehdorn pocht auf die Einhaltung seines Vertrages", sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person dem Handelsblatt. Andernfalls wolle Mehdorn die Sache seinem Anwalt übergeben.

Der scheidende Bahnchef schlägt damit einen Appell der Bundesregierung in den Wind. Vizeregierungssprecher Thomas Steg hatte in der vergangenen Woche erklärt, eine Einigung mit Mehdorn müsse "die aktuelle Diskussion über Bonus- und Abfindungszahlungen reflektieren". Hier gelte das "Gebot des Maßhaltens".

Der Bundeswirtschaftsminister reagierte Prompt auf den Handelsblatt-Bericht: Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) forderte vom scheidenden Bahnchef Hartmut Mehdorn im Streit um eine Abfindung mehr Fingerspitzengefühl. „In diesen Zeiten muss er mit solchen Fragen sehr sensibel umgehen und genau differenzieren“, sagte zu Guttenberg dem Handelsblatt.

„Ich bin allerdings auch weit davon entfernt, Mehdorn mit risikofreudigen Bankern in einen Topf zu werfen“, sagte Guttenberg. Es dürfe bei aller Aufregung um die Abfindung des Ex-Bahn-Chefs „nicht vergessen werden, dass Mehdorn gerade im letzten Jahr exzellente Zahlen geliefert hat“.

Mehdorn ist derzeit in Urlaub und war nicht zu erreichen. Ein Bahnsprecher sagte, weder der amtierende Vorstandschef noch der Konzern werde sich zu den Verhandlungen über eine Trennung äußern, bevor diese abgeschlossen sind.

Kritiker Mehdorns sehen in seinem Verhalten einen weiteren Affront. Der Bahnchef war im Zuge der Datenaffäre des Konzerns unter Druck geraten. Als bekannt wurde, dass die Bahn nicht nur Telefonnummern und Kontoverbindungen von Hunderttausenden von Mitarbeitern durchleuchtete, sondern auch den E-Mail-Verkehr ausforschte und sogar E-Mails löschte, wurde der politische Druck so groß, dass Mehdorn dem Aufsichtsrat des Bundesunternehmens seinen Rücktritt anbot. Die Bundesregierung schlug daraufhin am vergangenen Freitag den Daimler-Manager Rüdiger Grube zum Nachfolger Mehdorns vor. Der Aufsichtsrat der Bahn muss den Personalien noch zustimmen und verhandelt nun mit Mehdorn über die Vertragsauflösung.

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