Abschreibung auf Real-Märkte
Bei Metro regiert der schöne Schein

Metro nimmt bei seiner Supermarktkette Real eine massive Wertberichtigung vor. Der Konzern schafft es erneut, schlechte Botschaften mit Optimismus zu verkaufen. Doch dafür hat Metro nicht wirklich Grund. Ein Kommentar.
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HamburgEinen ganzen Tag lang will der Düsseldorfer Handelskonzern Metro in der übernächsten Woche internationalen Journalisten seine neuen Konzepte erklären. Darin ist der Konzern Weltklasse: im Präsentieren. Schon sein Geschäftsbericht ist jährlich ein Highlight dessen, was Agenturen für ein buntes Buch aus einem nüchternen Zahlenwerk machen können.

Im Falle der notorisch kriselnden SB-Warenhauskette Real bereinigt Metro nun die Bilanz. 450 Millionen Euro schreibt der Konzern auf Firmenwerte ab. Solch eine Abschreibung ist ein Eingeständnis: Der Zukauf ist heute weniger wert, als wir einst gezahlt haben. Denn die einst erwarteten Gewinne wird Real nicht einspielen.

Auch hier ist Metro ein Meister im Präsentieren: Die schlechte Botschaft verkauft der Konzern mit Optimismus. „Wir haben in den vergangenen drei Jahren bereits erheblich in die Modernisierung und Neuausrichtung von Real investiert und sehen hier insbesondere im Umsatz der auf das neue Konzept umgestellten Hypermärkte sehr positive Entwicklungen“, sagte Konzernchef Olaf Koch. Ganz freiwillig ist solch eine Abschreibung nicht: Sie ist schlicht vorgesehen, wenn die Werthaltigkeit nicht mehr gegeben ist.

Dennoch ist es positiv, dass Metro diese Abschreibung nun vornimmt: Damit zwingt sich der Konzern nicht mehr, den Firmenwert künstlich hoch zu halten. Er könnte damit mehr investieren in den Umbau von Filialen, weil das Ergebnis nicht mehr hoch genug ausfallen muss, um den überhöhten Firmenwert in der Bilanz zu rechtfertigen. Denn der Filialumbau geht viel zu langsam voran, viele Real-Märkte sind schlichtweg aus der Zeit gefallen. Dass ist einer der Gründe für die schlechte Performance.

Die Abschreibung gibt Metro also mehr Luft. Eine wirklich gute Nachricht ist sie dennoch nicht – trotz aller Präsentationskunst. Denn noch immer stehen 630 Millionen Euro Firmenwert für Real in der Bilanz. Weitere Abschreibungen sind also nicht ausgeschlossen. Das Konzept SB-Warenhaus „Einmal hin, alles drin“ könnte sich im eCommerce-Zeitalter schlichtweg überlebt haben.

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