Abschreibung auf Real-Märkte

Bei Metro regiert der schöne Schein

Metro nimmt bei seiner Supermarktkette Real eine massive Wertberichtigung vor. Der Konzern schafft es erneut, schlechte Botschaften mit Optimismus zu verkaufen. Doch dafür hat Metro nicht wirklich Grund. Ein Kommentar.
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Diese Händler machen Deutschland satt
Platz 10: Globus
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Die Supermarktkette aus dem Saarland entwickelte bereits 1966 ein Konzept, das einem modernen Supermarkt ähnelt. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 18.500 Mitarbeiter in 46 SB-Warenhäusern. Im Jahr 2015 erreichte die Globus-Gruppe einen Umsatz von 4,82 Milliarden Euro.

Quelle: TradeDimensions

Platz 9: Rossmann
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Die Drogeriekette kann den Umsatz mit Lebensmitteln im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern. Waren es 2014 noch 5,41 Milliarden Euro, machte Rossmann im vergangenen Jahr 5,75 Milliarden Euro Umsatz. Die Drogeriekette von Dirk Roßmann verkauft vor allem Bio-Lebensmittel und Wein.

Platz 8 : dm
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Der erste dm-Markt eröffnete 1973 in Karlsruhe. Heute ist dm in zwölf europäischen Ländern mit über 3.200 Marken präsent. Mit 7,03 Milliarden Euro Umsatz dürfte der Drogeriekonzern durchaus zufrieden auf das vergangene Jahr zurückblicken.

Platz 7: Tengelmann
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2015 gehörte die Handelskette aus Mühlheim an der Ruhr noch zu den größten Lebensmittelhändlern der Republik mit einem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2015. Im März 2016 wurde allerdings die Übernahme durch den Konkurrenten Edeka von Wirtschaftsminister Gabriel genehmigt.

Platz 6: Lekkerland
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Der Handelsriese mit Sitz in Frechen beliefert vor allem die Shops von Tankstellen und kleine Büdchen. Das Geschäft mit dem Spontan- und Spätkauf katapultiert Lekkerland unter die größten Händler mit einem Umsatz von 9,08 Milliarden Euro.

Platz 5: Metro-Gruppe
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Zum Dax-Konzern gehört mit Metro Cash&Carry nicht nur der führende Lebensmittel-Großhändler, sondern auch die real-Supermärkte. Damit nehmen die Düsseldorfer unter Deutschlands Lebensmittelhändlern eine führende Position ein. Dennoch büßte die Gruppe im Vergleich zu 2014 mehr als drei Milliarden Euro ein und brachte es im vergangenen Jahr auf einen Umsatz in Höhe von 26,13 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür ist der Verkauf der Warenhaussparte Galeria Kaufhof.

Platz 4: Aldi
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Beim Lebensmittelabsatz landet der Discounter auch in diesem Jahr nicht auf dem Treppchen – überholt aber Metro und landet auf Platz vier. Der Umsatz stieg 2015 auf 27,8 Milliarden Euro. Aldi Nord und Aldi Süd legten gemeinsam um 1,5 Prozent zu.

HamburgEinen ganzen Tag lang will der Düsseldorfer Handelskonzern Metro in der übernächsten Woche internationalen Journalisten seine neuen Konzepte erklären. Darin ist der Konzern Weltklasse: im Präsentieren. Schon sein Geschäftsbericht ist jährlich ein Highlight dessen, was Agenturen für ein buntes Buch aus einem nüchternen Zahlenwerk machen können.

Im Falle der notorisch kriselnden SB-Warenhauskette Real bereinigt Metro nun die Bilanz. 450 Millionen Euro schreibt der Konzern auf Firmenwerte ab. Solch eine Abschreibung ist ein Eingeständnis: Der Zukauf ist heute weniger wert, als wir einst gezahlt haben. Denn die einst erwarteten Gewinne wird Real nicht einspielen.

Der Autor ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte. Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Kapalschinski

Der Autor ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

(Foto: Pablo Castagnola)

Auch hier ist Metro ein Meister im Präsentieren: Die schlechte Botschaft verkauft der Konzern mit Optimismus. „Wir haben in den vergangenen drei Jahren bereits erheblich in die Modernisierung und Neuausrichtung von Real investiert und sehen hier insbesondere im Umsatz der auf das neue Konzept umgestellten Hypermärkte sehr positive Entwicklungen“, sagte Konzernchef Olaf Koch. Ganz freiwillig ist solch eine Abschreibung nicht: Sie ist schlicht vorgesehen, wenn die Werthaltigkeit nicht mehr gegeben ist.

Dennoch ist es positiv, dass Metro diese Abschreibung nun vornimmt: Damit zwingt sich der Konzern nicht mehr, den Firmenwert künstlich hoch zu halten. Er könnte damit mehr investieren in den Umbau von Filialen, weil das Ergebnis nicht mehr hoch genug ausfallen muss, um den überhöhten Firmenwert in der Bilanz zu rechtfertigen. Denn der Filialumbau geht viel zu langsam voran, viele Real-Märkte sind schlichtweg aus der Zeit gefallen. Dass ist einer der Gründe für die schlechte Performance.

Die Abschreibung gibt Metro also mehr Luft. Eine wirklich gute Nachricht ist sie dennoch nicht – trotz aller Präsentationskunst. Denn noch immer stehen 630 Millionen Euro Firmenwert für Real in der Bilanz. Weitere Abschreibungen sind also nicht ausgeschlossen. Das Konzept SB-Warenhaus „Einmal hin, alles drin“ könnte sich im eCommerce-Zeitalter schlichtweg überlebt haben.

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