„Absolut unverhältnismäßig“
Verdi bedauert Streik-Ausmaß am Frankfurter Flughafen

Tausende Passagiere waren durch einen Warnstreik am Frankfurter Flughafen gestrandet. Beide Seiten schieben sich nun die Schuld an der Eskalation zu. Viele Passagiere lassen indes Dampf bei der Gewerkschaft Verdi ab.
  • 4

FrankfurtNach dem Warnstreik des privaten Sicherheitspersonals am Frankfurter Flughafen müssen Reisende bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 5. März keine weiteren Ausstände befürchten. Das betonte Verdi-Sprecherin Ute Fritzel am Sonntag. Durch den Ausstand von rund 800 Mitarbeitern des Sicherheitspersonals waren am Freitag rund 100 der insgesamt 1300 Flüge gestrichen worden. Etwa 37.000 von knapp 150.000 Passagieren konnten nicht fliegen. Das sei „absolut unverhältnismäßig“, sagte ein Fraport-Sprecher. Am Sonntag hatte sich die Lage am Flughafen nach seinen Angaben wieder vollständig entspannt.

Zuvor hatten die Lufthansa und der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) den Streik als „völlig überzogen“ und „vollkommen inakzeptabel“ kritisiert. Verdi-Sprecherin Fritzel bedauerte am Sonntag, dass „so viele Menschen“ Unannehmlichkeiten gehabt hätten. „Mit diesem Ausmaß und dieser großen Beteiligung haben wir nicht gerechnet“, sagte sie. Bei Verdi in Frankfurt seien am Wochenende sehr viele verzweifelte und wütende E-Mails und Anrufe von Reisenden eingegangen.

Der Warnstreik der privaten Sicherheitsleute hatte Deutschlands größten Flughafen am Freitag nahezu lahmgelegt. Mitarbeiter der Bereiche Personenkontrolle, Frachtkontrolle, Flughafensicherheit und Services waren aufgerufen, die Arbeit für 21 Stunden niederzulegen. In den Terminals drängten sich zeitweise Tausende Menschen. 250 Reisende übernachteten auf Fraport-Feldbetten am Flughafen, die Lufthansa verteilte 3000 Hotel-Gutscheine an ihre Passagiere. Noch am Samstag bildeten sich vor den Sicherheitskontrollen längere Warteschlangen als üblich. Etwa 10.000 Passagiere vom Vortag mussten zusätzlich abgefertigt werden.

Laut Verdi-Sprecherin Fritzel hat auch der Flughafenbetreiber Schuld an der Eskalation. „Fraport hat ganz offensichtlich überhaupt nicht reagiert und überhaupt kein Krisenmanagement an den Tag gelegt.“ Ein Fraport-Sprecher wies diesen Vorwurf als „vollkommen ungerechtfertigt“ zurück. Die Sicherheitsleute bräuchten eine spezielle Ausbildung. „Da können Sie nicht einfach Ersatzpersonal hinsetzen“, sagte der Sprecher.

Was die Tarifauseinandersetzung angehe, seien die Verdi-Verantwortlichen zufrieden, sagte Sprecherin Fritzel. Verdi fordert für die Sicherheitsleute einen einheitlichen Stundenlohn von 16 Euro.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " „Absolut unverhältnismäßig“: Verdi bedauert Streik-Ausmaß am Frankfurter Flughafen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das sich Verdi nun entschuldigt ist ein reiner Hohn. Selbst ohne Schulabschluss weiß man, dass eine Komplettblockade zum Chaos führt. Das war kein Warnstreik, sondern ein militärischer Erstschlag. Es ist zu vergleichen mit der Situation, dass Sie Streit mit Ihrem linken Nachbar haben, aber das Haus Ihres rechten Nachbars in die Luft sprengen und dann behaupten:" Oh, ich wollte doch nichts kaputt machen". Kurzum: Dummheit und Inkompetenz auf der ganzen Linie. Herr Venema, bitte verlassen Sie Ihren Posten und zwar schnell.

  • @KurzfristdenkerVerd.i

    Das mit den Arbeitsplätze vernichten ist im moment eher weniger ein Problem. Die Technik ist vorhanden stößt aber bei der Bevölkerung auf Ablehnung. Somit müssen wir weiter mit dem Sicherheitspersonal arbeiten.
    Ein anderes Problem ist das es auch nicht genug geigenete Bewerber auf die Stellen gibt. Erstmal schaffen nicht alle die Prüfung und zweitens gehn sehr viele nach kurzer Zeit wieder. Das ging schon soweit das in Frankfurt zeitweise einer Firma der Auftrag entzogen wurde, weil das ganze Personal einfach aufgehört hatte und die Flieger nicht mehr pünktlich rausgingen!
    Der Großteil der Personals kommt gar nicht aus Frankfurt sondern fahren jeden Tag von Heidelberg, Mannheim, Koblenz und Limburg bis nach Frankfurt und müssen dort teilweise noch eine Zweitwohnung finanzieren. Einige kommen von noch weiter. Es ist in Frankfurt alleine kein ausreichendes Personal verfügbar!
    Und ohne Personal stehen sie auch Stundenlange in der Schlange. Hat dazu vieleicht irgendjemand irgendwelche Tipps wie man verhindern kann das soviel wieder aufhören und soviel gar nicht erst in dem Beruf arbeiten wollen? Weiß irgendjemand wie man Anreize schaffen kann das man qualitatives Personal ausreichend bekommen und halten kann.

    Und für 9 bis 10 Euro/Std wie es in der vergangenheit schon war kann man auch keine Ansprüche bei der Auswahl des Personals stellen. Es geht nur darum die Sollstärke aufrecht zu erhalten das Sie nicht 3 Stunden in der Schlange stehen!

    Dann gab es da auch noch die Forderung die Fraport möge doch bitte mehr eigenes Personal einstellen. Tatsache ist das die Fraport als Flughafenbetreiber gar kein eigenes Persoan in dem Bereich einsetzen darf. Das ging nur aufgrund einer Sondergenehmigung. Die 700 Mitarbeiter die nicht gestreikt haben werden voraussichtlich 2015 auf die Private Tochterfirma verteilt.

  • @Frankfurter Ok Ihrer Meinung kann man entnehmen das Sie bei verd.i sind... und wie immer durch geschicktes weglassen von Informationen eine Meinung verbreiten.
    ja es gibt in HH, Düsseldorf etc. bereits Tarif-Einigungen, nur die liegen bei 13-14€ und das bedeuten fast 18% Lohnerhöhung... die es so in der Wirtschaft nicht gibt... Frankfurt fordert 16€ also noch mehr, fragt sich sind die Frankfurter mehr Wert als die Hamburger? Diese extremen Lohnerhöhungen erreicht verd.i in den letzten Jahren nur noch im Bahn und Flugverkehr... da kann man die breite Masse schädigen um schneller sein Ziel zu erreichen. 800 Mitarbeiter streiken um dann einen Millionen Schaden für das Land zu bringen. An die Auswirkungen haben Sie doch noch nie gedacht, Flüge von Ausländern erfolgen lieber über Nachbarstaaten weil Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt immer wieder bestreikt werden, mal Sicherheitspersonal, dann Vorfeldmitarbeiter etc., immer schön reihum und die Passagiere und Fluggesellschaften schön ärgern. Wenn dann immer mehr Passagiere mit den arabischen Airlines fliegen und um Deutschland einen Bogen machen und das wird immer mehr, ist es egal ob Sie die 16e bekommen haben oder nicht, die Stellen fallen weg weil man sie nicht mehr benötigt... Tja kurzfristiges Denken hat eben langfristig selten was gebracht... also streikt weiter und vernichtet eure eigenen Arbeitsplätze...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%