Accor-Hotelgruppe
„Marken sind das neue Kapital“

Accor-Chef Denis Hennequin krempelt den größten Hotelkonzern Europas um und verkauft die kriselnden Billighotels in den USA. Das Markendurcheinander soll gelichtet, das Unternehmen weniger französisch werden.
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Wirtschaftswoche: Monsieur Hennequin, der Accor-Umsatz ist 2011 um gut fünf Prozent auf 6,1 Milliarden Euro gestiegen, das Ergebnis vor Steuern um fast 40 Prozent auf 450 Millionen Euro. Trotzdem wollen Sie den Konzern komplett umkrempeln. Warum?

Hennequin: Sie übertreiben – mir geht es nicht darum, Accor total umzubauen. Aber ich glaube, dass Stillstand Rückschritt ist. Es geht darum, das Unternehmen kräftig durchzuschütteln, damit es nicht träge wird. Es geht darum, wie wir uns in Zukunft aufstellen sollen.

Geht es etwas konkreter?

Accor war ursprünglich ausschließlich Hotelbetreiber. In den vergangenen 20 Jahren sind aber viele neue Aktivitäten abseits unseres Kerngeschäfts dazugekommen. Etwa das Geschäft mit Service-Vouchers, mit denen weltweit vorab bezahlte Dienstleistungen in Restaurants, Reinigungen oder Geschenk-Lieferdiensten in Anspruch genommen werden konnten. Und viele neue Hotels haben wir selbst finanziert, zum Teil mit Schulden.

Unser derzeitiges Geschäftsmodell ist darum viel zu kapitalintensiv. Diese Fehlentwicklungen wollen wir bereinigen. Das Voucher-Geschäft ist bereits verkauft. Und um weniger Kapital zu binden, werden wir neue Hotels hauptsächlich im Rahmen von Franchise- oder Managementverträgen betreiben.

Bauen und finanzieren soll die Hotels also überwiegend jemand anders, Accor will sich auf die Rolle des Betreibers oder – noch besser – auf die des Franchisegebers beschränken und nur Marke und Vertrieb stellen?

Richtig. Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft und kehren zurück zu unseren Wurzeln. Wurzeln sind wichtig, um zu wachsen, und wir müssen wachsen, um unsere weltweite Spitzenposition in der Hotelbranche halten zu können. Champion wird man niemals in mehreren Disziplinen, man muss sich auf das beschränken, was man am besten kann.

„Open new frontiers in hospitality“, also, dem Gastgewerbe neue Horizonte öffnen, heißt der neue Claim, den Sie Accor verordnet haben. Das klingt nun allerdings sehr beliebig.

Finden Sie? Da bin ich anderer Meinung. Unser alter Claim „We put a smile on your face – Wir zaubern ein Lächeln in Ihr Gesicht“ ist tatsächlich kraftlos und passt für jede Branche. Mit dem neuen Claim fokussieren wir uns auf das Hotelgeschäft. Gleichzeitig ist das ein Versprechen an unsere Kunden und eine Verpflichtung für uns selbst.

Reichlich viel Interpretationen für einen Werbespruch.

Ich glaube an die Macht der Worte. Sie geben neue Kraft, und die brauchen wir. Und sie formulieren unser neues Ziel: Wir wollen uns der ganzen Welt mit ihren vielfältigen Kulturen gegenüber öffnen, wollen internationaler und etwas weniger französisch werden. Heute stammen 70 Prozent unseres Geschäfts aus Europa und nur 30 Prozent aus dem Rest der Welt. Ich will dieses Verhältnis umkehren. Accor soll zum Weltkonzern werden.

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